Trotz der wieder einmal verschärften Situation am Geldmarkt tendierten die Aktien in der vergangenen Woche im allgemeinen etwas freundlicher. Angesichts der geradezu stürmisch verlaufenden Frühjahrsbelebung und der angekündigten Steuersenkungen kam es in den letzten Tagen zu festen Kursen auf nahezu allen Märkten, während vorher nur begrenzte Einzelaktionen einige Lokal- und Spezialpapiere beeinflußt hatten. Diskussionen über eine mögliche Senkung der Mindestreserven in absehbarer Zeit trugen zur weiteren Auflockerung bei. Die zu beobachtenden Anlagekäufe werden einmal mit der Tätigkeitsaufnahme neun Investmentgesellschaften, zum anderen aber auch mit Vorkäufen im Hinblick auf den Zinstermin am 1. April in Verbindung gebracht, der erhebliche Mittel freisetzt.

Der Deutsche Investment-Trust eröffnet als ersten Anlagefonds den Fonds für Standardaktien Concentra. Diesem Fonds werden Aktien von bis zu 30 verschiedenen Unternehmen zugeführt. Der Ausgabepreis für die Zertifikate wird börsentäglich festgesetzt. Da er sich zunächst nur auf annähernd 100 DM belaufen wird, ist dieses Papier auch für kleinere Sparer geeignet. Die neue Investmentgesellschaft steht der Dresdner Bank-Gruppe nahe.

Vom Zinstermin am 1. April dürfen keine nachhaltigen Wirkungen erwartet werden, da seine Fälligkeiten von 300 bis 400 Mill. DM nahezu durch die vor der Tür stehenden Kapitalerhöhungen absorbiert werden. Es handelt sich hier um 30,6 Mill. DM bei der Degussa zu 120 v. H., um 50 Mill. bei der Deutschen Bank-Gruppe und um 31 Mill. DM bei der Dresdner Bank-Gruppe zu je 100 v. H., um 10 Mill. DM bei der Commerz- und Disconto-Bank zu 100 v. H., um 90 Mill. DM bei Mannesmann zu 110 v. H. und um einige weitere kleinere Emissionen. Von den in Aussicht stehenden Bezugsrechten gingen für die Börse keine Anregungen mehr aus. Zu einem Kursanstieg von 18 Punkten kam es dagegen bei Dessauer Gas (Dt. Conti-Gas) auf 265 v. H., als bekannt wurde, daß die Gesellschaft von der Ermächtigung Gebrauch gemacht hat, daß AK unter Ausschluß des Bezugsrechts der Aktionäre um 9 auf 45 Mill. zu erhöhen. Ein größerer Teil der jungen Aktien ist zu 200 v. H. von Schweizer Seite übernommen worden. Die restlichen Aktien gingen an die Deutsche und Dresdner Bank. Durch Transaktionen mit dem neuen Schweizer Großaktionär (Elektro-Watt Elektrische und Industrielle Unternehmungen AG) hat Dessauer Gas ihren Anteil an der Electricitäts-Lieferungs-Gesellschaft, Hannover, auf vermutlich etwa 65 v. H. erhöhen können. In Schweizer Händen dürften sich jetzt nicht ganz 25 v. H. des AK von Dessauer Gas befinden.

Die IG-Farben-Nachfolger profitierten in der vergangenen Woche von den bereits erwähnten Anlagekäufen. Die IG-Farben-Liquis haben sich jetzt zu Kursen eingespielt, die zwischen 35 1/2 und 36 liegen. Größere Umsätze waren nicht mehr zu verzeichnen. Von Interesse war die Kursbewegung bei Cassella (bis 401 v. H.) und bei Riedel de-Haen (um 17 Punkte bis 203 v. H.). Für Riedel zeigten mehrere Gruppen Aufnahmeneigung, Unterstützt wurden diese Käufe durch bislang nirgend bestätigte Gerüchte, nach denen daran gedacht ist, den freien Riedel-Aktionären gegen zwei ihrer Aktien eine Cassella-Aktie anzubieten. Im vergangenen Jahr hat eine finanzielle und produktionsmäßige Teilverflechtung zwischen beiden Unternehmen stattgefunden.

Der Schwerpunkt der Aktienumsätze lag zwar am Montanmarkt, doch wurden keine Papiere sonderlich bevorzugt. Auf Basis der jetzigen Bewertungen hält man das Risiko bei den Kursen der meisten marktgängigen Werte für relativ gering. In den letzten Tagen konnten GHH-Nürnberg einige Punkte gewinnen. Die Bankbilanzen haben alle Erwartungen bestätigt; sie waren also für die Börse keine Überraschungen mehr. Eine Ausnahme bildete allerdings die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank, die ihre Dividende um 2 v. H. auf 11 v. H. erhöhte und damit die Standardbankendividende von 10 v. H. wohltuend nach oben durchbrach.

Auf den Lokalmärkten kam es bei Jacobsen zu einer Beruhigung. Die bislang zu beobachtenden Interessenkäufe führten zu keinen weiteren Kurssteigerungen mehr. Wie von Kreisen, die der Horten-Gruppe nahestehen, erklärt wurde, legt die Gruppe weniger Wert auf Jacobsen-Aktien als auf den Abschluß des Pachtvertrages mit der Jacobsen AG. Für die Jacobsen-Aktionäre könnten seine Auswirkungen in einer bescheidenen Dividende bestehen. Reis & Handels lagen um 7 Punkte fester. Es wird angenommen, daß die Gesellschaft allmählich in die Gewinnzone hineinwächst. Hamburger Brauereiwerte wurden von Interessenten zu steigenden Kursen aufgenommen. Kaum verändert, sogar in Einzelfällen vernachlässigt tendierten die Reederei-Papiere. Hapag fielen um 3 Punkte auf 86 v. H. zurück. Wie in Börenkreisen zu erfahren war, soll für die Hapag die Möglichkeit bestehen, einen 40-Mill.-DM-Kredit von privater Seite zu 6 1/2 v. H. zu erhalten, wenn Bürgschaften des Bundes sowie von den Ländern Schleswig-Holstein und Hamburg gegeben werden. Die Konditionen, über die angeblich verhandelt werden, sehen günstig aus: die ersten fünf Jahre sind tilgungsfrei, dann 25 gleiche Rückzahlungsraten. – Der Rentenmarkt zeigte ein ziemlich unverändertes Gesicht. Pfandbriefe mußten, in größeren Mengenaufgenommen werden, der Abgabedruck bei den Bundes- und Länderanleihen hat – nachdem hier eine aktive Kurspflege zu verzeichnen ist – nachgelassen, das Ausland interessierte sich für hochverzinsliche Industrieobligationen. Die alten Reichsanleihen stellten sich auf etwa 6 v. H. -ndt

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