München, im März

Das komplizierte Wahlverfahren bei den am 18. März in Bayern abgehaltenen Gemeindewahlen brachte es erstens mit sich, daß die Wähler annähernd zehn Minuten hinter den Pappverschlägen zu tun hatten, und zweitens, daß die genauen Ergebnisse nicht vor Ende der nächsten Woche zu erwarten sind.

Bei strahlender Frühlingssonne sind in den 148 kreisfreien Städten die Stadträte, in 143 Landkreisen die Kreisräte und in 7074 Gemeinden die Gemeinderäte neu gewählt worden. Den sechs Millionen bayrischer Wähler standen 190 000 Wahlkandidaten gegenüber, die nach den vielen Anstrengungen eigentlich eine höhere Wahlbeteiligung verdient hätten. Während auf dem Lande bis zu 85 v. H. der Bewohner an die Wahlurnen gingen, interessierten sich von den 700 000 Münchnern kaum mehr als die Hälfte dafür, wer die Geschicke ihrer Stadt in den kommenden Jahren in die Hand nimmt; von diesen aber wurde der altbekannte Oberbürgermeister, Thomas Wimmer (SPD), zum drittenmal in seinem Amt bestätigt.

Kuriose Listenverbindungen wurden eingegangen. Der CSU-Ehrenvorsitzende von Höchstadt zum Beispiel war Spitzenkandidat der gegen die CSU gerichtete Liste für "Recht und Kreisaufbau". Die bayerischen Regierungsparteien taten sich in vielen Fällen mit der Opposition zusammen, um den lokalen Kandidaten zu unterstützen. So hatten sich in Neustadt/Aisch die CSU, FDP und BP mit dem "Parteilosen Block" liiert, wobei innerhalb der CSU die "Union der Vertriebenen" eine Art christlich-sozialen BHE darstellt.

In den kreisfreien Städten wurde allgemein der bisherige Oberbürgermeister im Amt bestätigt, während sich in den Stadt- und Landkreisen das Bild doch wesentlich verschoben hat. Alle Verluste der kleineren Parteien – dazu ist in Bayern auch die FDP zu zählen – kamen der CSU und den Sozialdemokraten zugute. Beide Parteien gewannen Stimmen. Es ist schwer, daraus Prognosen für die Bundestagswahlen abzuleiten, weil die Fahnen der bayerischen SPD das weiß-blaue Rautenbanner nie ganz zugedeckt haben und die Stimmenverluste bei der Bayernpartei nicht auf das Bonner Konto gesetzt werden können.

Wenn sich in München die SPD an der Spitze halten konnte, so ist das wohl nicht in erster Linie ein Votum für die Partei, sondern für die Persönlichkeit von Thomas Wimmer, der sich in seiner urbayerischen Gemütlichkeit" stets über die Rathausskandale der letzten Zeit mit Humor hinwegsetzte. Einem Humor, den man in Bayern keinesfalls gegen amtliche Exaktheit und Schreibstubendrill einzutauschen bereit ist. W. Loehde