DIE ZEIT

Grenzen der Solidarität

Als sich 1949 die westlichen Mächte in der NATO-Organisation zusammenfanden, geschah dies, weil man entschlossen war, die individuelle Freiheit und die staatliche Unabhängigkeit gegen die sich immer weiter nach Westen ausdehnende Diktatur zu schützen.

Menschen, nicht Schnecken

Alles wäre leichter, wenn sich Rücksichtslosigkeit besser in Paragraphen fassen ließe. So einfach, wie es sich der Herr Bundesverkehrsminister und seine Experten manchmal zu denken scheinen, geht es nicht.

Wie war das mit dem Konkordat?

Thomas Dehler hat zu seinen rednerischen Trophäen eine neue hinzugefügt, das Wort vom verbrecherischen Konkordat (dem Reichskonkordat vom Jahre 1933).

Staatskapitalismus aus Vorsicht

Professor Günter Schmölders, Ordinarius der Staats Wissenschaften in Köln, unterzieht hier unsere Finanzpolitik einer kritischen Untersuchung.

Gesandter Kumlin

Nur wenige von der alten Bonner Diplomatengarde sind heute noch da. Wieder verläßt einer von ihnen die Bundesrepublik: der schwedische Gesandte Kumlin.

Bayern wählt kompliziert

Das komplizierte Wahlverfahren bei den am 18. März in Bayern abgehaltenen Gemeindewahlen brachte es erstens mit sich, daß die Wähler annähernd zehn Minuten hinter den Pappverschlägen zu tun hatten, und zweitens, daß die genauen Ergebnisse nicht vor Ende der nächsten Woche zu erwarten sind.

ZEITSPIEGEL

Als Freiwillige der neuen Bundeswehr haben sich jetzt auch zwei Norweger und ein Engländer im Bundesverteidigungsministerium gemeldet.

Berufswunsch: Offizier

Der flinke Schlosser aus unserer Garage ist verschwunden. "Ab nach Bonn", erklärt der Chef verdrossen. "Zu Blank, Uniform anziehen.

Vergebliche Locktöne

Deutlicher noch als die Vertreter der achtzehn sozialdemokratischen Parteien Europas es vor vierzehn Tagen in Zürich taten, hat der Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses, Willy Brandt, auf einer Kundgebung der Hamburger Jungsozialisten im Namen der deutschen Sozialdemokratie das kommunistische Angebot einer "Aktionseinheit" zurückgewiesen.

Die "Affaire des fuites"

Die sogenannte Affaire des fuites, die sich 1954 abspielte, aber erst heute im Gerichtssaal repetiert wird, ist eine der ganz großen Affären der Nachkriegszeit.

Hier hing Stalin

Nicht weniger als fünfundzwanzigmal war Stalin bis vor kurzem in der berühmten Tretjakow-Galerie in Moskau vertreten: Stalin in Uniform, Stalin in Zivil, Stalin mit Pfeife, Stalin ohne Pfeife, Stalin in Rednerpose, Denkerpose, Herrscherpose.

Umlieben, umhassen

Seit Bestehen der SED wurde fast ausschließlich stalinistische Literatur ins Deutsche übersetzt,und die Arbeiten der deutschen Kommunisten, wie die Werke Ulbrichts, bauten sich größtenteils auf Aussprüchen und Gedankengängen Stalins und seiner engsten Mitarbeiter auf.

Die Wahrheit über den Fall Tuchatschewski

Stalins Haß gegen Tuchatschewski stammt aus der Zeit, als Tuchatschewski auf dem Gipfel des Ruhms und der Macht stand. Nur noch eine Schlacht, nur noch ein Sieg, und Tuchatschewski wäre der "Napoleon der russischen Revolution" geworden.

Frühling an der Saar

An der Uferpromenade beim Saarbrücker Stadttheater blühen die ersten Krokusse. Hinter den Schaufenstern lauern Osterhasen zwischen Damenkostümen deutscher und französischer Provenienz, die durchschnittlich 24 000 Franken (= 300 Mark) kosten.

Schwarz und Weiß in USA

Der seit drei Jahren im amerikanischen Kongreß bestehende Waffenstillstand in dem Streit um die Rechte der Neger hat durch das von 19 Senatoren und 81 Abgeordneten der Südstaaten vorgelegte "Manifest" plötzlich ein Ende gefunden.

Die deutsche Eigenart?

