S. L., Berlin

Höher als der Kreuzberg, mit Sechsundsechzig Metern bisher Berlins höchste Erhebung, ist der neue Trümmerberg am Teufelssee, der neue Aussichts- und Promenadenberg an der Heerstraße. Jahr für Jahr haben hier am Grunewaldrand Lastwagen Berlins zermahlenen Trümmerschutt abgeladen. Was nicht zu Ziegelsplitt oder neuen Mauersteinen verarbeitet wurde, kam auf die "Schuttkippen" am Humboldthain, am Schöneberger Südgelände und am Teufelssee. So entstanden respektable Berge von mehr als siebzig Metern Höhe, wo auch Grünanlagen, Spielplätze und Promenadenwege angelegt werden konnten.

Nach Humboldthöhe und "Insulaner" ist jetzt der "Teufelsberg" fertig geworden. Seine fünfzehn Millionen Kubikmeter Trümmerschutt haben die Rohbauten der Wehrtechnischen Fakultät, die Hitler hier an der Heerstraße bauen wollte, allmählich unter sich begraben. Autozufahrt, Parkwege und Ski-Sprungschanze sind teils geplant, teils bereits angelegt. Von der Bergkuppe bietet sich eine schöne Aussicht über Grunewald und den westlichen Stadtrand. Nun sollen in der Anlage drei kleine tanzende Teufelchen aufgestellt werden, die gemeinsam eine Trinkschale für Vögel in Händen halten.

Über diese Teufelsplastik kam es am Tage vor Himmelfahrt zu Auseinandersetzungen in der Bezirksverordnetenversammlung des zuständigen Stadtteils Wilmersdorf. Besorgt um religiöse. Gefühle fragte die FDP an, ob das Teufels-Projekt tatsächlich verwirklicht werden solle. Es handele sich um keine "satanische Plastik", beeilte sich der SPD-Stadtrat Doeschner zu erklären, sondern nur um ein paar harmlose, verspielte Teufelchen. Doch auch die CDU hatte Bedenken. Schon der Name "Teufelsberg", erklärten ihre Abgeordneten, werde das religiöse Empfinden der Berliner Bevölkerung verletzen. Nach lebhafter Debatte erklärte die Fraktionsvorsitzende der CDU, die Bezirksverordnetenversammlung sei nicht der rechte Ort für weltanschauliche Diskussionen, und so wurde das "teuflische" Prozekt zur Beratung den zuständigen Ausschüssen überwiesen.