DIE ZEIT

Krieg und Frieden

Während die vier Außenminister im November vorigen Jahres in Genf über Sicherheit, Abrüstung und Ost-West-Kontakte berieten, wurde in Sowjetrußland die erste Wasserstoffbombe von einem Flugzeug abgeworfen – eine Tatsache, die Chruschtschow jetzt stolz und drohend seinen englischen Gastgebern verkündete.

Auf ein Wort, Herr Grotewohl...

Neuerdings sprechen die Kommunisten wieder viel und laut von ihrer Verbundenheit mit den sozialistischen „Brüdern“. Als aber die Führung der englischen Arbeiterpartei Chruschtschow neulich eine Liste mit 150 Namen inhaftierter Sozialisten überreichen wollte, weigerte sich der Chef der kommunistischen Partei, sie auch nur anzunehmen.

Hessen für FDP oder FVP?

Die von den 16 aus der FDP-Bundestagsfraktion ausgeschiedenen Abgeordneten gegründete „Freie Volkspartei“ – bisher ein Generalstab ohne Armee – konnte in der oberhessischen Kreisstadt Alsfeld ihren ersten Stoßtrupp anwerben: Am 25.

Vier um Adenauer

Das Ansehen und die Machtstellung Konrad Adenauers in der CDU sind unerschütterlich. Als der Kanzler auf dem Parteitag in Stuttgart die Absicht bekanntgab, auf seinem Posten zu bleiben ("solange mir Gott die Frische und die Kraft läßt"), fand er so einhellige und große Zustimmung, daß sich schon hierin die spätere einstimmige Wiederwahl ankündigte.

Bonn: das Verhängnis des Provisoriums

In einem Bande der Lebenserinnerungen des Reichskanzlers Bernhard v. Bülow findet sich ein Photo, das mancher heute mit besonderem Interesse anschauen mag: Auf der großen Rasenfläche des Hofgartens vor der Bonner Universität sieht man das Husarenregiment, in dem der junge Bernhard seinen militärischen Pflichten Genüge getan hatte, im weiten Karree, Eskadron neben Eskadron, zu einer großen Revue angetreten.

ZEITSPIEGEL

Der Sekretär der Kommunistischen Partei des Gebiets von Gori, dem Geburtsort Stalins, erklärte vor ausländischen Korrespondenten, die Regierung der Republik von Georgien habe beschlossen, 800 000 Rubel für ein Stalinmuseum auszugeben.

Auszug aus Cannes

Da hätten wir also unser internationales Filmskandälchen! Die deutsche Delegation hat Cannes, den Ort der Festspiele, verlassen.

Hans Constantin Paulssen

Ein Fremder, der diesem eher zierlichen, mittelgroßen Herrn mit den lebhaften Bewegungen beim Skilaufen oder bei einem Spaziergang begegnete, würde ihn, dessen Sprache weder die thüringische Heimat noch die badische Wahlheimat verrät, wahrscheinlich für einen hohen Ministerialbeamten halten.

Wehrdienst als Beruf oder Pflicht

Zum Thema „Wehrpflicht oder Berufsheer" nehmen in den beiden folgenden Aufsätzen zwei Mitglieder unserer Redaktion in scharf gegensätzlicher Weise Stellung.

Die Gefahr der Abkapselung

André Maurois, im ersten Weltkrieg Verbindungsoffizier zu britischen Verbänden in Frankreich, hat uns in einer seiner Erzählungen den denkwürdigen Ausspruch eines altgedienten Sergeant der englischen Garde überliefert: „Wenn dieser Sch.

Krebsschaden der Zivilisation

Es scheint, daß die Argumente für die allgemeine Wehrpflicht in der öffentlichen Debatte das Rennen machen, genauso wie die Schildkröte in Zenons berühmtem Gleichnis das Rennen gegen Achilles macht.

Das Kabinett der NATO

Daß die NATO ein ziviles Führungsgremium besitzt, das der militärischen Spitze an Bedeutung nicht nachsteht, pflegt allgemein nicht bedacht zu werden.

Eingebung tut’s nicht

In der Ausgabe der ZEIT vom 25. d. M. ist unter dem Titel „Wehrpflicht oder Berufsheer?“ der Vorschlag gemacht worden, zur Vorbereitung der parlamentarischen Entscheidung dieser Frage eine besondere Kommission zu berufen, die ähnlich der britischen „royal commission“ sowohl von der Regierung wie von den Parteien unabhängig ist.

Vorschlag der SPD

Die begrüßenswerte Anregung der ZEIT, eine Art royal commission einzusetzen, die das geeignetste deutsche Sicherheitssystem ermitteln und das von der Bundesregierung vorgeschlagene System überprüfen soll, deckt sich mit einem sozialdemokratischen Vorschlag, der anläßlich der dritten Beratung über das Freiwilligengesetz bereits am 16.

