Nach seinem vor fast drei Jahren veröffentlichten ausgezeichneten Roman "Die letzte Ausfahrt" legt der 1923 im steirischen Salzkammergut geborene österreichische Autor Herbert Zand ein neues Buch vor, das dem ersten nicht nachsteht:

Herbert Zand: Der Weg nach Hassi el Emel, Donau Verlag, München, 171 S., 9,50 DM.

Hatte Zand in seinem ersten Buch Menschen in der ausweglosen Isolierung einer Kesselschlacht gezeigt, so beschreibt er jetzt den Weg eines Verdurstenden durch die Wüste. In einer ähnlichen Grenzsituation wie in jenem ersten Buch wird ein Mann auf seinem Marsch durch die Wüste von einer unbändigen Lebenskraft vorangetrieben. Aus Durst und Erschöpfung erstehen großartige Visionen, Bilder der Schöpfungsgeschichte, Landschaften und Szenen, deren symbolischer Gehalt sie weit über den Anlaß hinaushebt. Ist die Kraft bewundernswert, die den Mann immer wieder auf eine Spur zwingt, von der er nicht weiß, wo sie enden wird, so ist es noch mehr die Zähigkeit, mit der er sich gegen den Wahnsinn auflehnt. Nicht minder eindrucksvoll als der psychologische Ablauf sind die immer wieder zur Situation des Menschen verweisenden Bilder.

Weniger überzeugend ist die Geschichte der Frau, die sich einer Suchexpedition anschließt und ihren Mann findet. Auch sie hat sich von allen Bindungen ihres Alltags gelöst, aber die Eindringlichkeit der Erlebnisse des Mannes schwächt das ab, was ihr widerfährt. Als sie an der Oase Hassi el Eine! zu ihrem Mann kommt, erscheint dies als eine in der Wirklichkeit liegende Antwort auf seinen Ruf – in seinen Visionen – nach einer Gefährtin, nicht als ein Ereignis, dessen Begründung in der realer Handlung zu suchen wäre. Diese fugenlose Synthese zwischen Traum und Wirklichkeit in ihrer Weite und Eindringlichkeit der Beschreibung laßt – den Leser nachdenklich und atemlos zurück. Es wird nicht mehr lange notwendig sein, zu erläutern, wer Herbert Zand ist. k. h. p.