DIE ZEIT

Dönitz und Dobberstein

In der Rubrik "Briefe an die ZEIT" findet der Leser heute ein neues Schreiben des Korvettenkapitäns a. D. Dobberstein, der – wie er meint – kürzlich aus dem Dienst deshalb entlassen wurde, weil er sich gegen Dönitz ausgesprochen hatte.

Die fünfte Besatzungsmacht

Die Anwesenheit russischer Truppen in Brandenburg, Thüringen und Sachsen, die Verwandlung der Heimatstadt Kants in eine russische Flottenstation und nicht zuletzt die völlige Unterwerfung Polens unter den Willen Moskaus konnten vorübergehend den Eindruck erwecken, Rußland, nicht Polen, sei Deutschlands östlicher Nachbar.

Der Geist und die Kraft

Heinrich Scholz, den Lesern unserer Zeitung seit langem bekannt durch ebenso tiefgründige wie bestechend formulierte Meditationen zu kirchlichen Festtagen, ist ein mathematischer Logistiker von Rang.

Tyrann wider Willen

Liberale in aller Welt vertreten die Ansicht, daß die Zypernpolitik der britischen Regierung falsch ist – um es milde auszudrücken.

ZEITSPIEGEL

Ein Bericht über die gegenwärtige politische Lage wurde von einem Journalisten an zehn Zeitungen geschickt. Neun schickten ihm den Bericht wieder zurück.

Nach den Saarwahlen

Alle Parteiführer des Saargebiets – von Dr. Heinrich Schneider bis Johannes Hoffmann – müssen in diesen Tagen Siegesfeiern veranstaltet haben, wenn man ihren Kommentaren zum Ausgang der saarländischen Kommunalwahlen vom letzten Sonntag Glauben schenken darf.

KZ’s unpraktisch

Die nichtkommunistische Welt hat die sowjetischen Zwangs-, Straf- und Todeslager bisher zu sehr unter dem Gesichtswinkel Verbrechen gegen die Menschlichkeit gesehen und zu wenig unter dem Gesichtswinkel der Unvernunft.

Churchill war kein Festredner

Auch der 81jährige Churchill hat noch Überraschungen für seine Zeitgenossen bereit. Er läßt sich nicht in die Routineformeln eines Festredners pressen und zum lebenden Denkmal seiner Taten von gestern machen.

Ein unauffälliger Mensch

Herr Kormoran galt als ein stiller, bescheidener Mensch, dessen Tun und Lassen niemand auffiel. Er erfreute sich lange Jahre dieser Nichtbeachtung durch seine Mitmenschen in so ungetrübter Weise, daß es ihm gelang, einen stillen, bescheidenen Betrieb aufzubauen und geräuschlos zu erweitern, ohne daß jemand daran etwas Bemerkenswertes gefunden hätte.

Der "neurotische" Sigmund Freud

Zu Sigmund Freuds 100. Geburtsag, dessen auch in unserer Zeitung gedacht wurde (siehe DIE ZEIT, Nr. 17), ist jetzt der Nachtrag eines Wiener Professors geliefert worden, der vielleicht bedingungslose Anhänger des großen Wiener Nervenarztes verärgern mag, der aber im Interesse exakter biographischer Forschung nicht unterdrückt werden sollte.

Neue Form aus Dänemark

In Dänemark, wo es nur wenige ganz reiche, aber auch nur wenige ganz arme Menschen gibt, dafür aber einen sehr breiten, ebenso kaufkräftigen wie kauflustigen Mittelstand, hat die Wohnkultur wie kaum anderswo alle Lebensgebiete ergriffen und einen Höchststand an Qualität und zweckmäßiger Schönheit erreicht.

Ein großer Maler

Etwa zur gleichen Zeit wie die große Picasso-Ausstellung ist das Werk eines anderen Pariser Malers – sehr viel stiller freilich, ohne jene gewaltige öffentliche Resonanz, ohne erregte Diskussionen und Besucherrekorde–durch einige deutsche Städte gewandert.

Strindberg noch nicht veraltet

Kalendarisch ist der Winter längst vorbei; klimatisch wird er immer noch einmal wieder rückfällig; kulturbetrieblich, spielzeitlich, saisonmäßig, oder wie man es sonst ausdrücken will, nähert er sich erst allmählich seinem Ausklang; der richtige Moment für Rückblick und Ausblick.

Ludwig Thormaehlen †

Seinen scharfgeschnittenen, großartig männlichen Kopf wird keiner vergessen, der ihn kannte. Er war ein ungewöhnlicher Mensch von bedeutenden Anlagen und vielseitigen Gaben, vieles Wesentliche im deutschen Kunstleben bewirkend, für manche Freunde fast ein Orakel und immer von einer vorbildlichen, selbstbewußten Haltung auch in schweren Schlägen, seines an Enttäuschungen reichen Lebens.

