Seit Bestehen der SED wurde fast ausschließlich stalinistische Literatur ins Deutsche übersetzt,und die Arbeiten der deutschen Kommunisten, wie die Werke Ulbrichts, bauten sich größtenteils auf Aussprüchen und Gedankengängen Stalins und seiner engsten Mitarbeiter auf. Für die Genossen in der Zone ist es ein. geringer Trost, daß Ulbricht auf einer Delegiertenkonferenz erklärte, nicht alles, was Stalin geschrieben habe, sei falsch. Genosse Stalin sei immerhin ein Marxist, sogar ein gebildeter Marxist gewesen.

Die Kommunisten sind sich darüber im klaren, daß mit der Erstellung neuen Propagandamaterials die psychologischen Hemmungen bei den Genossen keineswegs überwunden sind. Zehn Jahre lang hat man den Funktionären und Mitgliedern der SED stalinistische Phrasen eingehämmert, zehn Jahre lang wurde ihnen bedeutet, daß sie Stalin, den weisen Führer des Weltkommunismus, zu lieben, und Trotzki, den verachteten Parteifeind, zu hassen hätten. Die Genossen müssen jetzt umdenken, umlieben und umhassen. J. S.