Will der Innenminister – entgegen jeder Vernunft und auch seinen dem Handel gegebenen Zusagen – neuerdings doch den Behördenhandel forcieren? Diese Frage ist durchaus nicht unberechtigt, wenn man die Entwicklung des "Gemeinsamen Ministerialblattes" betrachtet, dessen Geschäftsführer quasi der Bundesinnenminister ist und zu dessen Teilhabern der Außenminister, der Vertriebenenminister, der Wohnungsbauminister, der Minister für Gesamtdeutsche Fragen, der Minister für Angelegenheiten des Bundesrates, der Familienminister Und zu guter Letzt auch noch ein Minister für besondere Aufgaben zählen.

Dieses ministerielle Mitteilungsblättchen besteht zu seinem bescheidensten Teil aus einem Doppelblatt, in dessen kärglichen Raum sich acht Ministerien für ihre Verlautbarungen teilen. Umgeben aber werden diese amtlichen Mitteilungen von einem "Anzeigen-Friedhof", in dem Hersteller und Verkäufer aller möglichen Artikel eine von ihrer Sicht aus durchaus begrüßenswerte Werbung betreiben.

Doch ist es wohl kaum einzusehen, daß acht Bundesminister nun auch noch eine eigene Anzeigenagentur aufmachen. Hier ist wohl der Ruf nach einer ministeriellen Koordination an der falschen Stelle verwirklicht worden, und darum ist es durchaus verständlich, daß der Handel gegen diese sinnlose Ausdehnung der privatwirtschaftlichen Betätigung des Staates recht massiv und nachdrücklich protestiert. -zke.