Notizen

Die Kraft des Gebets. Auf einem medizinischen Symposion, das unter dem Vorsitz des Papstes Pius XII. und auf dessen Einladung im Vatikan stattfand, versuchte der amerikanische Professor White, der Herzspezialist Präsident Eisenhowers, nachzuweisen, daß die Unfähigkeit moderner Menschen, von der Kraft des Gebets Gebrauch zu machen, in hohem Maße zur Vermehrung der Herzkrankheiten beigetragen habe.

Adieu, Miss Fink

Dies ist ein reizendes Buch. Über die ersten zehn Seiten war ich entzückt, über die nächsten zwanzig schmunzelte ich, dann breitete sich jene milde Duldung in mir aus, mit der ich Geschichten der Großtanten aus ihrer Jugend in der wohlbehüteten Familie, im Kleinstädtchen von einst anzuhören pflege.

Magier, Dämonen und Kobolde

Ist es fruchtbar, ja, ist es auch nur legitim, heute die Welt der materialistisch orientierten Mystik, die der Magie, des Okkultismus, des "Mysterienkrams", wie Bachofen abschätzig sagte, literarisch aufleben zu lassen? Man wird darüber streiten dürfen, auch wenn man mit Justus von Liebig weiß, daß "die lebhafteste Einbildungskraft, der schärfste Verstand nicht fähig ist, einen Gedanken zu ersinnen, welcher" vermögend gewesen wäre, mächtiger und nachhaltiger auf den Geist und die Kräfte der Menschen einzuwirken, als die Idee des Steins der Weisen".

Weisenborns schiefer Blick

Welcher Sportler ist mehr zu bewundern: einer, der die simple Grätsche übers Pferd vorbildlich zeigt, oder einer, der bei der Riesenwelle am Hochreck abstürzt? Mir ist der Mann, der seine Kür in Übereinstimmung mit seinen Kräften hält, der vielleicht sogar ein bißchen untertreibt, lieber.

Jean Giono und der Fall Dominici

Noch für dieses Jahr steht die Wiederaufnahme eines Prozesses bevor, der einen der grausamsten und zugleich unheimlichsten Mordfälle der Kriminalistik behandelt; noch in diesem Jahr wird Gaston Dominici wieder vor seine Richter treten.

Teures Moskau

Wer Gelegenheit hat, sich mit Schriftstellern aus der Sowjetzone zu unterhalten, kann immer wieder hören, daß man es "drüben" als besonders drückend empfindet, nicht auch einmal ins Ausland reisen zu können.

Das Vermächtnis des Bildhauers

Als Edwin Scharff im Mai 1955 so jäh abberufen wurde, lag der Plan zu diesem Buch, das erstmals eine Gesamtdarstellung des Werkes dieses Bildhauers gibt, schon bis in Einzelheiten fest.

Die großen Namen

die großen Namen und die bedeutenden Deutschen ausgewählt hat. Zwar ist die alphabetische Anordnung der achtundvierzig Kapitel einleuchtend genug, doch reicht die durch sie bedingte reizvolle Reihenfolge – zum Beispiel: Buber, Caracciola, Carossa, Dehler, Dibelius, Domagk, Dorsch – nicht zur Beantwortung der Frage aus, unter welchem Gesichtspunkt – abgesehen von dem Umstand, daß der Autor ihnen begegnet ist – das Prädikat "bedeutend" erteilt wurde.

Sachsen: Dresdens 750-Jahr-Feier

Die Bauarbeiten an der Gemäldegalerie sind planmäßig vorangegangen. Ab Mitte Mai sollen die Bilder gehangen werden. Es scheint, daß die Eröffnung tatsächlich termingemäß am 3.

Agenten unter sich

Ein des Menschenraubs an einem Ostzonenflüchtling dringend verdächtiger russischer Major wurde von der Westberliner Polizei festgenommen, gemäß den alliierten Bestimmungen an die britischen Behörden übergeben und von diesen "der in Berlin feststehenden Praxis entsprechend" (wie von britischer Seite hierzu dem Senat mitgeteilt wurde) der russischen Besatzungsmacht "ausgeliefert".

Teufelsaustreibung

Höher als der Kreuzberg, mit Sechsundsechzig Metern bisher Berlins höchste Erhebung, ist der neue Trümmerberg am Teufelssee, der neue Aussichts- und Promenadenberg an der Heerstraße.

