Schon lange kämpfen die bayerischen Gastwirte um einen höheren Schanknutzen. Doch der Bierpreis ist in Bayern ein Höchstpreis und die Brauereiabgabepreise an die Wirte sind seit 1952 unverändert. Die Brauer beteuern die Unmöglichkeit, die Abgabepreise zu senken und weisen dabei auf die höheren Kosten für Kohle, Strom und Löhne hin, die nur durch den gesteigerten Ausstoß und günstigere Einkaufsbedingungen für Hopfen und Gerste aufgefangen werden konnten. Nun hat der bayerische Wirtschaftsminister Bezold ausgerechnet während der Starkbierzeit und vor den Münchner Stadtratswahlen die Diskussion erneut entfacht. Er befürwortete nämlich ein geringes Aufgeld für die Wirte beim Ausschank von kleineren Biermengen, also beim Viertel- oder Halbliterglas. Der Literpreis solle jedoch unverändert bleiben.

Die Gewerkschaften haben eine solche Preiserhöhung durch die Hintertür, die beim Schoppen einfachen Vollbieres etwa zwei und beim halben Liter etwa vier Pfennig ausmachen dürfte, abgelehnt. Auch der Bayerische Brauerbund betont, am festen Bierpreis festhalten zu wollen. Das Hotel- und Gaststättengewerbe jedoch sieht einen solchen Schritt nur als eine Zwischenlösung an. Um den Schanknutzen zu erhöhen, rechtfertige das beim Ausschank kleinerer Mengen „erhöhte Glas-Risiko“ einen solchen Schritt. Die letzte Begründung scheint nun allerdings reichlich durchsichtig zu sein.

Das Gaststättengewerbe behauptet ja, daß der Anteil gerade der Kleinbiertrinker stark angestiegen sei. Wenn man nun schon nach der Devise „Die Kleinen fängt man und die Großen läßt man l(s)aufen“ diesen Plan nicht billigen kann, so gibt es noch etwas zu bedenken: Die Hauptkonkurrenz entsteht den Wirten durch den Nichtgaststätten-Verkauf (der oft billiger ist) und durch andere Getränke. Statt zu versuchen, mit geringem Nutzen größere Mengen Bier zu verkaufen, will man nun wohl den umgekehrten Weg gehen. Es fragt sich nur, ob diese Rechnung der Wirte aufgeht. t. r.