Es wird häufig angeführt, das Vielparteien-System entspreche nun einmal der deutschen Eigenart; ein Zweiparteien-System dagegen nivelliere das politische Niveau, ja, es führe zu einer Diktatur der jeweils regierenden Partei.

Noch einmal Wahlrecht

Nach erbitterten Kämpfen, Koalitions- und Fraktionsbrüchen wurde in der letzten Woche vom Bundestag mit überwältigender Mehrheit das alte Wahlrecht angenommen – so, als hätten all diese Kämpfe gar nicht stattgefunden.

Thüringen: Kirchenkampf

In der überfüllten Dresdener St.-Josephs-Kirche fand ein feierlicher Gottesdienst statt. Mit Mitra und Stab betrat Bischof Spülbeck die Kanzel, um die Predigt zu halten.

In Geist ist kein Geschäft

Finanzbehörden haben nun einmal Schwierigkeiten, zu verstehen, daß es Leute gibt, bei denen die Lektüre von Büchern, vielen, vielen Büchern, "zum Geschäft gehört".

Sachsen: Die West-Östlichen

Bundesdeut sehe Bürgersöhne lassen sich an der Universität Leipzig kommunistisch schulen

Dieckmanns Mühlen

Ausgepfändet und ohne Existenz steht in diesen Tagen Willi Dieckmann vor seiner Mühle in Alvesloh und denkt über die Wege nach, die Recht und Finanzamt in diesem Lande zu gehen imstande sind.

Bayern: "...und führe uns nicht in Versuchung"

Sie waren noch nicht lange verheiratet. Er warBriefträger, und weil sie sich mit einer Versicherungsvertretung nebenbei etwas Geld verdiente, waren beide tagaus, tagein, treppauf, treppab in der kleinen Ortschaft bei Passau unterwegs.

Es geht auch ohne Abitur

Die Mühlen der Hochschulreform mahlen viel zu langsam. Immer noch steht die Anzahl der Lehrstühle in fatalem Mißverhältnis zur Zahl der Studierenden, immer noch sind viel zu viele Studenten genötigt, sich die Mittel zum Studieren selbst zu verdienen und sich eben dadurch das Studium bedenklich zu erschweren – kurz, es ist ein Zustand, von dem sich eigentlich nur sagen läßt: die von ihm Betroffenen gewöhnen sich daran, daß sie sich nicht daran gewöhnen.

Intermezzo im Garten

Sein kurzer Schlaf im Garten war tief und traumlos gewesen, doch mußte ihn ein Geräusch oder eine Berührung erschreckt haben – etwas wie ein Frostschauer, dachte er, während er reglos horchend wie gebannt unter dem heißen Lichte lag, das seine Lider rot durchflimmerte.

Notizen

Kinderreiche fahren billiger. Am 15. März trat die Fahrpreisermäßigung für Kinderreiche in Kraft: Zehn- bis 19jährige Kinder von Familien mit mindestens drei Kindern dieser Lebensalter werden einfache Fahrkarten, Rückfahrkarten und Sonntagsrückfahrkarten wie Kinder zwischen vier und zehn Jahren zum halben Fahrpreis lösen können, einschließlich der Zuschläge, die für Zuschlagspflichtige Züge üblich sind.

Das Drama des Ministers

Ohne die Ernennung Johannes R. Bechers als Pankows Kultusminister hätten seine dramatischen Versuche wahrscheinlich kaum je das Rampenlicht einer Bühne erblickt.

Wozu die Puste reicht...

Dem Berliner Maler und Schriftsteller Hans Scholz wurde im Schöneberger Rathaus der diesjährige Fontane-Preis der Stadt Berlin verliehen.

Sieh da, die Klappentexte!

Wie eine beschwingte Sinfonie wirkt diese neue Kreation für den Frühling. Beachten Sie bitte bei diesem hübschen Kleid die reiche Verwendung von Stickereien, Volants, Plissees und die Vielseitigkeit der modischen Ausführung.

Edvard Munchs Werk

Es wird heute oft für ein romantisches Vorurteil gehalten, anzunehmen, daß zwischen dem schöpferischen Range eines Künstlers und seiner menschlichen Beschaffenheit ein enger Zusammenhang bestehe.

