Die Genfer Atom Konferenz hat der zukünftigen Energieversorgung der Erdbevölkerung besondere Aufmerksamkeit zugewendet. An der Spitze der Energieversorgung steht die Elektrizitätserzeugung. In welchem Maße sie die Wirtschaftsstärke eines jeden Landes bestimmt, zeigen nachstehende Untersuchungen.

in zuverlässiger Gradmesser für dieWirtschafts- stärke eines Landes und die Wohlhabenheit iiier Bürger ist der Stromverbrauch. Etwa 70 bis i v. H des Stromes werden in den industrialisiern Ländern im Durchschnitt für die Fabrikation >n Wirtschafts- und Gebrauchsgütern verwendet, wischen Stromverbrauch und Produktionskraft steht aber ein enger Zusammenhang. Ein Beispiel erfür sind die USA. Mit 165 Millionen Einwoh;rn oder 7 v. H der Erdbevölkerung verbrauchen : rund die Hälfte der Weltstromerzeugung von l Bill. Kilowattstunden (kWh). Die übrigen 4 Milliarden Menschen der Erde verbrauchen die idere Hälfte. Die Produktionskapazität eines indes läßt sich leicht aus der Zahl der Industriebeiter und der jedem Arbeiter zur Verfügung ;henden elektrischen Leistung in Kilowatt (kW) rechnen. Dabei muß allerdings noch die in den nzelnen Ländern unterschiedliche Arbeitsstunden hl je Jahr berücksichtigt werden. Im allgemeinen chnet man mit der Faustformel, daß jedes kW r Leistung von zehn Schwerarbeitern entspricht. Ein Vergleich der Verhältnisse in den USA, der >wjetunion und der Bundesrepublik ergibt folgenis Bild: Jedem der 14 3 Millionen amerikanischer idustriearbeiter steht eine elektrische Leistung von 3 kW zur Verfügung. Da er im Jahre durchinittlich nur 2100 Stunden tätig ist, ergibt sich r Amerika eine Produktionskraft aus 2500 Miltrden Arbeitsstunden im Jahr. Für die Bundespublik Deutschland ergibt sich für 5 55 Millionen dustriearbeiter mit je 3 6 kW eine Produktionsaft aus rund 500 Milliarden menschlicher Arbeitsanden und für die Sowjetunion, trotz einer Indu iearbeiterzahl von 17 9 Millionen und einer arlichen Arbeitszeit von 3000 Stunden, aus der geringen Energiedarbietung von 1 4 kWArbeiter nur ein Produktionsvolumen aus 750 Milliarden Arbeitsstunden.

Mit menschlichen Arbeitskräften allein — und mag man Millionenheere in Fronarbeitslagern beschäftigen — ist heute also kein Staat mehr zu machen. Das haben die Sowjets, nachdem sie heute besseren Einblick in das Wirtschaftsgefüge der Welt erhalten haben, ebenfalls erkannt. Es wird ihnen auch nicht entgangen sein, daß sie trotz gigantischer Anstrengungen und laufender Fünf Jahrespläne nicht nur nicht aufholen, sondern weiter zurückfallen. Hier ist die Triebfeder für ihr Einschwenken auf die "Politik der Koexistenz und des Lächelns" zu suchen.

Einen noch stärkeren Einfluß als die Energiedarbietung auf die Konkurrenzfähigkeit eines Landes hat der Preis für die Arbeitsstunde. In Deutschland könnte ein Schwerarbeiter mit der Elektrizitätsenergie nur konkurrieren, wenn sein Tageslohn 10 bis 15 Pfennig nicht übersteigt, d h , der elektrische Strom arbeitet für rund ein Prozent der menschlichen Arbeitsentlohnung. In den USA ist dieses Verhältnis durch hohe Arbeitslöhne und geringere Strompreise noch krasser. Die berühmte "Handvoll Reis" des Kulis in den industriell wenig erschlossenen Ländern ist dagegen teuer und läßt eine Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt nicht zu. Der Preis für die Arbeitsstunde beeinflußt aber nicht nur die internationale Marktfähigkeit eines Landes, sondern auch die Kaufkraft oder Beschaffungsmöglichkeit an täglichen Verbrauchsund Bedarfsgütern für die arbeitende Bevölkerung. Hierfür einige Beispiele: Für ein Pf und Brot arbeitet ein USA Mechaniker 4 Minuten, der deutsche die zwei- bis dreifache und der sowjetische Arbeiter die 13fache Zeit. Für Schinkenspeck muß in Deutschland die fünffache, im Sowjetstaat die 42fache Zeit wie in den USA aufgewendet werden. Für einen guten Männeranzug arbeitet der Amerikaner eine halbe Woche, der Deutsche zwei Wochen, der sowjetische Mensch SVa Wochen. Diese Beispiele ließen sich auf Radio, Kühlschränke und u a, Nylonstrümpfe ausdehnen, für die bei uns die dreibis siebenfache, im Sowjetstaat die 30- bis 40fa4ie Arbeitszeit aufgewendet werden muß. In diesen Zahlen prägt sich der überragende E nfluß der Mechanisierung aus. Sie kommt in fo billiger Erzeugnisse in erster Linie dem schiffenden Menschen zugute. Seit Beginn der Wehindustrialisierung (1850) hat nicht nur die Eidbevölkerung, sondern auch ihr Energieverbrauch in einem beängstigenden Maße zugenommen. Die Sorge ist daher nicht unberechtigt, ob und vie lange unsere herkömmlichen Energien (Kohle, Eidöl, Naturgas und die Wasserkräfte, die sogenannte "weiße Kohle") noch ausreichen. Seit der Jar rhundertwende verdoppelt sich alle zehn Jahre cer rmStromverbrauch auf der Erde. Er beträgt heute das rund 40fache vom Jahre 1900. Zum Glück — kann man sagen — sind die für die Stromerzeugung notwendigen Energiemengen! nicht im gleichen Maße gestiegen. Die je Kilowattstunde (kWh) aufgewendete Energie beträgt heute nur noch ein Fünftel bis ein Sechstel der um die Jahrhundertwende notwendigen. Der Weltjahresverbrauch an Kohle für die Stromerzeugung ist auf Grund technischer Verbesserungen wenig gestiegen und beträgt heute kaum 5 v. H der Kohleförderung auf der Erde (in Deutschland 9 8 v. H ), wobei Wasserkraft und Naturgas (USA) wertvolle Unterstützung geben. Alfons Stadie