Der Anfang vom Anfang

Keine Platitüde fehlte in dem amtlichen Schlußkommuniqué, mit dem die Sowjetführer aus London verabschiedet wurden: Von Hoffen und Wünschen und guten Absichten war sehr viel die Rede; von Entschlüssen, Plänen, Verpflichtungen überhaupt nicht.

In Humboldts Namen

Immerhin wird in der Bundesrepublik für die Forschung einiges ausgegeben....................................................

Kunst in Emaille

nicht bestimmbar, sind die Eigenart des Emails; nie weiß der Künstler, wie am Ende der Gegenstand aussehen wird, den er dem Brennofen übergab.

Ein temperamentvoller Maler

Die interessanten Kunstausstellungen Berlins muß man oft im Villenvorort Zehlendorf suchen. Dort waltet Dr. Skutsch im „Haus am Waldsee“ seines Amtes.

Deutsche Kunst in London

Muß man nach London reisen, um das zu sehen, was dort jetzt (bis zum 10. Juni) in vorbildlicher Auswahl gezeigt wird: die deutsche Malerei der letzten hundert Jahre? Es soll Alfred Hentzen, dem Direktor der Hamburger Kunsthalle, bestätigt werden, daß er etwas geleistet hat, was ihm heute so leicht kein anderer würde nachmachen können, die überzeugende Demonstration der Kunst einer Epoche, die dadurch auch für uns zu festerem innerem Vorstellungsbesitz zu werden vermag.

Notizen

Abraham kam zurück. Der unvergessene ungarische Operettenkomponist Paul, Abraham, der seit 1946 in einer New Yorker Nervenheilanstalt lebte, kehrte jetzt – wie schon seit langem angekündigt – nach Deutschland zurück und wird in eine Hamburger Nervenklinik aufgenommen werden.

Überschätzt

Die Poesie ist Genauigkeit, Zahl. Die meisten Leute hingegen finden die Ungenauigkeit poetisch, romanhaft. Die Menge schwärmt für das Ungenaue, das sich den Anschein der Wahrscheinlichkeit zu geben versteht.

Kunst im Singular

Dein Wissen teilest du mit vorgezognen Geistern – die Kunst, o Mensch, hast du allein.“ So selbstverständlich es noch bis vor wenigen Jahren war, diesen Anruf Schillers an „Die Künstler“ als die gültige Ortsbestimmung des Menschen im Weltall zu betrachten, so wenig selbstverständlich war es vor der Zeit Schillers gewesen, und so wenig selbstverständlich, vermuten wir, wird es im Jahre 2000 sein.

Zweimal Heldenzertrümmerung

Daß die meisten Tatmenschen der Weltgeschichte keine sanften Heiligen und ebensowenig bescheidene Kleinbürger gewesen sind, sondern in sehr kontrastreichen und nicht immer tugendlichen Farben schillerten, gehört seit der Antike zu den Binsenwahrheiten.

Meditationen über das Wort

Es ist leicht, den Verfall der Sprache in unserer Zeit zu diagnostizieren, leicht auch, die Klage darüber ästhetisch zu begründen.

Bremen: Verkehrschronik einer deutschen Stadt

Alle 70 Stunden bleibt auf Bremens Straßen ein Toter liegen – überfahren. Alle zwei Stunden und zehn Minuten fahren Ambulanzwagen einen Unfallverletzten in das nächste Krankenhaus, aus dem er nicht selten als Krüppel auf Lebenszeit wieder herauskommt.

Stenosprache der Behörden

Sollte man zufällig in einer behördlichen Akte die Abkürzung HO lesen, dann darf man nicht gleich prokommunistische Umtriebe innerhalb der bundesrepublikanischen Behörden wittern, sondern man schlage ohne Hast das AKV – in Langschrift: Abkürzungs-Verzeichnis – auf, das jetzt vom Präsidenten des niedersächsischen Verwaltungsbezirks Braunschweig herausgegeben wurde.

Rheinland’-Pfalz: Wein- und Biertrinker

Nur 7,6 Prozent der Stimmberechtigten haben sich im Regierungsbezirk Pfalz in die Listen des Volksbegehrens eingetragen, mit dem der Wiederanschluß des Bezirks an das Land Bayern gefordert wurde.

Bayern: Beschossene Schützen

Es war im Jahre 1938. Die Beauftragten des Wehrkreiskommandos XIII besichtigten das Gelände des Schützenvereins in Passau-Grubweg, prüften das zweistöckige Gebäude, betrachteten den anliegenden Schießstand und fanden, daß der Platz für ein Heeresversorgungslager geeignet sei.

Kalter Kühlschrankkrieg

Ein Kühlschrank, seit vier Wochen kaputt und nicht zu benutzen, ist der Anlaß zu dem jüngsten Berliner Ost-West-Geplänkel, das bereits die Ebene der alliierten Behörden erreicht.

