Nicht weniger als fünfundzwanzigmal war Stalin bis vor kurzem in der berühmten Tretjakow-Galerie in Moskau vertreten: Stalin in Uniform, Stalin in Zivil, Stalin mit Pfeife, Stalin ohne Pfeife, Stalin in Rednerpose, Denkerpose, Herrscherpose. – Heute ist all diese Pracht verschwunden. Neue Bilder wurden aufgehängt, so daß die Galeriebesucher nicht einmal vor einem kahlen Fleck an der Wand über die Vergänglichkeit alles Erdenruhms meditieren können. Vielleicht wird eine künftige Malergeneration sich des gestürzten Diktators erbarmen und im Licht der dann gültigen Erkenntnis (oder Legende) neue Werke schaffen. Vielleicht wird man dann in den historischen Galerien Rußlands neben Iwan dem Schrecklichen und Peter dem Großen an der Leiche seines Sohnes Bilder bewundern können wie: "Stalin der Wahnsinnige" oder "Stalin an der Leiche Tuchatschewskis". G. U.