s. l., Berlin, Ende März

Seine lange aufgeschobene Entscheidung im FDP-Konflikt hat der Berliner Landesverband am vergangenen Wochenende auf einem außerordentlichen Parteitag gefällt. Differenzen zwischen dem Berliner und dem Bonner Vorstand bestünden, so erklärten Ausschußmitglieder überraschend, weder in innen- noch in außenpolitischen Fragen. Lediglich an gewissen Äußerungen Dehlers nehme man in Berlin Anstoß, und zwar wegen ihrer Abweichungen vom Fraktionsprogramm von 1953. Die Auseinandersetzungen um die Person Dehlers jedoch haben die Berliner, die sich mehrfach dezidiert gegen den Bundesvorsitzenden ausgesprochen haben, vorerst verschoben; lediglich der vor Monaten in Berlin gestellte Mißtrauensantrag gegen Dehler wurde auf dem Parteitag (der unter Ausschluß der Öffentlichkeit stattfand) zurückgenommen.

Stellt schon diese Tatsache eine Korrektur der bisher vertretenen Politik des Berliner Verbandes dar, so ist die mit wenigen Gegenstimmen und bei einigen Enthaltungen angenommene Mißbilligung der sechzehn Euler-Rebellen ein weiterer überraschender Schritt in Richtung auf die Loyalität zum Bundesvorstand. An der Sitzung des Landesausschusses nahm als vermittelndes Element der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Mende teil, auf dessen Vorschlag die Solidaritätsentschließung zurückgehen soll. An der nach wie vor Dehler-kritischen Haltung der meisten führenden Berliner FDP-Funktionäre, vor allem des Vorsitzenden Schwennicke, ändert diese Entschließung nichts, die Auseinandersetzung ist im Interesse der Parteieinheit nur bis zum Bundesparteitag verschoben worden.