Der Bericht des Vorstandes der Buderus’sche Eisenwerke, Wetzlar, schließt mit dem Satz: "Wir verhehlen nicht unsere große Sorge um die Kostenentwicklung!" Bei Buderus ist es so, daß die Erfolge der Rationalisierungen und die Vorteile der Kostendegression aus der Umsatzausweitung durch die steigenden Kosten zu einem erheblichen Teil aufgezehrt wurden. Diese Feststellung trifft der Vorstand besonders für den Gießereibereich. Der Wettbewerb und "allgemeinwirtschaftliche Gründe" haben bislang eine Heraufsetzung der Preise verhindert, ein Beweis dafür, daß die Kapazitäten in der Gießereiindrustrie trotz der ständig wachsenden Produktion noch ausreichend sind. Der wachsende Bedarf konnte nicht nur glatt befriedigt werden, sondern es blieb noch Kapazität frei.

Bei diesem Tenor des Geschäftsberichts war eine Erhöhung der Dividende nicht zu erwarten. Sie blieb für 1955 bei 8 v. H. über die Aussichten für das laufende Geschäftsjahr äußert sich der Vorstand sehr zurückhaltend. Einerseits glaubt er an eine gute Beschäftigung der Werke, andererseits läßt er unter Hinweis auf die Auswirkungen der Kreditrestriktionen oder "sonstiger Maßnahmen" alles offen. In der gegenwärtigen Kapitalmarktsituation, die den Baumarkt über kurz oder lang erheblich beeinflussen muß, ist diese Vorsicht durchaus am Platze, zumal ein Ausgleich durch Verstärkung des Exports kaum erreicht werden kann. Der Export ist zwar in 1955 gegenüber dem Vorjahr um 57 v. H. angewachsen und macht 10 v. H. des Gesamtumsatzes von 289 Mill. DM (+23 v. H.) aus, doch war für diese Steigerung der Abschluß eines größeren Einzelgeschäftes mit der Türkei ausschlaggebend, das inzwischen abgewickelt worden ist. Im ganzen gesehen ist die Exportsituation für die westdeutsche Gießereiindustrie problematisch geblieben, weil sie auf den internationalen Märkten einem Wettbewerb begegnet, der kaum eine Kostendeckung ermöglicht. Zwei Gründe nennt Buderus für die Bemühungen, dennoch das Exportgeschäft zu pflegen: 1. Erhaltung künftiger Absatzmärkte und 2. Schaffung eines Rückhalts bei nachlassendem Inlandsabsatz.

Die Bilanz selbst macht trotz gewisser Schmälerungen in der Rentabilität einen durchaus gesunden und starken Eindruck. Das AK von 26,45 Mill. sowie die Rücklagen von 41,7 Mill. DM überdecken weit das Anlagevermögen von 34,3 Mill., zu dem allerdings noch die auf 25,5 (9,4) Mill. erhöhten Beteiligungen kommen. K. W.