Nach dem auch in Deutschland aufgeführten Schauspiel "Picknick" von William Inge hat der Broadway-Regisseur Joshua Logan, so eine Art Reinhardt des Musicals, diese amerikanische Tschechowiade von den Kleinstadtfrauen, die durch ein charmantes Raubtier von Mann außer Rand und Band geraten, in Cinemascope inszeniert. Das ist heikel bei Stücken, die so auf Kammerton abgestellt sind wie dieses. Und so ist denn auch das Picknick selbst, das im Schauspiel nur ein vielbesprochenes Hintergrundereignis bleibt, im Film der wesentliche Teil geworden, in dem der Regisseur alle Register zieht. Jenes Volksfest am "Tag der Arbeit" mit Flußromantik, Mondscheinzauber, Rummelplatztaumel und gigantischem Sandwich- und Coca-Cola-Verbrauch in den Präriegefilden von Kansas wird im Film in Bildern geschildert, die das Getreideparadies als Landschafts wunder entdecken. Der Regisseur zaubert eine knappe halbe Stunde geballter Atmosphäre auf die Breitwand mit reichen optischen Einfällen, die sich an die Grenze des Parodistischen wagen. Das gilt einmal für den haargenauen Schnitt – er wurde soeben verdienterweise in Hollywood mit einem "Oskar" ausgezeichnet –, dessen Rhythmus an das Formgefühl großer Schriftsteller erinnert. Das gilt für die raffinierte Verwendung des Tons. Das trifft zu für die nuancierten und ausgeklügelten Farbkompositionen, die oft von atemraubenden Überblendungen abgelöst werden.

Erstaunlich aber, zu welchem Zweck Logan diesen Aufwand an Mitteln anwendet. Fängt er zunächst nur ganz verspielt die Stimmung seines Volksfestes ein, mit Sackhüpfen, rührend unbeholfen Lieder schmetternden Vereinssängern, sich gewichtig gebenden Rednern, ballonaufblasenden Omas und quäkenden Babys, so zieht er allmählich die Schlinge um den dramatischen Knalleffekt, der Begegnung des Mädchens (Kim Nowak, eine blondschimmernde Neuentdeckung), das eben zur Festkönigin gekürt wurde, mit dem hergelaufenen Mann (William Holden). Wie da beide zögern, aber unwiderstehlich voneinander angezogen werden, wie sie sich im Takt der Musik zu wiegen beginnen, beide aufeinander zugehen – das ist von einer geradezu knisternden, aber nie schwülen Erotik, wie man ihr, so künstlerisch durchgeformt, nicht eben oft auf der Leinwand begegnet. U/E.