Dd., Koblenz

Vier Motormeißel zerbrachen den Arbeitern, die mit dem Aushub von Erde unter dem Bürgersteig des Hauses Marktstraße Nr. 1 in Koblenz beschäftigt waren: sie waren auf einen ansehnlichen Basaltblock und ein in ihn eingelassenes, 7,5 kg schweres Eisenstück gestoßen. In die Diskussion der Arbeiter darüber, ob man das Metallstück bei einem Althändler zu Geld machen solle, schaltete sich noch rechtzeitig der Beauftragte der Staatlichen Bodendenkmalpflege Victor Jacobs ein. Er hatte mit neuen römischen Funden bei den Straßenaufbrüchen in der Marktstraße schon gerechnet.

Der viereckige Eisenwürfel, der in den konisch behauenen Basaltblock eingelassen war, zeigt in der Mitte ein Zapfenloch. Der Eisenwürfel war noch mit einem Schieferblättchen unterlegt, anscheinend, um eine genau lotrechte Führung des Zapfenloches zu erreichen. Das Tor, das sich über diesem Zapfen drehte, muß ein gewaltiges Gewicht gehabt haben. Darauf deutet ein etwa 2,40 Meter starker Mauerzug quer zur Marktstraße, auf dem anscheinend die ganze Toranlage ruhte.

Man hatte ein solches Tor in der römischen Stadtmauer von Koblenz etwa dreißig Meter nördlich von der Stelle vermutet, an der jetzt tatsächlich die Reste gefunden wurden. Die alte Stadt Confluentes war vermutlich erst im 4. Jahrhundert mit einer festen Mauer umgeben worden. Die meisten Städte im römischen Germanien wurden damals gegen die von Osten anstürmenden Germanenstämme befestigt. Der Umfang von Confuentes scheint etwa dem des mittelalterlichen Koblenz entsprochen zu haben, dessen südöstliche Begrenzung, die Straße "Altengraben", dem römischen "fossa antiqua" ungefähr gefolgt sein mag. Durch das alte Stadttor an der Marktstraße mag auch der Poet Ausonius geschritten sein, der uns aus dem vierten nachchristlichen Jahrhundert das Büchlein "Mosella" hinterlassen hat, in dem er die Reize der Mosel beschreibt, die die Römer im Gegensatz zum Neckar niemals zu kanalisieren versucht haben...