Wir hatten nach den Düsseldorfer Ereignissen an dieser Stelle geschrieben, es müsse alles getan werden, damit "die Beziehungen der beiden staatserhaltenden Parteien, der CDU und der SPD, nicht vergiftet würden". Damit war gemeint, daß die große Aufgabe der Wiedervereinigung Deutschlands nur gelingen könne, wenn die beiden Parteien, die für eine kompromißlose Demokratie in ganz Deutschland eintreten, in dieser Frage zusammenhalten.

Ein Leser schrieb daraufhin, er bestelle die Zeitung ab, denn es ginge zu weit von der "klassenkämpferischen" SPD als einer "staatserhaltenden" Partei zu sprechen! Nun, es mag ein Leser gewesen sein, dessen Vorstellungen in einer Zeit geprägt wurden, die unserer Generation kein Begriff mehr ist. Man könnte mit betrübtem Kopfschütteln darüber hinweggehen, wenn nicht mitten in der Diskussion unserer Tage, nämlich im Bundestag, und zwar diesmal von der linken Seite, ähnlich giftige Bemerkungen gefallen wären. Sagte doch da der SPD-Abgeordnete Arndt, es sei "Brunnenvergiftung", wenn "draußen" gesagt werde, es gäbe eine Einigung zwischen SPD und CDU in der Wehrfrage. Also wenn man die Tatsache, daß SPD und CDU mit 390 gegen 20 Stimmen die Änderung im Grundgesetz gemeinsam vorgenommen haben, erfreut als Zeichen gemeinsamer Verantwortlichkeit und Einigung zur Kenntnis nimmt, so heißt das, Brunnenvergiftung treiben! Die Leute draußen haben wenig Verständnis für diese geheimnisvolle Auslegung der Leute drinnen, denn der Mehrzahl der Wähler draußen kommt es auf vernünftige Maßnahmen an und nicht auf verfrühte Wahlpropaganda der Leute drinnen – was die Wahl in Württemberg-Baden erneut bestätigt hat. D