Etwa 70 v. H. aller gewährten Kredite entfallen bei der Commerzbank-Gruppe auf Beträge unter 20 000 DM. Dieser betont mittelständische Charakter der Kundschaft mag ein Grund dafür gewesen sein, daß sich die restriktive Politik der BdL und des Bundesfinanzministeriums in den Bilanzen der Gruppe weniger ausgewirkt hat, als bei den anderen beiden Großbanken. Mit einer Steigerung der Bilanzsummen um 17,6 v. H. auf zusammen 3,71 Mrd. DM hat die Commerzbank-Gruppe den Abstand zu den Bilanzsummen der Dresdner Bank (4,1 Mrd.) und der Deutschen Bank (6,7 Mrd.) etwas verringern können. Das Schwergewicht innerhalb der Commerzbank-Gruppe liegt unangefochten beim Bankverein Westdeutschland, dessen Bilanzsumme allein 2,128 Mrd. ausmacht, es folgt die Commerz- und Disconto-Bank mit 0,812 Mrd. und die Commerz- und Credit-Bank mit 0,77 Mrd. DM. Deshalb ist es auch verständlich, wenn die Wünsche des Bankvereins für den Zusammenschluß ein entscheidendes Gewicht besitzen, der nach den Worten seines Vorstandsmitgliedes Hans Erkelenz den Sitz der wieder vereinigten Commerzbank nach Düsseldorf gelegt haben möchte. Eine Entscheidung über die Form des künftigen Instituts ist noch nicht gefallen. Sie wird nicht vor April erwartet.

Auf den Pressekonferenzen der drei Institute wurde zwar erklärt, daß grundsätzlich über die Rekonzentration der Commerzbank Einigkeit bestehe, doch gehen die Meinungen über die Form offensichtlich noch auseinander. Ein Gewinnpool ist gegenwärtig ebensowenig ins Auge gefaßt wie eine Namensänderung irgendeines Instituts. Die größere Selbständigkeit der ausgegründeten Banken findet ihren augenfälligsten Ausdruck in den unterschiedlichen Kapitalerhöhungen. Die HV der Commerz- und Disconto-Bank wird jetzt mit der zweiten Kapitalerhöhung nachziehen und die Ausgabe junger Aktien von 10 Mill. DM (zu 100 v. H., dividendenberechtigt ab 1. Juli 1956) beschließen. Auf Basis des jetzigen Börsenkurses ergibt sich für das Bezugsrecht eine rechnerische Parität von 46 v.H. Nach dieser Transaktion wird sich das Eigenkapital der Gruppe (AK und Rücklagen) auf 162 (100,5) Mill. DM belaufen. Die kräftige Steigerung ist eine Folge der vorjährigen Kapitalerhöhungen sowie weiterer Zuweisungen an die offenen Reserven. Für 1955 wird einheitlich eine Dividende von 10 (9) v. H. gezahlt.

Die Erhöhung der ausgewiesenen Steuern um 58,5 v. H. auf 32,9 Mill. DM läßt eindeutig den Schluß zu, daß die Erträge erheblich stärker zugenommen haben, als es in der Dividendenerhöhung um 1 v. H. zum Ausdruck kommt. Die Banken haben also ihre inneren Reserven erneut beträchtlich anreichern können. Sowohl die Einlagen als auch die Debitoren sind gewachsen. Innerhalb der Gesamteinlagen von 3,012 Mrd. DM (+ 13,1 v. H.) haben Umschichtungen stattgefunden, die teilweise auf das Verlangen der Kundschaft nach höheren Zinsen zurückzuführen sind. Wenn die Zuwachsrate des Vorjahres bei den Krediten (knapp 30 v. H.) nicht wieder erreicht wurde, so ist daran der relative Rückgang bei den Einlagen der Kreditinstitute Schuld, ein Faktor, der mit dem sich anspannenden Geldmarkt zusammenhängt. Gestiegene Bankeinlagen, insbesondere Termineinlagen, weist namentlich das Hamburger Institut auf. Dank rechtzeitiger Dispositionen, so sagte das Vorstandsmitglied Robert Gebhardt, sind diese Mittel noch zu normalen Zinssätzen hereingenommen worden. In der Kundschaft wurde die Tendenz, Termineinlagen zu Spareinlagen zu machen, nicht gefördert.

Auf der Aktiv-Seite erhöhten sich die Debitoren um 100 Mill. auf 1,229 Mrd. DM; die Zuwachsrate blieb damit erheblich hinter der Steigerung der Bilanzsummenquote zurück. Die langfristigen Ausleihungen haben erstmals eine Abnahme um 17 auf 263 Mill. DM aufzuweisen. Daran läßt sich eine Konsolidierung der Kundschaft über Neuemissionen und Schuldscheindarlehen erkennen. Allerdings bleibt der Bedarf der Wirtschaft nach langfristigen Mitteln auch weiterhin noch unvermindert bestehen. Bei den Wertpapieren wird eine Zunahme um 95 auf 295 Mill. DM ausgewiesen. Beachtlich ist die Lösung der Commerz- und Creditbank von etwa 5 Mill. DM ihrer Bundes- und Länderanleihen, während die beiden Schwesterinstitute diesen Posten noch erhöht haben. Auch sonstige festverzinsliche Werte hat das süddeutsche Unternehmen veräußert. -ndt