Im Staate Hamburg heißt ein Minister Senator. Sonst aber ist er nicht besser dran als seine Kollegen in anderen Ländern. Er ist kein Beamter, hat also weder Versorgungs- noch Pensionsansprüche. Da es dessenungeachtet an Kandidaten für Ministerposten nicht fehlt, besteht kein Grund, dies zu ändern.

Allerdings sollte man erwägen, den Kultusminister als Sonderfall zu behandeln, weil als geeignete Kandidaten für das Kultusministerium meist nur Beamte, vor allem Hochschullehrer, in Frage kommen.

Ein Göttinger Professor wurde gefragt: Warum springt nicht einer von Ihnen ein und besetzt die vakante Stelle im niedersächsischen Kultusministerium? Nachdem durch Ihre entschlossene Aktion der hierfür ungeeignete Schlüter seinerzeit entfernt wurde, wäre das doch eigentlich naheliegend. Die Antwort war eine Gegenfrage: Sollen wir unsere Professur aufgeben?

Der Hamburger Senat zeigte Umsicht und Zivilcourage, als er sich einen Kultursenator holte, der weder Hamburger noch Parteipolitiker war: Professor Wenke, ordentlicher Professor der Pädagogik aus Tübingen. Die Universität gab ihrem Ordinarius zunächst Urlaub. Der ist jetzt abgelaufen – denn eine Universität kann ja den Lehrbetrieb nicht aufrechterhalten, wenn ihre Ordinarien nur auf dem Papier stehen. Um Professor Wenke den Rückweg zur Hochschule zu erleichtern, beschloß der Senat, ihm eine außerordentliche Professur an der Hamburger Universität anzubieten. Dafür gibt es illustre Präzedenzfälle – die Professoren Heuss und Hallstein gehören dazu. Die Vertreter der SPD protestierten scharf gegen eine solche "Versorgungspolitik für Minister".

Da erhebt sich denn doch die Frage: Sollte in einer Zeit, wo kein guter Schlosserlehrling mehr zu kriegen ist, wenn man ihm nichteine gewisse Berufssicherheit bietet, einem Minister zugemutet werden, Amt und Würden, Beruf und Pension an den Nagel zu hängen, um sich in die ungewisse, gefahrenreiche Arena der Politik zu stürzen? Nur Hasardeure täten das, ohne zu zögern. Aber von politischen Hasardeuren haben wir doch eigentlich genug. Leo