Die Liquidatoren der IG Farbenindustrie i. A. gaben bekannt, daß die Liqui-Inhaber eine Barausschüttung nicht zu erwarten haben, solange die Ost-West-Vereinigung nicht erfolgt ist. Vor ihnen rangieren bekanntlich die Nachfolgegesellschaften, die aus dem Liquidationsüberschuß eine Kapitalausstattung bis zur Höhe von zusammen 135 Mill. DM erhalten. Sie haben hierauf bereits größere Beträge als Vorschuß bzw. als Darlehen erhalten. Das aber sind vorläufige Zahlungen, die unter Umständen ganz oder teilweise zurückgezahlt werden müssen, wenn andere vorrangige Forderungen an die Liquidationsmasse gestellt werden sollten, die aus den dortliegenden baren Mitteln nicht befriedigt werden können.

Das Streben der Liquidatoren ist jetzt darauf gerichtet, aus den strittigen Fällen, sei es aus dem Inlande anhängenden Prozessen, sei es aus dem beschlagnahmten Auslandsvermögen, Beträge hereinzubekommen, damit die Nachfolgegesellschaften ihre Kapitalausstattung erhalten. Hierbei spielen auch Beträge, die bei einer Barausschüttung nicht ins Gewicht fallen, eine Rolle. Alles in allem ist nach dem, was die Liquidatoren berichten, nicht damit zu rechnen, daß noch Beträge herauskommen, die für eine Ausschüttung an die Liqui-Inhaber zur Verfügung stehen. Die Liqui-Inhaber können deshalb – abgesehen vom Ost-Vermögen – nur noch mit den Hüls-Holding-Aktien rechnen. Sie wurden bisher als Sicherheit zur Befriedigung aller Gläubiger zurückgehalten. Die bedeutsamste Rolle unter diesen spielen die Auschwitzer KZ-Häftlinge, über deren Ansprüche im sogenannten Wollheim-Prozeß befunden wird. Hier wird ein Vergleich angestrebt. Er gestaltet sich außerordentlich schwierig; dieser hat nämlich nur dann einen Sinn, wenn mit ihm allen künftigen Prozessen der Boden entzogen wird. Es gilt deshalb eine Vergleichsformel zu finden, die dies in einem ausreichenden Maße wahrscheinlich macht. Ob dies juristisch möglich sein wird, steht noch völlig offen. Aber auch wenn dies der Fall sein sollte, ist nach Darlegung der Liquidatoren vor Mitte 1957 nicht damit zu rechnen, daß die Hals-Holding-Aktien freigegeben und ausgeschüttet werden. Daher sind alle Gerüchte über Erwägungen, die Hüls-Holding-Aktien an die Nachfolgegesellschaften zu verkaufen und den Erlös in bar den Liqui-Inhabern auszuzahlen, unbegründet; für entsprechende Vorhaben ist die Zeit noch nicht gekommen. r 1 b.