Das bisherige stürmische Tempo der Bilanzausweitung bei den Nachfolgeinstituten der Dresdner Bankgruppe hat sich im Geschäftsjahr 1955 abgeschwächt. Während in 1954 die Bilanzsumme um 13,1 v. H. auf 4,131 Mrd. DM stieg, betrug die letztjährige Ausweitung nur noch 8,6 v. H. und damit die Bilanzsumme aller drei Banken zusammengefaßt 4,485 Mrd. DM. Ein besonderes Merkmal der jetzt vorgelegten Bilanzwerke ist das Streben nach einer Vermehrung des Eigenkapitals und nach einer möglichst hoben Liquidität, die besonders in Zeiten eines angespannten Geldmarktes von hervorragender Bedeutung ist. Die Geschäftspolitik war auf die Sicherung des Erreichten (Reservenbildung!) und auf eine gesunde Fortschrittsquote abgestellt. Das ausgewiesene Eigenkapital soll mit der nun zur Durchführung gelangenden Kapitalerhöhung um 31 Mill. DM (Rhein-Main Bank AG, Frankfurt/Main, und Rhein-Ruhr Bank AG, Düsseldorf, um je zwölf, Hamburger Kreditbank um sieben Mill. DM) eine Ergänzung erfahren. Danach werden sich Aktienkapital und offene Rücklagen der Gruppe auf 217 Mill. stellen, das sind 5,3 v. H. der Verbindlichkeiten.

Die Pläne der Dresdner Bank-Gruppe für den angestrebten Zusammenschluß der Institute sehen keine Wiederherstellung alter zentralistischer Verhältnisse her. Sie stimmen mit den Vorstellungen der übrigen Großbanken-Nachfolger also überein. Auf keinen Fall soll die sich nach dem Kriege als wertvoll erwiesene enge Verbindung zwischen Kundschaft und Bankleitung in der künftigen Organisation untergehen. Frankfurt dürfte die Zentrale der neuen Dresdner Bank werden.

Im Kreditgeschäft stiegen die Debitoren um 130 auf 1598 Mill. DM (um 8,9 v. H.). Dabei fällt auf, daß diese Erhöhung nur bei der Rhein-Main Bank und der Rhein-Ruhr Bank eingetreten ist, während die Hamburger Kreditbank einen leichten Rückgang verzeichnete. Hier ist hingegen eine erhebliche Zunahme der Wechselbestände eingetreten, und zwar um 96,4 auf 276 Mill. DM. 95,2 v. H. des Bestandes sind bei den Landeszentralbanken sofort rediskontierbar, der Rest nach Erreichen der 90tägigen Laufzeit. Die um 9,8 v. H. gestiegenen Einlagen der Nichtbankenkundschaft wurden also unter Verzicht auf höhere Zinserträge kurzfristig und Jederzeit realisierbar angelegt. Die langfristigen Ausleihungen der Gruppe werden mit 304 (-21) Mill. DM ausgewiesen. Davon waren 238 Mill. durch aufgenommene langfristige Darlehen gedeckt. Die Institute haben es abgelehnt, langfristige Darlehen aus kurz- und mittelfristigen Mitteln zu finanzieren! sie sehen es keinesfalls als ihre Aufgabe an, von sich aus die kurzfristige Verschuldung der Industrie langfristig zu konsolidieren. Dafür waren die Banken bei der Vermittlung von Schuldscheindarlehen behilflich, deren bankentechnische Abwicklung übernommen wurde.

Die Wertpapiere werden in der Dresdner Bank-Gruppe mit 285 (289) Mill. DM nahezu unverändert ausgewiesen. Das heißt jedoch nicht, daß sie nicht "bewegt" worden wären. Die Hamburger Kreditbank und die Rhein-Main Bank haben sich in großem Umfange von Pfandbriefen und Industrieob1igationen befreit, beide weisen auch einen insgesamt verringerten Wertpapierbestand aus. Die Rhein-Ruhr Bank hat den Posten "Anleihen und verzinsliche Schatzanweisungen" um etwa 12 Mill. DM verstärkt und noch 2 Mill. festverzinsliche Wertpapiere zusätzlich übernommen. Immerhin hat die Rhein-Ruhr Bank noch immer erst die Hälfte der steuerfreien Bundes- und Länderanleihen im Besitz, wie sie von der kleineren Hamburger Kreditbank ausgewiesen werden.

Auf der Passivseite stiegen die Einlagen der Nichtbankenkundschaft um 11,3 (14,9) v. H. auf 3163 Mill. DM; dagegen verringerten sich die Einlagen der Kreditinstitute um 6.2 v. H. (im Vorjahr Zunahme von 1,6 v. H.) auf 590 Mill. DM. Bei den Instituten haben sich geringfügige Verschiebungen innerhalb der Sicht-, Termin- und Spareinlagen ergeben. Eine sichtbare Wendung von den Termineinlagen zu den Spareinlagen, um in den Genuß höherer Zinsen zu gelangen, ist bei der Kundschaft ausgeblieben. Die Hamburger Kreditbank schätzt den Anteil in ihren Spareinlagen, der ihrem Charakter nach eigentlich Termineinlagen wären, auf 5 v. H. Für 1955 werden einheitlich 10 (9) v. H. Dividende verteilt. Im Berichtsjahr kam erstmalig der Vertrag über einen Gewinn- und Verlustausgleich der Institute zur Anwendung. K. W.