Nichts für Optimisten

Von Tag zu Tag mehren sich die Stimmen, die glauben, daß wir das Ausklingen einer großen Kulturepoche miterleben. Und hinter jeder dieser Feststellungen steht die bange Frage nach dem "Wie" der kulturellen Fortentwicklung.

Herbert Zands neuer Roman

Hatte Zand in seinem ersten Buch Menschen in der ausweglosen Isolierung einer Kesselschlacht gezeigt, so beschreibt er jetzt den Weg eines Verdurstenden durch die Wüste.

Märchen – auch für Erwachsene

Eine Neuauflage der bekannten Übersetzung von Löwis of Menar mit leichten Änderungen. Umfaßt Schwanke, Tierfabeln und Märchen aus den ostslawischen Gebieten.

Neue Schallplatten:: Karte der Leidenschaften

Als sich die Oper zu Beginn dieses Jahrhunderts mit den Exzessen der Salome und der Elektra müdegerannt hatte, bedurfte sie, wenn sie nicht in uninteressanter Abwandlung alter Themen und Stile immer wieder sich selbst nachahmen wollte, einer neuen Stütze.

Der vierte Stand

Hatte das 18. Jahrhundert durch die französiche Revolution die politische Emanzipation eingeleitet, so wurden im Europa des 19.

Paradoxa

Jeder Wirtschaftler weiß, daß bei Übernachfrage und steigenden Preisen die Notenbank restriktiv vorgehen, also den Kredit verknappen und verteuern muß.

Werbefernsehen im Kommen

Im vergangenen Jahr sind in der Bundesrepublik 349 000 Fernsehgeräte hergestellt und etwa 90 v. H. davon über den Fachhandel in Westdeutschland und Westberlin verkauft worden.

Es gärt im Bierglas

Schon lange kämpfen die bayerischen Gastwirte um einen höheren Schanknutzen. Doch der Bierpreis ist in Bayern ein Höchstpreis und die Brauereiabgabepreise an die Wirte sind seit 1952 unverändert.

Unternehmer werden Gehaltsempfänger

Am meisten scheint man sich in Pankow von der (staatlichen) Kapitalbeteiligung an noch lebensfähigen Privatbetrieben zu versprechen.

Auf Seebohms Leim

Der in Berlin zustandegekommene Beschluß über die Herabsetzung der Abmessungen und Gewichte für Lastkraftwagen und Omnibusse bedeutet, daß sich der Bundesrat – erstmalig – in einem schroffen Gegensatz zur gesamten Wirtschaft der Bundesrepublik und Westberlins gesetzt hat.

Auf einen Blick ...

Auch zu Beginn der neuen Woche bestimmte eine allgemeine Zurückhaltung das Geschäft auf den westdeutschen Wertpapierbörsen, so daß es bei den Aktien zu weiteren Kurseinbußen kam, die sich allerdings in relativ engen Grenzen halten.

Mehr Privatkundschaft

Bei der Bank für Gemeinwirtschaft AG, Hamburg, wurde die Bilanzsumme um 43 v. H. auf 212 Mill. DM in 1955 ausgeweitet. Dieser überdurchschnittliche Satz spiegelt den weiteren Aufbau des Unternehmens wider, der äußerlich in der Verbreiterung des Filialnetzes zum Ausdruck kommt.

"BdL ohne Schuld"

In ihrem Geschäftsbericht für 1955 stellt die Hypothekenbankin Hamburg, Hamburg, mit allem Nachdruck fest: Die ursächlichen Störungsquellen des Rentenmarkts sind nicht in den Restriktionsmaßnahmen der BdL, sondern in erster Linie in dem fehlerhaften Aufbau des Rentenmarktes selbst zu suchen.

225 Jahre Buderus

Am 14. März konnten die Buderus’schen Eisenwerke, Wetzlar, auf ihr 25jähriges Bestehen zurückblicken. Nach zwei Jahrhunderten stetiger Aufwärtsentwicklung erfolgte nach dem zweiten Weltkrieg in Ausführung des Artikels 41 der hessischen Verfassung eine gesellschaftsrechtliche – nicht wirtschaftliche – Trennung des vertikalen Aufbaues (Erzbergbau – Hochofenverhüttung – Gießereien) durch Gründung der Hessischen Berg- und Hüttenw.

Rohstofftendenz der Woche

Die Preistendenz auf den Weltwarenmärkten war während der Berichtswoche (Woche vom 12. bis 16 3. 1956) überwiegend nach unten gerichtet.

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