Gelegentlich der Eröffnung des erweiterten norddeutschen Musterlagers der Rosenthal-Porzellan AG, Selb, in Hamburg teilte Dir. Philipp Rosenthal mit, daß dieses führende deutsche Unternehmen der Porzellanindustrie dem in den letzten Wochen zu beobachtenden Preisanstieg verschiedener Porzellanfabriken (sie liegen zwischen 5 bis 6 v. H.) nicht folgen wird. Nach Ansicht von Philipp Rosenthal sind Preiserhöhungen oftmals "Faulheitslösungen", weil noch nicht überall der Wert von Rationalisierungen erkannt worden ist.

Die Rosenthal-Betriebe beschäftigen rund 8000 Personen und haben im vergangenen Jahr einen Umsatz von etwa 80 Mill. DM erreicht. Infolge des günstigen Geschäftsergebnisses wird die Dividende (1954: 9 1/2 v. H.) für das rückliegende Geschäftsjahr voraussichtlich erhöhtwerden können. Rosenthal ist. mit rund 15,2 v. H. am westdeutschen Porzellanabsatz beteiligt! 40 v. H. des Absatzes gehen in den Export. Und allein am amerikanischen Markt bestreitet Rosenthal 25 v. H. des gesamten westdeutschen Porzellanabsatzes.

Der Gesamtumsatz der westdeutschen Gebrauchs- und Zierporzellanindustrie hatte 1955 einen Wert von 283 Mill. DM; davon gingen Erzeugnisse im Werte von 99 Mill. DM in den Export. Der Umsatz in technischer Keramik ereichte einen Wert von 128 Mill. DM; hier lag der Exportanteil bei 15 Mill. DM. Bei vielen Werken macht sich bereits die rücksichtslose japanische und sowjetzonale Konkurrenz erheblich bemerkbar. U. a. wird von den Japanern in den USA ein nachgeahmtes deutsches Service zu 40 v. H. unter dem deutschen Preis verkauft. Wie Dir. Rosenthal in diesem Zusammenhang mitteilte, stützen sich die Exporterfolge der Japaner nach wie vor überwiegend auf Imitationen deutscher Porzellanerzeugnisse. Wenn auch die Qualitätserzeugnisse der Rosenthal-Fabriken von dieser Konkurrenz noch nicht spürbar betroffen sind, so hat man sich in Selb doch schon jetzt auf ein weiteres Vordringen der sowjetzonalen und japanischen Exportoffensive eingestellt. w w.