Der Bundespräsident, der mit seiner tiefen, warmherzigen Stimme in der Sendung vom "Umgang mit rechtsradikalen Schriften" zur "Woche der Brüderlichkeit" zu hören war, sprach von "politischer Pornographie" und meinte jene recht realen Figuren, die heute in der Bundesrepublik an allen Ecken und Enden aus dem Mißvergnügen an manchen Einrichtungen und Personen des demokratischen Staates Kapital zu schlagen versuchen, indem sie die Parole ausstreuen, unter Hitler sei alles besser gewesen – oder, wie es in den zur letzten Frankfurter Buchmesse ausgestellten, dort allerdings durch eine Selbsthilfeaktion der übrigen Verleger entfernten posthumen Aufzeichnungen Alfred Rosenbergs heißt: "Der Nationalsozialismus war die edelste Idee des zwanzigsten Jahrhunderts."

Der Hörer erfuhr aus der Sendung, von der wir berichteten (sie stammte aus der Feature-Abteilung des Norddeutschen Rundfunks), daß heute in der Bundesrepublik an die 40 Blättchen solche "edlen Ideen" unter die Leute zu streuen versuchen. Er erfuhr auch, daß das Bundesinnenministerium auf eine Große Anfrage im Bundesrat hin vor Monaten eine Anzeige gegen den Rosenberg-Verleger auf Grund von Artikel 18 des Grundgesetzes, wegen Mißbrauch der Meinungsfreiheit, angekündigt, sie bis jetzt aber noch nicht erstattet hat ("gewiß aber demnächst erstatten wird", fügte der Kommentator hinzu). Wie ernst man diese unernsten Angriffe aus dem Hinterhalt zu nehmen habe, ist umstritten. Dem aufmerksamen Hörer mag hierzu der Vergleich mit der Hefe eingeleuchtet haben, die nichts ausrichtet, wenn der Teig kühl lagert, aber ihn bei Erhitzung (will sagen: bei einer wirtschaftlichen Krise) schnell "aufgehen" lassen kann. Eins wurde jedenfalls aus dem Feature, die man auch auf anderen Wellen senden sollte, unzweideutig klar: daß man die Öffentlichkeit gegen diese Wühlereien mobilisieren soll. Auch auf die Gefahr hin, daß, wie der Bundespräsident sagte, "ausländische Journalisten daraufhin wieder versuchen würden, ihre Incertitudes Allemandes an den Mann zu bringen".

Wir werden sehen:

Sonnabend, 31. März, 21.05 Uhr:

Ein bemerkenswertes Ereignis: Carl Orff hat die Uraufführung seines neuesten Werkes, des an mittelalterliche Mysterien anknüpfenden Osterspiels "Comedia de Christi Resurrectione" für Chöre, Soli, Schlag- und Zupfinstrumente, dem Fernsehen des Bayerischen Rundfunks überlassen, wo Gustav Rudolf Sellner es inszeniert.

Wir werden hören:

Donnerstag, 29. März, 20.40 Uhr aus Stuttgart: