New York, im März

Sehr aufrichtig gibt sich der lange angekündigte und jetzt in New York mit gewaltigem Pressefanfarenlärm vorgeführte Film "Carousel" als eine Bearbeitung der Broadway-Bearbeitung von "Liliom" von Franz Molnar aus. Wobei nicht gesagt wird, wer verantwortlich ist für die völlige Tilgung der messerscharfen Molnarschen Ironie, der akazienduftenden Budapester Stadtwäldchenluft und der dämonisch jovialen "Pülchergestalten" mit ihrem Trauer- und Scheidegruß: "Servus, Liliom!" Als das Musical (das jetzt zum Film geworden ist) vor elf Jahren auf dem Broadway ein Long-Run-Hit war, staunte Molnar selbst über die atmosphärische Treffsicherheit der Verlegung seines Stückes an die dämmerungssanfte New-England – Küste und über das durchaus geglückte Husarenstück, auf lokal saubere, trocken naive, nüchtern temperamentvolle Art dennoch eine überzeugend volkhafte Legende vom edelherzigen "Rowdy" zu schaffen. Die Liedertexte Oskar Hammersteins und die melodisch turbulente, mitunter balladenhaft und wohldosiert rührselige Musik Richard Rodgers übernimmt der Film ganz – sind sie doch Ursache und Erklärung der Popularität, die hier filmisch konserviert werden sollte.

Dieser Film gibt in einer Hinsicht mehr als das Musical: mit etwa dreißig farbigen New-England – Hintergründen bietet er landschaftliche Schönheit von ergreifender Stimmung. Die Bilderfolge ist dabei manchmal verwirrend, die vehementen Tanzfuriosi vermengen die Feerie mit dem rüderen Unterwelts- und Hafenschmutzzauber, wobei Gesang und Pantomime das Filmtempo verlangsamen. In den vollen zwei Stunden Ablaufdauer steckt weit mehr Stimm- und Orchesterglanz als spannende Bewegung und visuelle Überraschung, ja es tritt von Zeit zu Zeit ein opernhaftes Verweilen auch der Bildeindrücke ein.

Der hübsche, junge Gordon Mac Rae in der Hauptrolle ist nun allerdings nicht Molnars sentimental roher Liliom, sondern der rauhe, aber herzensfaire "Boy" mit den breiten Schultern und der schlagfertigen, aber gerechten Faust. Und Shirley Jones ist das attractive girl, hier eine Baumwollfabrikarbeiterin, blond und herb bis in die glaubwürdig unnervösen Fingerspitzen. ,,Carousel" ist ein riesiges Volksvergnügen mit Hafen- und Schenkenromantik – kitschigem "gassenechtem" Liebesgeflüster. "Liliom im Exil" ist ein Gangster mit einem Marlitt-Herzen. Die umsichtig effektbedachtsame Regie hatte Henry King (20. Century-Fox). Ludwig Ullmann