Eine zweistellige Dividende auszuschütten, galt bislang als ein Risiko. Nicht von der ertragswirtschaftlichen Situation her, sondern aus psychologischen Gründen, weil angenommen wurde, daß der "kleine Mann" – noch immer infiziert durch die kapitalfeindlichen Schlagworte vergangener Epochen – "rot" reagieren würde. Selbstverständlich lassen sich derartige Argumente heute noch nicht ganz beiseite schieben, aber die Gefahr hoher Dividenden ist längst nicht so groß, wie einige Vorstände aus durchsichtigen Gründen oft verkünden. Die Großbanken-Nachfolger werden aller Voraussicht nach 10 v. H. zahlen und auch eine Reihe von Industrieunternehmen wird ähnliche oder noch höhere Sätze zahlen.

Seit jeher dividendenfreudig ist die Metallgesellschaft AG, Frankfurt/Main, die bereits für 1953/54 (30. 9.) 10 v. H. zahlte und für 1954/55 den "roten Strich" überschreitet, indem sie 12 v. H. auskehren will. In vieler Hinsicht nimmt sie unter den deutschen Aktiengesellschaften eine Sonderstellung ein, denn sie ist einmal ein Kreditinstitut im Sinne des Gesetzes über das Kreditwesen und Außenhandelsbank, zum anderen ist sie besonders stark in ihren Beteiligungen (auf der Aktiv-Seite mit 110 Mill. DM ausgewiesen), außerdem ist sie mit eigenen Betriebsabteilungen auf den Gebieten der Technik und des Handels tätig.

Unter den Beteiligungen haben sich einige wichtige Veränderungen ergeben. Wir berichteten bereits über den Verkauf eines Paketes von nom. 17 Mill. DM Vereinigte Deutsche Metallwerke-Aktien an ein Düsseldorfer Bankhaus, das dieses Paket bei der Allianz-Versicherungs-AG placiert hat. Hiergegen hat die Metallgesellschaft 7,5 Mill. DM Siemens & Halske AG-Aktien erworben und im laufenden Geschäftsjahr weitere 5 Mill. DM zugekauft, so daß am 20. Februar 1956 für nom. 12,5 Mill. Siemens & Halske-Aktien im Portefeuille der Metallgesellschaft lagen. Die Bilanzsumme ist in 1954/55 um 98 auf 481 Mill. DM gestiegen. Darin sind 32,8 Mill. enthalten, die sich aus der Berichtigung der Wertansätze von Beteiligungen und Wertpapieren auf Grund des 3. DM-Bilanzergänzungsgesetzes enthalten. Im übrigen resultiert die erhöhte Bilanzsumme aus dem ausgeweiteten Geschäftsumfang. Bei einem AK von 56 Mill. betragen die Rücklagen 68,5 und die Rückstellungen 189,2 Mill. DM. Das gesamte haftende Eigenkapital wird unter dem Strich mit 124,5 Mill. DM angegeben. Die ersten Monate des neuen Geschäftsjahres sind weiterhin günstig verlaufen, so daß wieder mit einem guten Ergebnisgerechnet werden kann, d t.