Nach einem neuen Buch von Horst Wolfram Geißler zu greifen, bedeutet, mit Sicherheit gute Unterhaltung vorzufinden. Vielleicht hofft man gar, wieder einem "Lieben Augustin" zu begegnen, wie in jenem biedermeierlich-lebensfrohen Buch über die Süße des Nichtstuns, das Geißler vor 35 Jahren schrieb und das ihm Ruhm brachte. Dann freilich hofft man zuviel:

Horst Wolfram Geißler: "Frag nicht zuviel", Roman, 280 Seiten, Ehrenwirth-Verlag München, 8,80 DM.

Es blieb dem 63jährigen vorbehalten, einen Liebesroman zu schreiben, dessen Ingredienzen trotz der erfahrenen Feder wenig überzeugen. Eine hübsche Sprechstundenhilfe in einer amerikanischen Kleinstadt darf eine Millionenerbschaft nur antreten, wenn sie unverheiratet bleibt. Dummerweise erfährt sie das erst, als sie bereits im Stande der Ehe verweilt. Wohin es führt, wenn man solchen Schritt des Mammons wegen zu verheimlichen versucht, hätte eine heitere Lebensphilosophie ergeben können. Statt dessen wurde es eine amüsante Plauderei über nichts, wobei die Akteure, mit viel Liebe zum Detail gezeichnet, rechtschaffen den verschlungenen Weg zum Happy-End zurücklegen. Nun – betiteln wir das Werk "Erwarte nicht zuviel" und so haben wir eine vergnügliche Unterhaltungslektüre. c. h.