Man darf es wohl ein Kuriosum nennen, daß die Schrift eines Philosophieprofessors über Descartes zum Tagesgespräch und zum Bestseller wird. Dies geschah auf eine recht vertrackte Weise mit der Studie "Descartes und die Folgen" von dem Stuttgarter Philosophen Max Bense. Dessen Schriften hatten bisher noch keine sehr breite Leserschaft erreicht, und auch das Descartes-Büchlein wäre der großen Öffentlichkeit wohl entgangen, wenn ihm nicht, in durchaus gegenteiliger Absicht, ein erbitterter "Verriß" aus dem Äther zu Hilfe gekommen wäre. Im Mittelwellenprogramm des Westdeutschen Rundfunks ließ zur günstigsten Sendezeit (zwischen 17 und 17.30 Uhr) der temperamentgeladene Gert H. Theunissen unter dem Titel "Der falsche Professor" gegen Max Bense das los, was man zu Zeiten des gelehrten Grobianismus eine "Diatribe" nannte, nämlich einen Beschuß mit schwersten Geschützen. Theunissen zog nicht nur gegen den Inhalt von Benses Schrift vom Leder – das hätte wohl noch nicht eine solche Aufmerksamkeit erregt –, sondern auch gegen die Person des Stuttgarter Professors, dem unverblümt das Recht abgesprochen wurde, seine eigenwilligen Auffassungen von einem Lehrstuhl aus vorzutragen. Hier nun zeigte sich, an einem fatal untauglichen Beispiel, die Macht des Rundfunks auf die öffentliche Meinung. Der Rektor der Stuttgarter Hochschule protestierte gegen die Bedrohung der Lehrfreiheit durch eine Funkanstalt. Gewiß ganz unerwünscht für Benses Gegner aber setzte schon am Tage nach Theunissens Sendung in den Buchhandlungen des WDR- und NDR-Bereiches die Nachfrage nach Benses "Descartes" so stark ein, daß der Verlag alsbald die Nachbestellungen nicht mehr beliefern konnte. Und jetzt gehen die Exemplare mit einem werbenden Vermerk hinaus: "Infolge des scharfen Angriffs im Westdeutschen Rundfunk ist die 1. Auflage vergriffen, die 2. Auflage durch Vorausbestellung gleichfalls vergriffen, die 3. Auflage ist im Druck." Das also ist das Abschußergebnis.

Wir werden sehen:

Donnerstag, 22. März, 20 Uhr:

Aus den Kammerspielen des Bochumer Schauspielhauses Hans Schallas Inszenierung der "Zwei Herren aus Verona" von Shakespeare in der Neufassung von Hans Rothe.

Freitag, 23. März, 20.25: Wolfgang Spier inszeniert im Berliner Studio Paul Willems’ neues Stück "Of und der Mond".

Wir werden hören:

Donnerstag, 22. März, 22.10 Uhr vom NDR: