Als sich Ende Januar 1951 für 32 Männer die Tore der Festung Landsberg geöffnet hatten, schritt auch Alfried Krupp von Bohlen und Halbach mit einigen seiner Direktoren durch die alliierte Torwache hinaus ins Freie. Als er zurückkam nach Essen, um wieder die Führung seiner Werke zu übernehmen, bestand Krupp praktisch nur noch aus seiner Konsumanstalt mit einer angehängten Bauklempnerei Fünf Jahre danach, am 22. März 1956, berichtet die Firma Fried. Krupp, Essen, über ihr Geschäftsjahr per 30. September 1955 in folgenden Zahlen: Umsätze 1,6 Mrd. DM, gegenüber 1,2 Mrd. DM i. V., davon 280 Mill. DM Export; 45 571 Mann Gesamtbelegschaft einschl. der Beteiligungen. Unter Hinzurechnung der entflochtenen Stahlwerke und Zechenbetriebe also, der Krupp-Holding Rheinhausen und der Zechen Hannibal und Constantin, beträgt die Gesamtbelegschaft 85 120 Menschen, der Umsatz 2,7 Mrd. DM. Die Erträge sind gegenüber dem Vorjahr höher. Die Lohn- und Gehaltssumme stieg auf 216 Mill. DM. Die Investitionen erreichten 70 (100) Mill. und wurden zu 28 Mill. aus Abschreibungen, zu 20 Mill. aus Anleihen und zu 24 Mill. aus Substanzverkäufen, und zwar aus dem Zwangsverkauf des Kruppschen Erzbesitzes finanziert.

Mit Ausnahme des Lokomotivbaues und der Krupp Kohlechemie in Wanne-Eickel – beides ist nicht rentabel – trugen alle Zweige des jetzigen Konzerns zum Gesamtertrag bei. Der Auftragsbestand war zu Beginn des auf das Kalenderjahr verlegten neuen Geschäftsjahres mit über 800 Mill. DM in der Größenordnung einer Jahresproduktion, wobei die AG Weser mit einem Auftragsbestand von 60 Schiffen und 660 000 tdw (Liefertermine bis 1959) einen ansehnlichen Anteil hat. Innerhalb des Gesamtumsatzes macht das ostzpnale Geschäft, das wegen des großen Standes von Krupp auf der Leipziger Messe zu vielfachen Versionen Anlaß gab, einen uninteressanten Bruchteil aus, nämlich 3,6 Mill. DM. Vom Umsatz der Handelsgesellschaften sind 70 v. H. Fremdumsatz. Die Konsumanstalt setzte mehr als 100 Mill. DM um.

Die erzwungene Trennung von Kohle und Stahl veranlaßte das Unternehmen auch weiterhin, seine Verarbeitungsbereiche zu festigen und auszudehnen. Der Krupp-Bereich umfaßt daher wieder ein Fertigungsprogramm von einer Vielseitigkeit, die ein hohes Maß von Krisenfestigkeit verspricht. Die wieder angelaufene Produktion von Dieselmotoren, die Herstellung von Maschinen für die Kunstfaserindustrie in Zusammenarbeit mit der Abteilung Chemiebau und der Lizenzbau von schweren Pressen für die Automobilindustrie gehören zu dieser Ausdehnung. 1956 werden neue Geschäftsstellen in Stuttgart, Freiburg, München, Nürnberg, Hannover und Bremen eröffnet, nachdem im vergangenen Jahr solche in Frankfurt, Mannheim und Hamburg entstanden waren.

Auf einer Pressekonferenz, die die Firma auf Villa Hügel gab und zu der alle namhaften Zeitungen und Zeitschriften des In- und Auslandes eingeladen waren, gab der Generalbevollmächtigte der Firma, Berthold Britz, eine Mitteilung über seine Besprechung in Washington mit dem Staatssekretär im US-States-Department, Robert Murphy, zum Thema Ausdehnung der amerikanischen Regierungshilfe bekannt. Er erklärte:

Als Ergänzung zu dem Hilfsprogramm der amerikanischen Regierung (Punkt IV) sollen nach dem Krupp-Vorschlag große Industrialisierungsprojekte nicht auf einer Spendenbasis, sondern als normales Handelsgeschäft durchgeführt werden. Hierbei liegt die Federführung nicht bei den Regierungen, sondern bei jeweils zu bildenden Konsortien von Privatfirmen, an denen beispielsweise amerikanische, britische, französische oder deutsche Firmen beteiligt sind. Zur Unterscheidung von den Hilfsmaßnahmen der US-Regierung wird der Vorschlag als "Punkt IV 1/2-Programm" bezeichnet.

Für die Durchführung von Großprojekten in industriell noch nicht entwickelten Ländern wird in der Praxis ein internationales Konsortium von Firmen gebildet, die über besondere Kenntnisse und Erfahrungen für das spezielle Projekt verfügen. Dieses Konsortium gewährt dem Auftraggeber langfristige Kredite, erhält aber andererseits die Möglichkeit der Refinanzierung bei privaten oder öffentlichen Finanzierungsinstituten, die sich auch international zu einem Konsortium zusammenschließen sollten. Es ist selbstverständlich, daß ein Teil des Risikos auch von dem ausführenden Konsortium getragen werden muß. Bei der Empfindlichkeit der sich neu entwickelnden Nationalstaaten erweckt eine direkte Hergabe von öffentlichen Mitteln erfahrungsgemäß Mißtrauen. Die Firma Krupp hat in den vergangenen Jahren immer wieder die Erfahrung gemacht, daß diese Staaten gern bereit sind, die Durchführung dieser Arbeiten den privaten Industrien zu übertragen. Die Reise des Herrn Alfried Krupp von Bohlen und Halbach bestärkte uns in dieser Auffassung.

Die Vorteile des Krupp-Vorschlages gegenüber den in den letzten Jahren durchgeführten Regierungsprogrammen lassen sich wie folgt zusammenfassen: