Bamberg, im Juli

Auf dem in der Kunstgeschichte berühmten Barockschloß Weißenstein in dem unterfränkischen Pommersfelden bei Bamberg, wurde kürzlich eine Fürstenhochzeit gefeiert. Beide Brautpaare, die Schwestern Priscilla und Clarissa, Gräfin v. Schönborn-Wiesentheid, und ihre Vettern, die Grafen Franz Josef und Alois von Waldburg-Zeil, entstammen alten reichsunmittelbaren Geschlechtern. 26 Erzherzöge, 90 Prinzen und 233 Grafen und Barone und kein einziger Bürgerlicher nahmen an der Hochzeit teil.

Die Grafen von Schönborn, deren Ahnen schon im 12. Jahrhundert zur Reichsritterschaft gehörten, waren unter den größten deutschen Bauherren und Mäzenen des Barockzeitalters. Als hohe kirchliche und weltliche Würdenträger des Reiches beriefen sie berühmte Baumeister, wie Maximilian von Welsch, Balthasar Neumann, die beiden Brüder Dientzenhofer, und Lucas von Hildebrandt, um Mainz, Würzburg und Bamberg mit herrlichen Barockbauten zu schmücken. Die Residenz in Pommersfelden entstand, und der südwestdeutsche Raum wurde mit Kirchen und Schlössern festlich belebt.

Der Hauptteil des Schlosses wurde 1718 fertiggestellt. Das offene Hufeisen des gewaltigen Baues läßt einen wuchtigen Mittelbau hervortreten, an den sich zweistöckige Trakte mit vier Eckpavillons anschließen. Die Gesamtanlage ist eine Symphonie der Prachtentfaltung. Schattige Alleen führen zum Vorhof, dem ein zweiter Vorhof auf der Gegenseite entspricht. Schmiedeeiserne Gitter und Tore leiten zum weiten, gelbsandigen Ehrenhof, der vom Hufeisen des Schlosses und dem feingeschwungenen Halbrund des Marstallgebäudes umfriedet wird. Durch das Schloßportal tritt man in die großartige, dreigeschossige Halle, in der-die breite Treppe nach zwei Seiten in die helle Weite steigt. Eine Sehenswürdigkeit, die viele Touristen anlockt. Die säulengetragene umlaufende Galerie mahnt an italienische Vorbilder. In Höhe eines kleines Vorsaales vereinigen sich die beiden Flügel der Treppe als Auftakt zum eigentlichen Festsaal. Maximilian von Welsch hat diesen Marmorsaal als Herzstück des Schlosses gestaltet. Das große Deckengemälde des Österreichers Rottmayr stellt den Sieg der Schönborn’schen Tugenden über die Laster dar.

Die Gemäldegalerie, die vor allem Holländer, Flamen, Deutsche und Italiener des 16. bis 18. Jahrhunderts aufweist, ist eine der bedeutendsten und reichhaltigsten in deutschem Privatbesitz. Ebenso ist die ein Stockwerk höher gelegene Bibliothek mit ihren bibliophilen Schätzen ein kostbarer Besitz. Im Erdgeschoß führen sieben große Glastüren zum Park, der vormals im französischen Stil, jetzt als englischer Park gestaltet, sich in die Landschaft ausdehnt. Der jetzige Besitzer der Schlösser und Besitzungen Pommersfelden und Wiesentheid, Graf Carl von Schönborn und Wiesentheid, ist Dr. med. und Dipl.-Volkswirt. Seine Wälder liefern reiche Holzbestände, seine Weinberge beste Weine. Er hat vielen Vertriebenen, vor allem Glasbläsern aus dem Sudetenland, eine neue Heimat gegeben. Die neu erstandenen Werke stellen edle Gläser und Porzellan her. Auch die Kunst hat in Pommersfelden eine pflegliche Stätte, die alten Kunstwerke werden sorgsam verwahrt und erhalten und die Musikabende im Schloß sind weit bekannt. M. G. St.