Freiwilligenmeldungen für die Offizierslauf bahn nehmen zu

Von Sabina Lietzmann

Der flinke Schlosser aus unserer Garage ist verschwunden. "Ab nach Bonn", erklärt der Chef verdrossen. "Zu Blank, Uniform anziehen. Ein Jammer um den Jungen. Er war der beste Schlosser, den ich hatte." Ich erfahre, daß er Student war an der Technischen Hochschule und die Schlosserausbildung nebenher machte. "Was hätte der für Möglichkeiten gehabt! Und jetzt geht der zur Armee! Was kann er da groß verdienen? Hat mir das Merkblatt gezeigt: bis zu fünfhundert Mark als Oberleutnant. Was ist das schon, frage ich Sie! Daß die das Soldatspielen nicht lassen können, die Burschen!"

Ein anderer Kunde, der hinzukommt, kann das so schlimm nicht finden. Ist doch nichts Ehrenrühriges, meint er, aus der Klasse seines Sohnes hätten sich auch fünf – "denken Sie, fünf Abiturienten!" – als Offiziersbewerber gemeldet. Es sei doch nur gut, wenn gerade am Anfang die Besten dabei seien, "damit die Karre nicht wieder schiefläuft." Doch der Garagenmeister, über den Verlust seines Schlossers verstimmt, murmelt kopfschüttelnd vor sich hin: "Warum gerade Soldat?"

In Bonn, vor dem Bundesverteidigungsministerium, habe ich sein verdrossenes "Warum?" noch im Ohr. Manche der jungen Männer, die hier durch die Tore und Flure drängen, mögen ihre Arbeitgeber in ähnliche Stimmung versetzt haben.

Ich frage nach Herrn G. "Oberstleutnant G." korrigiert der Pförtner freundlich und nennt mir die Zimmernummer. Statt der Sekretärinnen sitzen junge Herren an den Schreibtischen im Vorzimmer, freilich ebenso in Zivil wie Herr G. selber. Auf seinem Schreibtisch stapeln sich die täglich einlaufenden Briefe der jungen Offiziersbewerber, ein paar Dutzend sind es manchen Tag.

Nach den Motiven der Bewerber befragt, überlegt er eine Weile. So einfach sei das nicht zu sagen, die wenigsten geben Gründe für ihre Entscheidung an, und auf den Bewerbungsformularen wird danach nicht gefragt. Aus reinem Opportunismus, einer militärischen Konjunktur gewissermaßen, melden sich die wenigsten. Die Entscheidung ist gewöhnlich überlegt, und aus den oft erstaunlich spezialisierten Wünschen nach einer bestimmten Truppengattung läßt sich schließen, daß weniger Soldatsein und Uniformtragen an sich eine ungewisse Lockung darstellen, sondern daß die Bewerber genau umrissene Vorstellungen von ihrer künftigen Beschäftigung haben.