DIE ZEIT

Zwölf Monate?

Der Bundesrat hat, ohne auf die grundsätzliche Frage: Wehrpflicht oder Berufsheer einzugehen, für den Fall der Annahme des Wehrpflichtgesetzes, das ihm am Freitag im ersten Durchgang vorlag, einen nur zwölfmonatigen Wehrdienst vorgeschlagen.

Lüg schneller, Genosse!

"Wenn jüngere Genossen hier in Berlin in Parteiversammlungen aufgetreten sind und haben erklärt: ‚Ich bin von Stalin erzogen, und ich glaube ihm‘, so müssen wir ihnen helfen, die Probleme richtig zu erkennen.

Malenkow: "Freude an Shakespeare"

Der Besuch. Malenkows in Großbritannien wurde dem Foreign Office dadurch bekannt, daß ein Beamter die Liste der angesagten Delegation von Elektroingenieuren durchging und dabei auf einen Namen stieß, der ihm bekannt vorkam.

Hochschulminister

Im Staate Hamburg heißt ein Minister Senator. Sonst aber ist er nicht besser dran als seine Kollegen in anderen Ländern. Er ist kein Beamter, hat also weder Versorgungs- noch Pensionsansprüche.

Der wahre Joseph

Vor einigen Jahren erschien in Frankreich ein Buch unter dem Titel "Wenn Hitler gewonnen hätte". Der Autor schildert eine Nachkriegswelt, die sich von der tatsächlichen im Grunde nur dadurch unterscheidet, daß nicht Stalin, sondern Hitler den Krieg gewonnen hat.

Berlin gegen Euler

Seine lange aufgeschobene Entscheidung im FDP-Konflikt hat der Berliner Landesverband am vergangenen Wochenende auf einem außerordentlichen Parteitag gefällt.

ZEITSPIEGEL

Earl Winterton erklärte zum bevorstehenden Besuch Bulganins und Chruschtschows: "Nicht während des Besuches, aber vorher oder danach, wäre es sehr nützlich, wenn in allen Kirchen des Landes für die unglücklichen Menschen in den Zwangsarbeitslagern gebetet würde.

Doch nach Canossa?

Es gibt keinen Weg nach Canossa", erklärte der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Dr. Max Becker, im Rednerschnellbrief der FDP vom 24.

Wenn der Kanzler in Ferien ist...

Der Fahnenmast über den Zinnen des Palais Schaumburg ragt kahl in den wolken verhangenen Märzhimmel. Die schwarzrotgoldene Standarte, die sonst allmorgendlich die Anwesenheit des Hausherrn kündet, bleibt in diesen Wochen eingezogen.

Freiheitsheld Habib Bourguiba

Eines Tages – es war im Herbst 1954 – ging ich die Rue de Rivoli hinauf zur Place de la Concorde, als ich plötzlich eine auffallende Erscheinung quer über den großen Platz auf mich zukommen sah.

Reich behütet

Das Etikett eines Westberliner Hutgeschäftes am Kurfürstendamm entdeckten neugierige britische Journalisten an Malenkows Hut, während der russische Gast Premierminister Eden besuchte.

Die algerische Sackgasse

Es gibt nichts Bezeichnenderes für die gegenwärtige politische Lage Frankreichs als die erstaunlichen (und soviel Gegensätze umspannenden) Mehrheiten, welche die Regierung Mollet für alle ihre Anliegen in der Kammer erhält.

Gespenster

Sie scheinen mehr Angst vor den Deutschen, als vor den Kommunisten zu haben", sagte ein amerikanischer Verleger zu dem französischen Ministerpräsidenten Mollet.

Saudien und sein Gold

Djiddah noch vor sieben Jahren besuchte,kennt es nicht wieder. Bald wird keines seiner zweihundert und mehr Jahre stehenden großen Steinhäuser, mit ihrem geheimnisvollen geschlossenen Holzerkern, mehr stehen.

Meditationen im Krankenhaus

Es drehte ihn einmal um seine Achse, er hörte ein Knirschen, und ehe er noch platt auf dem Schnee lag, wußte er, daß nun mehreres anders sein werde, daß, was soeben noch gegolten hatte, nicht mehr galt.

Neue Musik darf sich erproben

Es ist schon oft genug festgestellt worden, daß die zeitgenössische Musik aller Richtungen, aufs Ganze gesehen, keine eigentliche Existenz im öffentlichen Kulturleben mehr hat.

Der Meister, den niemand zur Ruhe setzen wird

In einer Schlichtheit und Konzentration, die niemand kann übertreffen wollen, ist hier genau das gesagt, was die Auferstehungsfeier bestimmen sollte in einer Welt, in der das Christentum noch nicht ausgelöscht ist.

