Dr. Friedrich Flick, der jetzt 73jährige Seniorchef seines Montan- und Verarbeitungskonzerns, wartet mit einer neuen großzügigen Transaktion auf dem Kohle-Energie-Gebiet auf. Nachdem er auf Grund der Entflechtungsdiktate seinen Kohlenbesitz Harpener Bergbau AG an die französische Stahlgruppe Sidéctar und die Essener Steinkohlenbergwerke AG an Mannesmann verkauft hatte, stößt er numehr von seinem letzten 100-v. H.-Kohlenbesitz, nämlich von der zur Eisenwerk-Gesellschaft Maximilianshütte GmbH, Sulzbach-Rosenberg, gehörenden Monopol-Bergwerksgesellschaft den samten über eine sichere Majorität liegenden Aktienanteil an dem 40-Mill.-DM-Monopol-AK ab.

Hierbei handelt es sich jedoch nicht lediglich um eilen Verkauf zu einem Kurs, der im übrigen wegen der vorzüglichen Kohle von "Monopol" mit Sicherheit nicht beim derzeitigen Durchschnittskurs bekannter Zechenunternehmen (also etwa zwischen 150 und 180 v. H.), sondern wesentlich höher liegen dürfte, es ist vielmehr zugleich damit eine bemerkenswerte weitere Transaktion verbunden, deren Grundlage auf der Flickseite die verbleibende Kokssicherung für Maxhütte und Metallhüttenwerke, Lübeck, ferner der Abbau der bisher nicht geförderten bei "Monopol" liegenden etwa 150 Mill. t umfassenden Gaskohleflöze, sodann die Lieferung von Brechkoks an die Chemische Werke Kamen und die Lieferung von Kokskohle an die Großkokerei Nürnberg ist.

Käufer des Flick-Paketes ist zunächst die Stadt Nürnberg, und zwar die für diesen Zweck mit 36 Mill. DM Kapital neugebildete Fränkische Energie-Gesellschaft mbH, Nürnberg, in deren Besitz die Stadt Nürnberg ihr Mehrheitspaket an der Großkraftwerk PC gelegt hat und zu der nun noch das "Monopol"-Paket hinzukommt. Ferner wird in diese Gruppe die der Stadt Nürnberg gehörende Großkokerei Nürnberg einbezogen.

Die Kokerei Nürnberg liegt in der Nähe der Maxhütte. Sie kann nunmehr ihren bei der Gasproduktion anfallenden überschüssigen Grobkoks unmittelbar nach dort absetzen und ihre Ausbaupläne zur Sicherung der Kohlenbasis durchführen. Das Großkraftwerk Franken (worin übrigens die Siemens-Gruppe mit 26 v. H. beteiligt ist) erhält die Gaskohle von "Monopol" und vermag ebenfalls daraufhin den notwendigen Kapazitätsausbau zur Sicherung des ständig wachsenden Strombedarfs abwickeln.

Die Fränkische Energie-GmbH dürfte zur Bezahlung des Kaufpreises eine Refinanzierung vermutlich in der privaten Wirtschaft (z. B. Allianz) suchen, um den gemischtwirtschaftlichen Charakter zu verstärken. Flick wird, sofern wir die Entwicklung richtig beurteilen, die Kaufsumme zur Verstärkung seiner innerdeutschen Interessen in der Verarbeitung, also sozusagen zur Absatzsicherurg für die Maxhütten-Produktion einsetzen.

Zu dieser Transaktion gab Flick folgendes Kommuniqué heraus: "Die Fränkische Energie-GmbH, Nürnberg, in deren Besitz sich die Mehrheit der Großkraftwerk Franken AG befindet, hat eine Beteiligung an der "Monopol-Bergwerks AG, Kamen, erworben. Die Interessennahire der Fränkischen Energie-Gesellschaft an "Monopol" ermöglicht es, an den zusätzlichen Abbau der im Nordölfeld von "Monopol" anstehenden bedeutenden Gas-Kohlen-Vorräte heranzugehen und durch den Verbrauch größerer Rohgas-Kohlen-Mengen beim Großkraftwerk Mannheim eine beachtliche Förderungssteigerung um 20 bis 30 v. H. der "Monopol"-Anlagen durchzuführen. Die hierfür erforderlichen Investitions- und Ausbauprogramme sind bereits ausgearbeitet und werden bald anlaufen. Die Koksversorgung der Maxhütte wird aus der bisherigen Förderung und Koksproduktion von "Monopol" weiterlaufen. Von den Beteiligten wird angestrebt, den Grobkoksanfall der Nürnberger Gaswerke für Verhüttungszwecke der Maxhütte verfügbar zu machen und eventuell freiwerdende Koksmengen von "Monopol" den ihr benachbarten Fischer-Tropsch-Werken zur Verfügung zu stellen. Man verspricht sich von diesen Maßnahmen neben dem Ausbau der "Monopol"-Zechen insbesondere auch einen volkswirtschaftlich vernünftigen mehrseitigen Verbund, der u. a. Frachtersparnis mit sich bringt." Rei.