Die Mannesmann AG, Düsseldorf, hat im Abstand von fünf Tagen zwei interessante Kapitaltransaktionen bekanntgegeben, zunächst ein zwar kompliziertes, aber doch faires Umtauschangebot an die ehemaligen Vorzugsaktionäre der Mannesmannröhren-Werke, zum anderen die seit einiger Zeit erwartete erneute Kapitalerhöhung. Beide Transaktionen stehen für den Aktionär in einem gewissen Zusammenhang, jedenfalls für den Vorzugsaktionär. Dieser erfuhr, daß die 20 Mill. RM 5 1/2 v. H. VA von 1938, damals in zehn Serien begeben, zwecks Beendigung eines Freundschafts-Musterprozesses mit der Schutzvereinigung derart "umgewandelt" werden sollen, daß für 600 RM alte Vorzugsaktien 320 DM neue Stammaktien mit 8 v. H. Dividende für 1955 begeben werden.

Von den zehn Serien waren zwei Serien in 1943. und 1944 mit zusammen 4 Mill. RM gekündigt und zu 105 v. H. zurückgezahlt worden. Die Serien 8, 9 und 10 gelangten kurz vor der Währungsreform zur Auslösung) die Summe wurde hinterlegt und kam in die Umstellung 10 : 1. Auf Anordnung der Alliierten wurden im Züge der Entflechtung des Altkonzerns 1952 die Serien 1 bis 5 aufgerufen und aufgekündigt. Um diese acht Serien gehen die Prozesse.

Das Angebot bedeutet nun praktisch eine Rückzahlung im Verhältnis 1:1 zum Kurse von 105 v. H. unter Verzicht auf umstrittene Zinsen, aber mit der Chance des günstigen Bezugsangebotes aus der zu Wochenbeginn beschlossenen Kapitalerhöhung. Die 320 DM neuen Mannesmann-Stammaktien stellen nämlich bei einem gegenwärtigen Kurs von 185 v. H. einen Wert von 592 DM dar, zuzüglich 8 v. H. Dividende (25,60 DM), mithin 617,60 DM.

Da alle Vorzugsaktionäre gleichmäßig behandelt werden müssen, gilt dieses Angebot auch für jene, die seinerzeit im Betrage von etwa 8,5 Mill. DM von der Möglichkeit Gebrauch gemacht hatten, ihre Stücke oder ihre Rechte aus der Wertpapierbereinigung gegen Barzahlung Mannesmann zu überlassen. Sie müssen dann allerdings heute den damals erhaltenen Barzahlungsbetrag über 720 DM je 600 RM (also Rückzahlung 105 v. H. + Zinsen) zurückzahlen. Ob ihnen dies interessant erscheint oder nicht – also für 600 RM zuerst 720 DM zurückzuzahlen, dann 617,60 DM Umtauschwert wieder zu erhalten und zuzüglich ein Bezugsrecht auf die neuen Aktien in der Tasche zu haben – muß sich jeder selbst ausrechnen.

Jedenfalls ist von allen Seiten, einschließlich von der Bankenaufsichtsbehörde, das Umtauschangebot als fair bezeichnet worden. Auch die Schutzvereinigung nennt es einen guten Kompromiß. Sie empfiehlt aber aus grundsätzlichen juristischen Überlegungen heraus die Annahme nicht. Die Verwaltung rechnet im Höchstfalle mit einem auf sie zukommenden Betrag von 13 Mill. RM VA, was die Ausgabe von 6 bis 7 Mill. DM neuer Aktien bedeuten würde. Diese sind teilweise im Portefeuille des Unternehmens noch vorhanden, teilweise würden sie im freien Markt zugekauft werden, kommentierte Wilhelm Zangen auf einer Pressekonferenz.

Zu Anfang der Woche wurde nun die zweite Transaktion, die Kapitalerhöhung, bekannt. Bei einem Grundkapital von 320 Mill. DM hat Mannesmann 80 Mill. DM bedingtes Kapital und weitere 80 Mill. DM genehmigtes Kapital. Nunmehr wird den Aktionären folgendes Angebot gemacht:

Einer aoHV am 11. April wird vorgeschlagen, das AK der Mannesmann AG um 90 Mill. DM auf 410 Mill. DM zu erhöhen, und zwar durch Ausgabe ab 1. Januar 1956 dividendenberechtigten Aktien zum Kurse von 110 v. H. unter Ausschluß des gesetzlichen Bezugsrechtes der Aktionäre, aber mit der Maßgabe für die Zeichner, diese Aktien den Aktionären sowie den Gläubigern der Wandel-, Schuldverschreibungen für 1955 im Verhältnis 4 : 1 zum Bezüge anzubieten.