Heimliche Liebe

Wilhelmshavener Bürger haben einen Brief an den Ministerpräsidenten des Landes Niedersachsen geschrieben, in dem sie gegen die drohende Verlegung der Wilhelmshavener Hochschule für Politik und Wirtschaft in eine andere Stadt protestieren.

Masken bei Sellner

Schauspieler, die Sellners Inszenierungsmethode nicht verstehen, heben, wenn sie von ihre sprechen, den rechten Arm über den Kopf, bis die Hand das linke Ohr berührt: "Verrückt um jeden Preis.

Der große Alte

Als 1954 der dreiundsiebzigjährige Heinz Tietjen die Intendanz der Westberliner Oper aufgab, trat er wohl formell "in den Ruhestand", blieb aber unvermindert aktiv als Gastregisseur an der Mailänder Scala und anderen großen Bühnen.

Notizen

Friedenspreis für Reinhold Schneider, Der 53jährige Dichter Reinhold Schneider erhielt den diesjährigen Friedenspreis des deutschen Buchhandels, der mit 10 000 Mark dotiert ist.

Briefe des Herzens

Ostern, da Konfirmation, Versetzung, Einschulung und Abitur in kinderreichen Familien zusammenprallen, ist die entscheidende Zeit, in der Elternweisheit ihre übermütigen oder verzweifelnden Kinder zur Besonnenheit leiten, in der aber oft auch Unverständnis der Erwachsenen die unsichere Jugend in Katastrophen stürzt; der rechte Jahreszeitenwechsel also, um sich in die Eltern-Kinder-Beziehung vergangener Jahrhunderte gleichnissuchend zu vertiefen und in den durchaus nicht immer beglückten Briefen gutmeinender, aber verständnisloser Eltern an ihre berühmten Söhne neuen Mut für die eigenen Kinder zu finden.

Chinas Märtyrer sprechen

Es gibt hinsichtlich der Zukunftsaussichten der freien Welt und ihrer Bedrohung durch den Bolschewismus ein pessimistisches Argument, das kein verantwortungsbewußter Mensch leichtfertig beiseite zu schieben versuchen sollte.

Im Brennpunkt des Gesprächs;: Weltliteratur aus Südafrika

Nadine Gordimers "Entzauberung" Der literarische Hochmut des Europäers hat lange Zeit gebraucht, um zuzugestehen, daß Amerika zur "Weltliteratur" in Goethes Sinn des Wortes beitragen kann; Herman Melville hat diese Einsicht jedenfalls nicht mehr erleben dürfen, und sogar für Thomas Wolfe wäre es fast zu spät gewesen.

Der Traum von Gestern

Schon die ungenaue Datierung der Handlung, die sich nur aus der Auseinandersetzung des Helden mit gewissen historischen Phänomenen, wie Krieg, Zusammenbruch der Donaumonarchie, Entstehung der Jugendbewegung, erschließen läßt, sondert den Roman aus der Menge brutal-naturgetreuer Darstellungen realistischer Konflikte und handfester Geschehnisse, wie sie die Gegenwartsliteratur durchweg bevorzugt, aus und stellt ihn in die Tradition des klassischen Bildungs- und Entwicklungsromans, der sich für historische Phänomene und außerhalb einer normativen allgemein-menschlichen Einflußsphäre liegende Vorkommnisse stets nur insoweit interessiert, als sie für die geistige Entwicklung des Helden von tieferer Bedeutung sind.

Kein Zeug zum Helden

Heine – so scheint es – ist jedesmal anders, als der Biograph ihn will. Er entzieht sich an irgendeiner Stelle und treibt so noch posthum seinen Spott mit den um ihn im Guten und Böser Bemühten.

Eine große Dichterin

Von einer Frau soll hier gesprochen werden, die beinahe schon vergessen worden wäre; von einer Frau, die noch als 34jährige aussah wie ein junges Mädchen, das auf bestürzende Weise nicht altert: dunkles Haar, dichte Augenbrauen, volle, nicht ganz geschlossene Lippen, eine starke, aber gerade geformte Nase – und Augen, die von unbeschreiblicher Schönheit gewesen sein müssen, obwohl man ihre Farbe auf der Photographie nicht erkennen kann.

Das große Thema Liebe

Je mehr das Schreiben zu einem Handwerk wird, desto dringender erhebt sich die immergültige Frage nach den Grenzen zwischen Meister und Genie.

Erwarte nicht zuviel

Nach einem neuen Buch von Horst Wolfram Geißler zu greifen, bedeutet, mit Sicherheit gute Unterhaltung vorzufinden. Vielleicht hofft man gar, wieder einem "Lieben Augustin" zu begegnen, wie in jenem biedermeierlich-lebensfrohen Buch über die Süße des Nichtstuns, das Geißler vor 35 Jahren schrieb und das ihm Ruhm brachte.

Wenn keiner mehr lügt...

