W., Wien, Ende März

Stärker als bisher stand in diesem Jahr die Wiener Frühjahrsmesse unter dem Exportzwang der österreichischen Wirtschaft. Die Messe, die wieder mit einer Internationalen Automobilausstellung verbunden war, wies mehr als 600 000 Besucher auf, unter denen sich – aus 28 Staaten – auch sehr viele Ausländer befanden. Größter Auslandsinteressent war die Bundesrepublik, auf deren Konto weit mehr als die Hälfte aller Auslandsaufträge gehen dürften. Aber auch der Vordere Orient trat diesmal in der Besucherzahl und in der Auftragserteilung recht stark in Erscheinung. Bemerkenswert ist, daß die von verschiedenen Branchen gehegten Ostexporthoffnungen trotz vieler Einkäufer aus den Oststaaten nur zu einem recht geringen Teil erfüllt worden sind.

Die Überraschung der Messe war die Verlagerung des Schwergewichts von den Investitionsgütern auf die Konsumgüter. Ursache dieser Entwicklung ist die restriktive Kreditpolitik der österreichischen Notenbank in Verbindung mit der durch die am 13. Mai erfolgenden Neuwahlen jetzt noch ungeklärten Lage über den künftigen wirtschaftspolitischen Kurs des Landes. Exporte österreichischer Textilien nach Deutschland wurden nur in bescheidenem Umfange abgeschlossen; dies liegt zum Teil an dem hohen Preisniveau für österreichische Textilien, zum anderen aber auch an den verhältnismäßig langen Lieferfristen, die die österreichische Textilindustrie durch ihre ausgelastete Beschäftigung für den heimischen Markt anbieten mußte.

Stark gefragt waren nach wie vor westdeutsche Erzeugnisse des gehobenen Bedarfs, also Schreibmaschinen, Photoapparate und Büroartikel. Aber auch deutsche Kraftfahrzeuge – vor allem Klein- und Mittelwagen – erfreuten sich einer konzentrierten Nachfrage. Übrigens wurde in Wien der Wunsch laut, die Internationale Automobilausstellung ab 1958 als selbständige Veranstaltung etwa im Mai durchzuführen.