Bayern: Elektronenrechnen

Die Beantwortung dieser Frage, die nur mit Hilfe komplizierter Rechnungen möglich ist, hätte einen ganzen Stab von Fachleuten wochenlang beschäftigt.

Der Bus ist da – aber die 42 ist weg

Angenommen, es suchte jemand ein Beispiel für die nicht ganz seltene Ansicht, nach der die Bürokratie ihren Mitmenschen das Leben schwerer macht, als es sein muß – er brauchte nur vom Hamburger Zentralomnibusbahnhof (ZOB) nach Heimfeld am Rande der Harburger Haake zu fahren.

Rheinland-Pfalz: Das Tor zum alten Koblenz ist gefunden

Vier Motormeißel zerbrachen den Arbeitern, die mit dem Aushub von Erde unter dem Bürgersteig des Hauses Marktstraße Nr. 1 in Koblenz beschäftigt waren: sie waren auf einen ansehnlichen Basaltblock und ein in ihn eingelassenes, 7,5 kg schweres Eisenstück gestoßen.

Das ist Honig ...

Das geht wirklich wie Honig ein, in die oft so erregte Debatte zum Thema Vorteile und Nachteile der marktwirtschaftlichen Entwicklung! Die wirtschaftliche Argumentation der Unternehmerseite ist ja nicht gerade mit Ehrlichkeit übersättigt, wenn es sich um die Begründung von Preiserhöhungen handelt.

Eine zornige Rede

Die zornige Rede, die der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Selbständiger Unternehmer, Alfred Fr. Flender, in der vergangenen Woche auf der Jahresversammlung der ASU gehalten hat, wird man sich in Bonn wohl nicht gerade hinter den Spiegel stecken.

Kalte Schulter für Erpresser

Mit Beginn dieses Monats hat die Regierung der Sowjetzone ein "Gesetz über Devisenverkehr und Devisenkontrolle" in Kraft gesetzt, wie es unter gesitteten Wirtschaftspartnern – gelinde gesagt – nicht üblich ist.

Schon integriert

Die Einbeziehung der Energiewirtschaft in die Montan-Union ist wieder aktuell geworden. In Bonn beschäftigt man sich hiermit sehr ernsthaft.

Partnerschaft– praktisch vorexerziert

Unser Mitarbeiter besuchte die Flender-Werke (A. Friedr. Flender & Co.) in Bocholt/Westfalen, um sich über die vorbildlichen betrieblichen Sozialeinrichtungen dieses Unternehmens zu informieren.

Auf einen Blick...

Was bringt die Sitzung des Zentralbankrats in dieser Woche? Um diese Frage kreisten in den Börsensälen alle Gespräche. Da kaum jemand an eine Selbstbeschränkung der öffentlichen Hand in ihrer Ausgabenwirtschaft glaubt, und eine zentrale Lenkungsbefugnis auch nicht vorhanden ist, wird befürchtet, daß alle weiteren Maßnahmen zur Drosselung der auf einigen Gebieten überhitzten Konjunktur in erster Linie wieder die Privatwirtschaft treffen werden.

Zahlen trügen

Einen Strauß von Vorschlägen zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Außenhandels hat der Bremer Senator für Außenhandel, Ludwig Helmken, jetzt in einer Denkschrift den zuständigen Bonner Regierungs- und Bundestagsstellen unterbreitet.

Rebellion, aber nur im Saale

Die rund 400 000 bundesdeutschen Einzelhandelskaufleute, die 1955 etwa 47 Mrd. DM umsetzten und damit das Vorjahrsergebnis um 11 v.

Der BDI stellt klar

Die deutsche Industrie hat sich stets zu den Gedanken des Schuman-Plans bekannt und die Montan-Union als einen Vorposten der Integrationspolitik grundsätzlich bejaht.

Bank deutscher Länder rückt von Schäffer ab

Der Bundesfinanzminister hat das ihm im Sommer vergangenen Jahres von der Bank deutscher Länder gelieferte Argument, eine allgemeine Steuersenkung passe nicht in die restriktive Linie, nur allzugern aufgegriffen.

Für fremde Rechnung

Auch in den Monaten Januar und Februar des laufenden Jahres erfüllte die Saarwirtschaft ihre "Funktion" als Devisenbringer Frankreichs, indem sie auf Grund eines beträchtlichen Ausfuhrüberschusses im Warenaustausch mit der Bundesrepublik die bereits zur Tradition gewordene passive französische Handelsbilanz gegenüber dem deutschen Partner nicht nur zum Ausgleich brachte, sondern darüber hinaus noch einen hochwillkommenen Devisengewinn ermöglichte.

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