Unbeirrt durch alle Auseinandersetzungen, die mit dem Bundesfinanzministerium im Zusammenhang mit dem Wiederzusammenschluß der Großbankennachfolger noch geführt werden, und unbeeinflußt durch das in Arbeit befindliche Großbankengesetz haben die Institute der Deutschen Bank-Gruppe einen weiteren Schritt auf dem Weg zu ihrer Wiedervereinigung gemacht. Den Aktionären der Rheinisch-Westfälischen Bank AG, Düsseldorf, wird vorgeschlagen, den Namen des Instituts in: Deutsche Bank AG West zu ändern. Damit taucht erstmals wieder der Begriff der Deutschen Bank in Verbindung mit einem im aktiven Geschäft stehenden Bankinstitut auf; außerdem läßt sich erkennen, wie man die niemals aufgegebene Rekonzentration weiterzuführen gedenkt. Allem Anschein nach wird die Deutsche Bank AG West das aufnehmende Institut für die beiden Schwesterbanken (Norddeutsche Bank AG, Süddeutsche Bank AG) werden, das die Fusion im Wege einer Kapitalerhöhung unter gleichzeitiger Sitzverlegung nach Frankfurt/Main, dem Sitz der Notenbank, durchführen wird. Die nie abgerissene enge Verbundenheit innerhalb der drei Institute wird in diesem Jahr erstmals auch dadurch dokumentiert, daß ein gemeinsamer Abschluß für 1955 vorgelegt wird, in dem nur insoweit getrennte Aufzeichnungen für die Institute gemacht wurden, wie es den aktienrechtlichen und sonstigen juristischen Vorschriften entspricht.

Die Benutzung des alten, etwas abgewandelten Namens der Deutschen Bank ist nicht frei von Problematik. Positiv ist ohne Zweifel folgendes: der in Kraft befindliche Pool-Vertrag, der einen Gewinn- und Verlustausgleich der drei Banken zum Inhalt hat, und die Benutzung des Namens Deutsche Bank gibt den Verwaltungen die Zeit, ihre steuertechnischen Auseinandersetzungen mit dem Bundesfinanzministerium in aller Ruhe zu beenden. Mit Recht lautet hier die These: "Der Fiskus soll nicht an der alliierten Entflechtungspolitik verdienen!" Auf einem ganz anderen Blatt steht das künftige Verhalten der Inhaber der sogenannten Reichsmarkaktien der Deutschen Bank, die im Zuge der Entflechtung ausgegeben worden sind und die alle Ansprüche auf das Ostvermögen des alten Instituts beinhalten. Obgleich offenbar der neue Schritt rechtlich nach allen Seiten abgesichert worden ist, ließen sich doch einige juristische Komplikationen denken. Insofern ist die Deutsche Bank-Gruppe geradezu avantgardistisch; denn sie macht einen Schritt, den die anderen Großbanken eines Tages auch vollziehen müssen. Dann wird das Risiko bekannt sein.

Ein weiterer wichtiger Punkt auf den diesjährigen Hauptversammlungen ist die zweite Kapitalerhöhung, die bei den Banken im Verhältnis 3 : 1 (Rhein.-Westf. Bank und Südd. Bank um je 20, Nordd. Bank um 10 Mill.) sofort nach den zustimmenden Beschlüssen durchgeführt werden soll. Der Ausgabekurs von 100 v. H. macht die Zeichnung junger Aktien wieder lukrativ, so daß keine Bedenken bestehen, in der jetzigen Kapitalmarktsituation die Erhöhung durchzuführen. Das Bezugsrecht soll sich den Marktbedingungen entsprechend einpendeln; eine Interventionzugunsten des Kurses ist nicht vorgesehen. Die oftmals geäußerten Bedenken, die Banken sollten so lange mit eigenen Kapitalwünschen zurückstehen, bis der Kapitalmarkt ergiebiger ist, um der übrigen Wirtschaft die Aufnahme vor Kapitalien zu erleichtern, werden von den Verwaltungen als nicht berechtigt bezeichnet. Bei den Emissionen der Banken, so wird argumentiert, kommt das Geld zwar aus der Wirtschaft, es fließt ihr gleichzeitig aber im Wege von Krediten sofort wieder zu. Nach Durchführung der Kapitalerhöhung wird das AK der drei Nachfolgeinstitute zusammen 200 Mill. DM betragen. Die offenen Rücklagen belaufen sich auf 125 Mill. In Zukunft stellt sich das Eigenkapital und offene Rücklagen auf 325 Mill.

Mit 6,7 Mrd. DM lag die Bilanzsumme der Gruppe Deutsche Bank Ende 1955 um etwa 250 Mill. oder 3,9 v. H. höher als am Jahresende zuvor. 1954 hatte die Zunahme noch 19,2 v. H. betragen. Die Wiederaufbauphase, das lassen die Zahlen erkennen, ist damit abgeschlossen. Wenn davon gesprochen wird, daß 1955 ein gutes Bankjahr gewesen ist, dann spricht es für den Erfolg der gegenwärtigen Bemühungen, das Erreichte zu sichern. Rentabilitätsmäßig dürfte sich das Geschäft günstiger entwickelt haben, als die Bilanzzahlen erkennen lassen. Die Umsätze (ohne Verrechnungskosten) beziffern sich in der Berichtszeit auf 323 Mrd. DM, das sind 19,6 v. H. mehr als in 1954. Damals wurde die gleiche Zunahme verzeichnet.

Die Verflachung der jährlichen Ausweitung ist vor allem bei den Bar-, Akzept- und Wechselkrediten erkennbar, die mit 4,445 Mrd. DM ausgewiesen werden und deren Zuwachs mit 7,5 v. H. geringer war als bei der Gesamtheit der Banken. In Übereinstimmung mit der restriktiven Politik der BdL hat also die Deutsche Bank-Gruppe von gewissen Bremsen Gebrauch gemacht. Innerhalb der Einlagen ist eine Verschiebung zu Lasten der Termineinlagen und zugunsten der Spareinlagen eingetreten, das heißt, es sind manche Gelder, die ihrer Natur nach Termineinlagen darstellen, aus Zinsgründen als Spargelder deklariert worden. Das sind Schönheitsfehler, die allerdings nicht gegen das Habenzinsabkommen verstoßen, sich also im Rahmen des Erlaubten halten. Die Deutsche Bank-Gruppe hat es abgelehnt, graue Habenzinsen zu gewähren; sie gibt aber zu, daß das Habenzinsabkommen in letzter Zeit, in der die Marktsituation und die fixierten Zinsen stark divergierten, recht problematisch geworden war, so daß alle Stellen, die sich an das Abkommen hielten, benachteiligt wurden. Wenn es nicht gelingt, eine schnellere Anpassung der Zinssätze an die jeweilige Marktlage zu erreichen, wird für die Aufhebung des Habenzinsabkommens plädiert werden müssen.

Die Ertragsseite der Bilanzen wurde günstig beeinflußt durch das gewachsene Effektengeschäft sowie durch die Teilnahme an zahlreichen Transaktionen aus Anlaß von Kapitalerhöhungen. Beim Außenhandelsgeschäft konnte die Senkung der Gebühren durch eine Ausweitung der Tätigkeit ausgeglichen werden, aus dem Kreditgeschäft sind höhere Einnahmen angefallen. So ist neben einer Dividende von 10 v. H. die Anreicherung der offenen und stillen Reserven im vergangenen Jahr möglich geworden. K. W.