sen., Dresden

In der überfüllten Dresdener St.-Josephs-Kirche fand ein feierlicher Gottesdienst statt. Mit Mitra und Stab betrat Bischof Spülbeck die Kanzel, um die Predigt zu halten. Der Bischof schilderte bei dieser Gelegenheit seinen Besuch in Rom und erzählte, daß sich der Heilige Vater für jede Einzelheit aus dem Bistum Meißen interessierte: "Sagen Sie den Gläubigen Ihres Bistums, daß wir immer wieder an sie denken, an ihre Sorgen und Nöte, daß wir für sie beten und sie alle mit ganzer Liebe und mit ganzem Herzen segnen."

Nach den Gotteslästerungen in Brandenburg und Neuruppin – Fastnachtsredner waren als "Jesus" aufgetreten und hatten das Vaterunser verhöhnt – wird ein neuer Fall gemeinster Angriffe bekannt. In der Suhler SED-Zeitung "Das Freie Wort" berichtet ein Mitarbeiter von einer Reise nach Westdeutschland unter der Überschrift: "Militaristen, Faschisten, Klerisei – verderbtes Konsortium in einer Reih’." Er beschreibt, wie er sich in einigen Buchhandlungen umsieht:

"Da leuchtet von mehreren Wälzern die mittelalterliche Tonsur des Heiligen Vaters herab, auf dessen krummer Lämmergeiernase eine breitrandige Hornbrille des Atomzeitalters reitet. Pius ist ein tüchtiger Mann. Er segnete die Dollarsäcke, die schwermütigen Ostlandritter, und verflucht die Kommunisten, die alles tun, den Frieden in der Welt zu sichern... Seine ‚gelehrten Abhandlungen‘ sind eine ins gläubige Gewissen redende Apologetik der modernen Ehe zwischen gefräßigem Monopolkapital und mittelalterlichem Katholizismus."