Vkle Begriffe in der Weit haben sich gewandelt seit einem Menschenalter. Unverrückbar jedoch blieben in unserm Bewußtsein iene biblischen Namen von Ortschaften, Flüssen, Seen und Bergen, iie seit frühester Kindheit sich uns einprägten durch das, was einnal dort geschah vor nahezu zweitausend Jahren, als Christus in dieser Landschaft geboren wurde, lehrte, litt und scarlb und wieder auferstand zur österlichen Zeit, auf daß die Welt durch ihn erlöset würde "Danach fuhr Jesus weg über das Meer an der Stadt Tiberias in Galiläa. Es war aber nahe an Ostern In Verbindung mit Israel und dem Nahen Osten sind wir heute in politischen Kategorien zu denken gewohnt, aber die Namen der Landschaft und der Städte sind noch fast die gleichen, wie wir sie aus den Bibel werten kennen: Jerusalem, Nazareth, der Jordan, Golgatha, der Garten Gethsemane. Freilich geschah vieles im Laufe der vergangenen zwei Jahrtausende. In Jerusalem hinterließen nicht nur die Römer, als Pilatus dort herrschte, sondern später auch die Araber unter dem Kalifen Omar, die Kreuzfahrer, die Türken ihre Spuren in Gestalt von Marmorfragmenten, Kirchen und Klöstern, Moscheen, Mauern und schließlich in jenen durch Zufall entdeckten ältesten Pergamentrollen, die vielleicht manches erhellen werden, was wir für ewig im Schöße der Zeiten verborgen wähnten. Wenn auch heute Motorboote und Dampfer das Tote Meer oder den See Genezareth durchfurchen, wenn Teiegraphenstangen die von Autos befahrenen Straßen flankieren, wenn Fabriken und moderne Hochbauten neben den alten Resten aufragen, die vielen Pilger aus allen Erdteilen, die den heiligen Boden betreten, kommen mit anderen Sehnsüchten.

Menschliche Unzulänglichkeit hat es zuwege gebracht, daß der geheiligte Boden aufgespalten ist in zwei feindliche Lager. Der Jordan, vielleicht die am biblischsten anmutende Landschaft, gehört einmal zu Israel, das andere Mal zu Jordanien. An seinem Oberlauf trennt er überdies noch Israel von einem weiteren, arabischen Staat, von Syrien, genau wie schon zu Christi Zeiten. Zwei seiner Quellen liegen auf arabischem Gebiet, die dritte auf israelischem, und zwar in nächster Nähe eines Stacheldrahtzauns mit einem Schild daran "Achtung — Minengefahr". Jenseits der Grenze wie diesseits bis an die Zähne bewaffnete Posten, die bereit sind, beim geringsten Anlaß aufeinander loszugehen. Wer sich in der Bibel auskennt, weiß, daß schon in frühchristlicher Zeit das Wasser des Jordans als besonders heilkräftig galt. Heute wie einst werden dort Taufen vorgenommen, und eine geschäftstüchtige Gesellschaft exportiert es in Fläsdhchen, zusammen mit einem Säckchen Erde vom Heiligen Land über die ganze Welt. — Auf seinem Lauf durchfließt der Jordan zwei weitere biblische Gewässer, nämlich den See Genezareth und später das Tote Meer, das vierhundert Meter unter dem Meeresspiegel liegt und wegen seines hohen Salzgehaltes berühmt ist. Am Südzipfel des Toten Meeres befindet sich die Stelle, wo einst auf Sodom und Gomorrha. "der Herr Feuer und Schwefel regnen ließ", weil die Menschen sich von ihm abgewandt hatten. Eine neue Asphaltstraße zieht sich durch die einer Mondlandschaft ähnelnde Szenerie in die belebteren Gegenden. Auf ihr werden per Lastauto Pottasche und Salz zur Küste transportiert. So könnte min in der Beschreibung der feindlichen Zweiteilung des biblischen Landes noch lange fortfahren bis Jerusalem, wo die Grenze mitten durch die Stadt geht. Dort liegen die heiligen Stätten fast alle im arabischen Teil. Unendlich schön ist das alte, biblische Land in vielen seiner Teile , etwa am See Genezareth. Hier hat sich eine Art Touristenzentrum gebildet, wegen der heißen Quellen, die von Tausenden aufgesucht werden. Sie liegen in der Nähe der einzigen Stadt am See, die von Herodes zu Ehren des Kaisers Tiberius erbaut wurde und nach ihm den Namen Tiberia trägt. Allerdings wurde sie später völlig zerstört. Wer es weniger warm haben möchte, fährt mit dem Autobus in die Berge gen Nazareth. Nazareth ist ein Phänomen im jungen Staat Israel, weil diese Stadt als einzige nur von Arabern bewohnt ist. Juden dürfen sie nur mit einem Sonderausweis betreten. Die Scharen von Pilgern und Reisetiden werden heute durch einen wohlorganisierten Fremdenbetrieb dirigiert, der allerdings mitunter eher lästig als ermunternd agiert. Von einer heiligen Stätte zur nächsten hetzen Unternehmer die Gäste aus aller Welt, unbeküm