Ausgepfändet und ohne Existenz steht in diesen Tagen Willi Dieckmann vor seiner Mühle in Alvesloh und denkt über die Wege nach, die Recht und Finanzamt in diesem Lande zu gehen imstande sind. Im Herbst 1948 trat der holländische Kaufmann Julius Adami an Dieckmann heran. Die beiden vereinbarten, daß Dieckmann große Gewürzpartien verarbeiten sollte. Von den Inlandserlösen sollte er zwanzig Prozent erhalten. Adami wünschte seine achtzig Prozent ohne Quittung zu empfangen, weil er einen Teil des Gewinns als Bestechungsgeld für die JEIA brauchte. Die Finanzdirektion in Kiel schloß am 18. Nov. 1948 mit Herrn Dieckmann ein Pauschalierungsabkommen, in dem sie sich, über den Charakter des Geschäftes völlig informiert, bereit erklärte, ihm ohne Namensnennung auf eidesstattliche Versicherung zu glauben, daß er achtzig Prozent des Erlöses aus dem Inlandsgeschäft an andere Personen abgeführt habe. Nach diesem Abkommen sollte Dieckmann 150 000 Mark Steuerpauschale bezahlen.

Im März 1949 kündigte das Finanzamt, nach einer wenig wohlwollenden Betriebsprüfung, das Pauschalierungsabkommen mit der Begründung, Dieckmann habe sich dieses Abkommen "erschlichen". Kurz darauf erhielt er Steuerbescheide über 1,2 Millionen Mark.

Dieckmann wurde "wegen fortgesetzter verbotener Einfuhr in Tateinheit mit einer fortgesetzten Steuerordnungswidrigkeit ..." verurteilt.

Die fortgesetzte Ignoranz des Finanzamtes endete erst am 14. März 1955. An diesem Tage hob es die Vollstreckungsmaßnahmen auf und gab Dieckmann seinen Betrieb zurück. Er erhielt nun neue Steuerbescheide von 38 000 DM. Man hatte sich um mehr als eine Million "geirrt".

Dieckmann klagte auf Schadenersatz. Das Landgericht Kiel wies die Klage am 7. Februar 1956 mit der Begründung ab, Dieckmann habe die unrichtige Veranlagung selber verschuldet. Die vorzeitige Vollstreckung stelle zwar einen Ermessensmißbrauch des Finanzamtes dar, aber: "Eine Verwaltungsarbeit wäre unmöglich, wenn schon in jeder unrichtigen Ermessensentscheidung eine Amtspflichtverletzung liegen würde." Dagegen will Dieckmann Berufung einlegen.