Auch zu Beginn der neuen Woche bestimmte eine allgemeine Zurückhaltung das Geschäft auf den westdeutschen Wertpapierbörsen, so daß es bei den Aktien zu weiteren Kurseinbußen kam, die sich allerdings in relativ engen Grenzen halten. Immerhin haben sich die Börsen in der Bundesrepublik mit dieser Tendenz von den Hausse-Bewegungen in New York distanziert, die mit kleinen Unterbrechungen anhalten, seit Eisenhower keinen Zweifel mehr an seiner Präsidentschaftskandidatur ließ.

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Nach einem Konjunkturfest des Münchener Ifo-Instituts, der sich auf Einzelbefragungen in der Wirtschaft stützt, sind die Spannungen im Investitionsgüterbereich nach einjähriger lebhafter Prosperität kaum geringer geworden. Auch die Verbrauchsgüterindustrie schließt sich jetzt der seit Monaten aufwärts gerichteten Preisbewegung in der Investitionsgüterindustrie zunehmend an. Der Einzelhandel rechnet in den kommenden Wochen mit einer kräftigen Umsatzbelebung, wobei mit Preisherabsetzungen für Glas-, Porzellan- und Keramikerzeugnisse, für Büromaschinen und auch für Möbel gerechnet wird. Die steigenden Preistendenzen für Schuhwaren, Uhren und Schmuck sowie Eisen und Eisenwaren und Hausrat wird sich vermutlich deutlich abschwächen.

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Das Deutsche Industrieinstitut wendet sich in seinem Schnelldienst gegen die Behauptung des Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts der Gewerkschaften, daß von 1954 auf 1955 das Masseneinkommen langsamer gestiegen sei als das Sozialprodukt. Das Institut verweist auf Berechnungen der BdL, nach denen das Bruttosozialprodukt im Jahre 1955 um 11,8 v. H., das Masseneinkommen aber um 12,4 v. H. gestiegen sei. Der Anteil des Masseneinkommens hat sich entgegen der Behauptung der Gewerkschaften von 49,4 v. H. im Jahre 1954 auf 49,7 v. H. im Jahre 1955 erhöht. In der gleichen Zeit sank der Anteil der Einkommen der Selbständigen und Unternehmungen von 27,6 v. H. im Jahre 1954 auf 26,4 v. H. im Jahre 1955.