Als erste der Berliner Großbanken legt die Berliner Bank AG, Berlin,den Geschäftsbericht für 1955 vor, der nicht nur von der erfreulichen Entwicklung dieses Instituts zeugt, sondern auch ein Spiegelbild der Aufwärtsentwicklung der gesamten Westberliner Wirtschaft in dem bisher erfolgreichsten Nachkriegsjahr abgibt. Bei einem AK von 20 Mill. DM, das sich im Besitz des Landes Berlin befindet, ist das Unternehmen im Berichtsjahr mit einem Gesamtumsatz von 38,0 (i. V. 34,8) Mrd. DM und einer Bilanzsumme von 625,4 (574,6) Mill. DM an die dritte Stelle der Regionalbanken im westdeutschen Währungssystem aufgerückt. Dieser Entwicklung entspricht äußerlich die Zahl von 41 Depositenkassen und zwei Zahlstellen auf dem verhältnismäßig eng begrenzten Raum Westberlins.

Wenn Direktor Heinzelmann vom Vorstand der Bank 1955 ausdrücklich als "bestes Jahr" des erst nach der Spaltung Berlins gegründeten Unternehmens bezeichnete, so bezog sich diese Feststellung nicht nur auf die Steigerung des Umsatzes und der Bilanzsumme um rund 10 v. H., sondern auf alle Zweige des Geschäftes. Sie kommt nicht zuletzt in der Aufnahme der Dividendenzahlung in Höhe von zunächst 6 v. H. zum Ausdruck, auf die die Gewinn- und Verlustrechnung abgestellt ist. Angesichts der besonderen Berliner Verhältnisse ist dieser Satz, dem sich voraussichtlich auch die Berliner Tochtergesellschaften der westdeutschen Großbanken anschließen werden, als angemessen anzusehen. Das Eigenkapital beläuft sich jetzt auf 28 Mill. DM.

Günstiger als im Bundesgebiet hat sich der Einlagenbestand entwickelt. Er stieg zwar insgesamt nur um 39,6 Mill. DM oder knapp 8 v. H. auf 558,3 Mill. DM, jedoch haben sich im Gegensatz zu der Entwicklung in Westdeutschland die Einlagen der Nichtbankenkundschaft beträchtlich vermehrt, und zwar um 77,1 Mill. DM oder 18 v. H., so daß die Bank-zu-Bank-Einlagen um 37,5 Mill. DM auf 64 Mill. DM abgebaut werden konnten. Auch die Zuwachsrate der Spareinlagen war mit 25,9 Mill. DM oder 46 v. H. überdurchschnittlich hoch. Sie waren am Jahresultimo mit 82,4 Mill. DM ausgewiesen und haben inzwischen bereits die Grenze von 90 Mill. DM überschritten und damit das Zuwachstempo des Vorjahres noch gesteigert. Den ausgeliehenen Krediten, die insgesamt um 33,9 Mill. DM oder 8,6 v. H. auf 430 Mill. DM zunahmen, kam der Einlagenzuwachs insofern zugute, als die Refinanzierung von Handelswechseln und eigenen Akzepten bei der Zentralbank nur in Höhe 45,8 (42,5) Mill. DM in Anspruch genommen, das erweiterte Kreditvolumen also zu rund 90 v. H. aus den neuen Einlagen finanziert wurde. Einen Beweis für den gesunden und soliden Charakter der Westberliner Wirtschaft trotz der vermeintlichen Krisenanfälligkeit infolge der politischen Verhältnisse liefern die Verluste der Bank im Kreditgeschäft: bei einer Summe von 440 Mill. DM verbürgten Krediten, die etwa seit 1950 von der Bank ausgeliehen worden sind und nur rund 10 v. H. der gesamten Kreditsumme ausmachen, waren nur 6,6 Mill. DM oder 1,59 v. H. uneinbringbar.

Auch die Liquidität der Bank hält den Vergleich mit westdeutschen Instituten aus. Zwar sank die Barliquidität, die sich aus einer Reserve von 46,1 Mill. DM und Verbindlichkeiten von 574,2 Mill. DM errechnete, von 9,7 auf 8,0 v. H. Gestiegen ist dagegen die Gesamtliquidität von 35,7 auf 36,5 v. H., wenn die gesamten liquiden Mittel von 163,5 Mill. DM zugrunde gelegt werden. Eine besondere und weit über dem westdeutschen Durchschnitt liegende Belastung stellen nicht nur für die Berliner Bank, sondern für die Westberliner Banken überhaupt die Ausgleichsforderungen dar, da sie nicht nur auf Grund der Währungsumstellung, sondern auch auf Grund der Aufwertung der Uraltkonten entstanden sind. Im Falle der Berliner Bank hat sich der Gesamtbestand. an diesen Forderungen gegen die öffentliche Hand im Berichtsjahr noch um 7,4 auf 100 Mill. DM erhöht, was trotz der Geschäftsausweitung einem Anteil von unverändert 16 v. H. der Bilanzsumme entspricht. Gerade in Berlin, wo der Kreditbedarf der Wirtschaft noch größer und dringender als im Bundesgebiet ist und das Ziel aller Bundeshilfen, die Stadt durch die Stärkung ihrer industriellen Leistungsfähigkeit aus eigener Kraft am Leben zu erhalten, möglichst bald erreicht werden sollte, ist ein derart hoher Bestand an totem Kapital eine auf die Dauer wohl nicht zu verantwortende Belastung. G. G.