Wir haben im letzten Geschäftsjahr gut verdient und können diesmal eine von 6 auf 8 v. H. erhöhte Dividende aus echten Erträgen und nicht nur aus Reserven zahlen", gab der Vorsitzer des Vorstandes der Stallwerke Südwestfalen AG, Geisweid, Kieis Siegen, Karl Barich, zu Beginn einer Pressekonferenz über die Bilanz per 30. September 1955 als eigenen Kommentar. "An unserer guten Ertragslage sollen die Aktionäre profitieren; sie müssen ja auch, wenn es schlecht geht, auf ihren Anteil verzichten." Aus dieser Stellungnahme spricht eine gesunde, dem marktwirtschaftlichen Denken entsprechende, aber leider auch viel zu selten anzutreffende Haltung eines Mannes, dem es gelungen ist, aus dem alliierten Konglomerat dieser aus Edelstahlbetrieben des alten Hoesch-Konzerns, der Klöckner-Gruppe und der Vereinigten Stahlwerke gebildeten Nachfolgegesellschaft ein in sich abgerundetes Unternehmen zu schaffen, dessen Jahresumsatz 1954/55 mit 339 (257) Mill. DM nach einer Steigerung von 32 v. H. nur noch um 4 Mill. DM unter dem der Deutsche Edelstahlwerke AG liegt. Inzwischen haben sich die Umsätze auch hier weiter kräftig erhöht. Sie liegen im neuen Geschäftsjahr bei durchschnittlich monatlich 33 (28) Mill. DM und lassen bei einem Auftragsbestand von etwa 200 Mill. DM einen Jahresumsatz von rund 400 Mill. DM erwarten.

Südwestfalen hat einen Anteil an der Edelstahlerzeugung der Bundesrepublik von etwa 16 v. H. Der Anteil seines Edelstahls an der eigenen Rohstahlerzeugung von jährlich 282 000 t liegt bei 88 (72) v. H. Zur Zeit muß Sidwestfalen noch Halbzeug zukaufen, um der Nachfrage nach hochwertigen Qualitätsblechen und Edelstählen verschiedenster Sortimente nachkommen zu können. Das Unternehmen hat daher weiterhin ein hohes Investitionsprogramm und arbeitet zur Zeit an der Ausweitung seiner eigenen Stahlerzeugung um 100 000 t im Jahr, davon je die Hälfte SM- bzw. Elektrostahl, Seit 1951 wurde für 70 Mill. DM verbaut; das derzeitige Programm umfaßt 40 Mill. DM, davon 21 Mill. DM im laufenden Geschäftsjahr, hauptsächlich für die kontinuierliche Warmbandstraße (15 Mill.) in Werdohl, Mechanisierung der Walzwerkstraßen und Ausbau der Ofenkapazität. Ein vom AR bereits genehmigtes Anschlußprogramm über 30 Mill. DM sieht u. a. die Errichtung eines zweiten Hochofens vor.

Wegen der Kohlenpreisentwicklung stellt sich diese kohlenlose Hütte mehr und mehr auf Ruhrgas und Öl um. In diesem Zusammenhang lobte Dir. Barich die Leistungen der Ruhrgas AG im vergangenen Frostwinter mit besonders anerkennenden Worten. Dagegen klagte er über Situation und Haltung des Schrotthandels, der nach seiner Meinung mit ständigen Spekulationen und Preiswünschen in diesem Jahr die Stabilität der Eisen- und Stahlpreise erneut in Frage stellen werde. (Nachdem neuerdings die Vorschläge der Hütten, ein Einkaufskartell für Schrott zu bilden und die Preise stabil zu halten, zwar die volle Unterstützung der Bundesregierung, auch die moralische Unterstützung von Vizepräsident Franz Etzel von der Hohen Behörde, aber die Ablehnung durch die Juristen in der Hohen Behörde gefunden hatten und damit ab 1. April ein höchst unsicherer Zustand bei Schrott entstehen kann, kommt ein weiteres großes Unsicherheitsmoment auf die Stahlwerke und ihre Preispolitik zu.) – Die konsolidierte Bilanz per 30. September 1955 spiegelt die Geschäftsausweitung wider. Der oHV am 17. April wird u. a. vorgeschlagen, für den aus dem AR ausscheidenden Dr. H. Wegener (Allianz) einen Vertreter der neuen Aktionärgruppe zu wählen. Vermutlich wird es Bankier August von Finck sein. l t.