Baden-Württemberg: Reime auf Karsch

Landgerichtsdirektor Dr. Joachim Reschke trug seine Entscheidung in einer Beleidigungsklage in Versen vor. Zwei Frauen hatten sich gegenseitig mit dem bekanntesten Zitat aus Goethes „Götz von Berlichingen“ bedacht.

Funk für Anspruchsvolle: Ferngesehene Superschnulzen

Aufmerksamen Zuschauern der Sendung „Melodie der Welt“, die als „Übertragung eines öffentlichen Konzerts aus der Ostseehalle in Kiel“ angekündigt war, fiel auf, daß die Stücke einander ähnlich sind wie ein Ei dem anderen (sogar noch etwas ähnlicher), diese mit immer der gleichen Harmonik arbeitenden, mit Parfüm übergossenen Liebes-, Frühlings- und Paris-Liedchen.

Die verbotene Zone

Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, deckt man ihn zu.“ An dieses Sprichwort fühlt man sich erinnert, wenn man immer wieder von den vielfältigen Bemühungen liest, wirksamere Mittel als bisher zu finden, um die Jugend vor den Einflüssen „ungeeigneter“ Filme zu schützen.

Angenehmes aus der Schweiz

Der Deutsche, der in die Schweiz reist, ist auf viele Annehmlichkeiten gefaßt. Worüber ich staunte, das waren also weniger die Straßen, die besser sind als die Eisenbahnen, auch nicht die wahrhaft gastlichen Hotels, in denen man Besucher empfängt, als ob sie kein Schwemmsand des Fremdenverkehrs wären.

Würzburg behielt sein Gesicht

Die Würzburger freuen sich darüber, daß Besucher von nah und fern wieder ihre Stadt besichtigen und bewundern kommen. Die Straßen sind nach dem Wiederaufbau der Stadt breit genug, um dem starken Verkehr von auswärts gerecht zu werden.

Sieben Weiße Inseln

Nicht nur in den Sommermonaten ist die Kette der ostfriesischen Inseln ein Eldorado für alle Freunde einer sonnenreichen Kur.

Jetzt in Bayern anmelden

Jetzt in Bayern anmelden. „Reiseziel München – Oberbayern“, so nennt sich eine neue Zeitschrift, die der Süddeutsche Verlag dem meistbesuchten deutschen Fremdenverkehrsland gewidmet hat.

„Der deutsche Tourist in Holland Nr.1“

„Der deutsche Tourist in Holland, Nr. 1“. Eine Holland-Illustrierte, die die menschlichen und touristischen Beziehungen zwischen Holländern und Deutschen fördern soll, ist im TOUR-Verlag, Franz Stitzel, Karlsruhe, erschienen.

Unterkunft im Harz

Unterkunft im Harz. Das neue Unterkunfts-Verzeichnis Harz 1956 enthält neben Beschreibungen der klimatischen und landschaftlichen Vorzüge des Harzes eine Übersicht über die Höhenlage der Kur- und Erholungsorte und Auskünfte über Hotels und Pensionen.

Neue Höhlen in Segeberg

Alljährlich öffnet Mitte April die kleine malerische Stadt, einer der reizvollsten Punkte des Holsteiner Flachlandes, Bad Segeberg, seinen Besuchern freundlich ihre Pforten.

Notizen für Reisende

Mittelpunkt in Kampen. Das Bad auf der Heidehochfläche der Insel Sylt hatte keinen richtigen Ortsmittelpunkt. Nun wurde ein Haus im Stil der Friesenhäuser errichtet, das alle Räume enthält, die ein Seebadegast zu finden wünscht: Aufenthaltsraum, Lesezimmer, Raum für Meerwassertrinkkur, Läden und eine Gaststätte.

Polizei im Milchladen

In einer Großaktion der Staatsanwaltschaft wurden am 24. April in München schlagartig Milchläden und Molkereibetriebe von der Polizei überprüft.

Poujade an der Spree

Der Westberliner Gesamtverband des Einzelhandels war arglos genug, nach vier gelungenen Vorläufern zu einem fünften „Forum des Einzelhandels“ einzuladen, diesmal unter dem Thema „Braucht der Einzelhandel einen Poujade?“ Arglos, weil man offenbar von der Namensnennung des französischen Steuerrebellen nur eine gewisse propagandistische Wirkung, nicht aber eine geradezu rattenfängerische Zugkraft erwartet hatte.

Prügelknabe Bundesbahn

Die Nachkriegsgeschichte der Deutschen Bundesbahn hat zu zwei völlig gegensätzlichen Ergebnissen geführt: Auf der einen Seite steht das grüne Licht mit den Wiederaufbau- und Modernisierungserfolgen auf technischem Gebiet, die dem Wort von der „Renaissance der Bundesbahn“ die Berechtigung geben; auf der anderen Seite aber steht das rote Stopplicht als Gefahrensignal für die nach wie vor angespannte Liquiditätslage.

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