Dem Wochenbericht über die Weltrohstoffmärkte der Hamburger Kreditbank A. G., dem Nachfolge-Institut der Dresdner Bank in Norddeutschland, entnommen.

Während der Berichtswoche trat bei den Getreidepreisen überwiegend eine Festigung ein, Auch die Wollnotierungen lagen höher, was nicht zuletzt auf die feste Tendenz an den Ursprungsmärkten zurückzuführen sein dürfte; Schwächer tendierten dagegen weiterhin Kaffee und Kakao, obwohl ein Teil der Preisverluste gegen Wochenschluß durch die brasilianische Erklärung über eine Vertagung der Devisenreform wieder hereingebracht wurde. Kautschuk gab gleichfalls nach.

Von den 32 notierten Welthandelsgütern wiesen 13 eine leicht steigende bzw. steigende und 15 eine leicht schwächere bis stark schwächere Tendenz auf. Die Preise von vier der notierten Waren waren konstant.

Getreide: Die Geschäftstätigkeit auf den Märkten für US-amerikanische Ägrarerzeugnisse stand während der Berichtswoche unter dem Einfluß der Ungewißheit über die künftige US-Agrarpolitik. Entgegen den Zielen des US-Präsidenten und seines Landwirtschaftsministers versuchen die Farmer eine starre Preisstützung zu 90 v. H. der Parität durchzusetzen. So hat zum Beispiel der US-Senat einen Zusatzantrag zum Agrargesetz gebilligt, der das "Einfrieren" beträchtlicher Weizen-, Mais- und Baumwollmengen vor der Berechnung der neuen Stützungspreise vorsieht. Bei Weizen sollen danach zwischen 750 und 800 Mill. bushel gegenüber bisher 400 bis 500 Mill. bushel eingefroren werden. Dies würde praktisch zu einer Heraufsetzung der Stützungspreise im Rahmen der flexiblen Preisstützung führen, die auf einer Gegenüberstellung von Versorgung und Bedarf beruht. Der US-Landwirtschaftsminister hatte für Weizen in 1956 eine Preisstützung von 76 v. H. des Paritätspreises oder 1,81 $ je bu festgesetzt. Unter Berücksichtigung der verschiedenen Entscheidungen des US-Senats würde sich der Stützungspreis für Weizen im Jahre 1956 nach inoffiziellen US-Angaben auf 2,13 $ je bu oder 85 v. H. der Parität belaufen.

Weizen: Sowohl am Chikagoer Termin- als auch am New Yorker Locomarkt konnten sich die Weizenpreise z. T. erheblich festigen. Geringe Anlieferungen sowie eine allgemein angespannte Versorgungslage infolge der hohen Beanspruchung der Beleihung am Chikagoer Markt wirkten als tendenzstützende Faktoren. Außerdem nahmen die Baissiers Deckungen und Anschaffungen vor, da die Exportaussichten günstig beurteilt wurden. – Die kanadischen Weizenexporte im Zeitraum August 1955 bis Januar 1956 erreichten nur 97,1 Mill. bü und lagen damit 17,6 Mill. bu unter dem Exportergebnis des gleichen Zeitraumes 1954/55. Auch die Weizenmehlausfuhr war rückläufig. Osteuropäische Länder sollen umfangreiche Weizenkäufe in Kanada getätigt haben.

Hafer und Gerste: Die Internationale Vereinigung Landwirtschaftlicher Erzeuger erwartet für das Jahr 1955/56 eine Rekordernte an Hafer und Gerste in der Welt, und zwar 2,88 Mrd. bu Gerste und 4,45 Mrd. bu Hafer.

Öle und Fette: Auf den US-amerikanischen Märkten für pflanzliche Die konnten die Notierungen ihren Vorwochenstand nicht behaupten, da sich die Nachfrage verringert hat. Dagegen zogen die Leinsaatnotierungen an, auch Kopra in London tendierte fester. Ein besseres Kaufinteresse der Exporteure rief am New Yorker Schmalzmarkt einen stetigeren Grundton, verbunden mit einem Preisanstieg, hervor.