Dem Wochenbericht über die Weltrohstoffmärkte, der Hamburger Kreditbank A. G., dem Nachfolge-Institut der Dresdner Bank in Norddeutschland, entnommen.

Die Preistendenz auf den Weltwarenmärkten war während der Berichtswoche (Woche vom 12. bis 16 3. 1956) überwiegend nach unten gerichtet. Kaffee und Kakao ermäßigten sich, weil ein Verkaufsdruck durch hartnäckig sich haltende Gerüchte über eine brasilianische Währungs- und Devisenreform hervorgerufen wurde. Auch die Textilfasern tendierten überwiegend schwächer. Nur bei Baumwolle traten am New Yorker Terminmarkt schließlich Preisgewinne ein, die durch Erwägungen in Zusammenhang mit der US-Agrargesetzgebung hervorgerufen wurden. Trotz der politischen Spannungen im Nahen Osten bröckelten die Kautschukpreise wegen der geringen Nachfrage der Verarbeiter ab. Desgleichen ergaben sich Preisverluste bei den meisten Ölsaaten sowie Ölen und Fetten. Die nordamerikanischen Getreidepreise zogen dagegen infolge guter Exportabschlüsse an. Bei den NE-Metallen war die Preisentwicklung uneinheitlich. Zum Wochenschluß setzte sich sowohl in den USA als auch in London bei Kupfer eine Preisfestigung durch, die durch den Beschluß eines bedeutenden US-Unternehmens ausgelöst wurde, seine Preise auf Basis der Londoner Kassanotiz zu berechnen, was eine Stärkung dieser Börse bedeuten dürfte.

Getreide: Auf den nordamerikanischen Getreidemärkten konnten sich überwiegend Preisfestigungen durchsetzen. Die Loconotierungen von Weizen in New York und die Terminnotierungen in Chikago festigten sich unter dem Einfluß von Exportabschlüssen sowie infolge von Meldungen über mangelnde Niederschläge in Teilen des Weizenanbaugürtels. Außerdem wurde von einer Verknappung an Kassaweizen infolge der hohen Inanspruchnahme der Beleihungen berichtet.

Weizen: Im Rahmen des Internationalen Weizenabkommens haben die 4 Exportländer bis zum 7. 3. 1956 von ihrer diesjährigen Quote erst 4,896 Mill. t verkauft im Vergleich zu 6,75 Mill. t in der entsprechenden Zeit des Vorjahres. – Die gegenwärtig in Genf tagende UN-Weizenkonferenz ist bisher ergebnislos verlaufen. Die Importländer haben ihren Bedarf auf etwa 10 Mill. t veranschlagt. Die Exportländer sehen den angegebenen Importbedarf als viel zu gering an. Kompliziert wird die Lage noch dadurch, daß Argentinien dem Abkommen als weiterer großer Exporteur beitreten will, während auf der Importseite Großbritannien als das größte Verbrauchsland sich dem Abkommen nicht anzuschließen beabsichtigt. Auch über die Frage der Mindest- und Höchstpreise ist noch keine Einigung erzielt worden.

Öle und Fette: In den USA war die Preistendenz bei pflanzlichen Ölen während der Berichtswoche schwächer. Unter dem Einfluß dieser Entwicklung machte sich auch bei Sojabohnen eine verstärkte Abgabeneigung bemerkbar. Das geringe Exportgeschäft in Schmalz führte gleichfalls zu rückläufigen Preisen.

Zucker: Infolge des sehr ruhigen Auslandsgeschäftes ermäßigte sich die Loconotierung des Weltkontrakts Nr. 4 von 3,35 c/lb auf 3,33 c/lb. – Die Weltzuckererzeugung des Jahres 1956 wird vom US-Landwirtschaftsministerium auf rund 41,8 Mill. t geschätzt, und würde damit einen neuen Rekordstand erreichen. Nach der gleichen Quelle betrug der Weltzuckerverbrauch im vergangenen Jahr 40,5 Mill. t.

Kaffee: Wiederholt auftauchende Gerüchte über eine bevorstehende Änderung der brasilianischen Währungs- und Devisenpolitik einerseits und offizielle Dementi andererseits, riefen auf dem New Yorker Kaffeemarkt eine nervöse Grundstimmung hervor. Da aber den offiziellen brasilianischen Dementi nicht geglaubt wurde, setzte sich eine Verkaufsneigung durch, die zu einer Preisabschwächung am Terminmarkt führte. Auch am Markt für verfügbare Ware haben sich die Preise ermäßigt. Die gut bevorrateten Röstereien zeigten nur wenig Kaufneigung, um so mehr, als kürzliche Erhöhungen der Einzelhandelspreise in den USA den Widerstand der Käufer hervorgerufen hatten und außerdem ein saisonalbedingter Verbrauchsrückgang zu erwarten ist.