Im weltabgeschiedenen Merton-Tal, irgendwo hoch im Norden, geht manches nicht mit rechten Dingen zu. Zweimal wird ein Mädchen von einem Ziegelstein getroffen, der frei umherwirbelt, ohne daß ein Untäter mitwirkt.

Ich schlafe nach Paris

Paris, Ende März Manchmal sind Feen gütig. Wenn man gerade mit Sehnsucht vom Pariser Frühling träumt so ist es aufmerksam von ihnen, eine Einladung für eine Reise dorthin ins Haus zu schicken, auch wenn sie die Güte eng bemessen und den Aufenthalt am einen, nur einen einzigen Tag beschränken.

Erster Spaziergang

Die gleichen Bergorte, die noch vor wenigen Wochen alles unter dem Vorzeichen "Schnee und Frost" getan hatten, preisen jetzt Krokus und Weidenkätzchen, Wanderwege und Ozon an und die letzten Skiabfahrten, wo die Sonne noch nicht aufgeräumt hat.

Neuer Glanz im Palazzo Vecchio

In den Wochen vor Ostern, wenn der Frühjahrsgroßputz einsetzt, pflegen auch die Städte, die sich mit Beginn der Reisezeit wie gastliche Häuser für die Fremden auftun, mit verdoppeltem Eifer die letzten unordentlichen Ecken aufzuräumen.

Liliom im Exil

Sehr aufrichtig gibt sich der lange angekündigte und jetzt in New York mit gewaltigem Pressefanfarenlärm vorgeführte Film "Carousel" als eine Bearbeitung der Broadway-Bearbeitung von "Liliom" von Franz Molnar aus.

Moskauer sehen New York

Vor den Moskauer Kinos stehen die Menschen in diesen Tagen Schlange, um einen farbigen Kulturfilm über die USA zu sehen. Der Film zeigt "San Franziska, Chikago, New York", und ebenso sachlich wie der Titel ist auch der Inhalt.

Neues in Venedig

Für die siebzehnte venezianische Filmfestspielwoche im August werden schon jetzt große und umwälzende Neuerungen angekündigt.

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Diabolischer Rummel

Liebliche Hügel und Täler füllen die Kinolenwand; hier murmelt ein Bächlein, dort streicht ein sanfter, mitteldeutscher Wind über die Baumwipfel.

Neu und sehenswert

Die tätowierte Rose (USA). Anna Magnani ist mit Verve und mit ihrer großen Kunst zu nuancieren – sie erhielt dafür in diesen Tagen als beste Schauspielerin des Jahres den amerikanischen Oscar – die temperamentgeladene, liebeshungrige Witwe in dem Film nach, Tennessee Williams Theaterstück "Rose tatoo" (Regie Daniel Mann), ihr Partner ist Burt Lancaster.

Picknick

Nach dem auch in Deutschland aufgeführten Schauspiel "Picknick" von William Inge hat der Broadway-Regisseur Joshua Logan, so eine Art Reinhardt des Musicals, diese amerikanische Tschechowiade von den Kleinstadtfrauen, die durch ein charmantes Raubtier von Mann außer Rand und Band geraten, in Cinemascope inszeniert.

Schleswig-Holstein: Frühlingsmüde

Im Kieler Landtag wurden soeben die Etat-Beratungen abgeschlossen. Sie hatten drei volle Tage beansprucht. Kurz vor Toresschluß mußte noch über einen Antrag der Sozialdemokraten abgestimmt werden, welche die immerhin respektable Summe von zwei Millionen Mark für den Bau einer Turnhalle gefordert hatten.

Hessen: Die Tauben gewannen den Krieg

Am Montag, dem 12. März, Punkt 9.50 Uhr, hielt in der Friedrichstraße, einer der Hauptgeschäftsstraßen der hessischen Landeshauptstadt, ein Personenwagen.

Bayern: Seil gerissen

W. L., MünchenHerrlicher Sonnenschein und g’führiger Schnee hatten den Zahnarzt Dr. Oskar Kraus am 20. März 1955 dazu veranlaßt, einmal ohne Frau und Kind mit seinen Skiern auf den Herzogstand-Fahrenbergkopf (1626 m) zu fahren.

Aus der Schule

Ein Schuljahr ist zu Ende. Die 770 000 Schulentlassenen räumten leichten Herzens die Bänke. Unter ihnen sind mehr als 380 000 Jungen und fast 390 000 Mädchen.

"Freie" Kohlenpreise

Der Entscheid der Hohen Behörde, die Kohlenpreise für die letzen beiden unter Höchstpreiszwang liegenden Reviere der Montan-Union, nämlich für die Ruhr und Aachen, freizugeben, gehört mit zu den besten Entschlüssen, die Luxemburg je gefaßt hat.

Auf einen Blick...

Die Good-will-Mission der westdeutschen Wirtschaft unter Führung des Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Fritz Berg, ist von ihrer sechseinhalbwöchigen Reise durch Ostasien wieder zurückgekehrt.

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