Schweizer Südseen und Italien

Schon immer war es so: Wer es sich leisten kann, fährt zu Ostern an die Schweizer Südseen oder an die Riviera auf italienischer oder französischer Seite. Oder noch weiter in den Süden. Auch in diesem Jahr wird es nicht anders sein, obwohl wir es jetzt schon wochenlang erleben, daß es im Süden ebenso winterlich oder sogar winterlicher ist als nördlich der Alpen. Aber Ostern, ja, man hat doch ein verbrieftes Recht darauf, den im Norden noch nicht so recht "durchgebrochenen" Frühling dort unten ganz sicher anzutreffen.

Auch am Bodensee kann man schon die ersten Spuren des Frühlings finden, wenn nicht auf deutscher dann auf Schweizer Seite, aber sonnenstärker sind die Seen: Maggiore, Como, Lugano. Weiter südlich, in der weniger geschützten weiten lombardischen Ebene, hat die Zuverlässigkeit des Frühlings leider sehr nachgelassen, wie ein Blick in die Aufzeichnungen der Wetterdienste der letzten 20, 30 Jahre lehrt. Diese Tatsache ist in ganz Mitteleuropa zu verzeichnen. Das Klima und die Jahreszeiten haben sich verändert, und die Gelehrten suchen noch nach einer Erklärung, die wirklich stimmt.

Wer also die Osterreise in die Schweiz oder über die Schweiz hinaus antritt, der sollte sich in der Kleidung darauf einstellen, daß seine Frühlingsfahrt jäh in einem unvorhergesehenen Winter enden kann. Auch mit dem Essen sollte der Reisende besonders achtsam sein. Reisebüros und Bahnen, Luftfahrtgesellschaften und Autoklubs rechnen mit dem Ansturm der Osterreisenden in die Schweiz und Italien. Sie warten sehr darauf, sich "mitteilen" zu können.

*

Die Wetterpropheten melden: Aller Voraussicht nach wird das Wetter zu Ostern viel besser sein, als es sich zur Zeit noch gibt. Die Wende soll, wenn man sich auf Voraussagen verlassen kann, etwa in den Tagen zwischen dem 23. und 27. März eintreten. Danach kann man also getrost mit der Planung der Osterreise beginnen.

In den höheren Lagen aller Mittelgebirge ist Wintersport noch möglich; Sauerland, Harz, Schwarzwald melden aus vielen Orten noch gute Schneeverhältnisse. In Oberbayern ist sogar über 1500 Meter neuer Pulverschnee gefallen. Selbst wenn es in den Tagen vor Ostern im Alpen- und im Bergvorland tauen sollte, so ist das noch lange kein Alarmzeichen. Der Schnee hält sich erfahrungsgemäß für Ski und Rodel an manchen Stellen noch wochenlang, auch wenn es nicht mehr friert.

Die Auswahl der Osterreiseziele ist unendlich groß. Jeder Ort in den Höhen ab 500, 600 Meter bemüht sich um Aufnahme von Gästen. Die Idee, zu Ostern in ein Ostseebad zu gehen, ist übrigens auch nicht so abwegig, denn auch dort ist man auf Besuch durchaus vorbereitet. Und wenn der Wetterumschwung, wie erwartet, kommt, ist es in den Buchten im Frühlingssonnenschein ganz besonders schön. Auch die Lüneburger Heide ist gerüstet, und die Holsteinische Schweiz hat in jedem Jahr, auch wenn Ostern früher liegt, immer ihr gut gemessenes Teil an Besuchern abbekommen. Eine kleine Schar unentwegter Freunde der Nordsee geht in diesem Jahr wieder nach Sylt, nach Föhr und Amrum, und auch die sieben schönen ostfriesischen Inseln werden nicht leer ausgehen, von Borkum bis Wangerooge sind überall Häuser aufnahmebereit. hm