avi, Darmstadl

Der Tod hat seltsame Einfälle: in den beiden Mordsachen, an denen die Menschen in Sidwestdeutschland in den letzten Monaten den stärksten Anteil nahmen, hießen die Opfer Gertrud Müller. Diesen Namen trug die Frau des Zahnarztes aus Otterberg bei Kaiserslautern, dessen Prozeß in einigen Wochen nach viermonatiger Pause vor dem Schwurgericht der Westpfalz wieder beginnen soll. Und nun wurde am 20. April im Forst "Tanne" bei Darmstadt die 17jährige Friseuse Gertrud Müller aus Frankfurt tot aufgefunden.

Festzustellen, wie und warum sie starb, scheint der Kriminalpolizei ebenso schwerzufallen wie im Kaiserslauterner Falle. Das siebzehnjährige Mädchen ist wohl von dem Manne erschlagen worden, von dem es sich am Morgen des 18. April zu einer Autofahrt nach Geschäftsschluß einladen ließ. Erstaunliche Schwierigkeiten ergaben sich bei der Arbeit der Mordkommission: da nahm ein Mann – wahrscheinlich nichtsahnend – die Kleider der Toten ansich, die in dem gleichen Waldstück lagen wie die Leiche; er ging damit zu Fuß auf der breiten Ausfallstraße nach Darmstadt entlang, wurde beobachtet und der Polizei beschrieben, lieferte aber trotz mehrmaliger Aufrufe und Zusicherung von Straffreiheit seinen Fund nicht ab. Ebensowenig gelang es, den Finder der Brieftasche zu ermitteln, die der Begleiter Gertruds, wie man aus ihren Erzählungen im Geschäft weiß, bei seinem Besuch in Frankfurt verloren haben soll. So scheint sich alles gegen die sühnende Gerechtigkeit verschworen zu haben. Eine geradezu dämonische Verkettung tückischer Zufälle waltet in den beiden Fällen Gertrud Müller; als sollte an dem Schicksal zweier unglücklicher Menschen gleichen Namens demonstriert werden, wie unzulänglich trotz allen kriminaltechnischen Fortschritts auch in unserer Zeit der Schutz des Guten gegen das Böse ist...