In Paris hat auf Einladung der Internationalen Handelskammer eine Konferenz fast aller internationalen Verkehrsverbände stattgefunden, so z. B. des Bureau Permanent International des Constructeurs d’ Automobiles, der Union Internationale des Transports Routiers (IRU), des Conseil des Industrielles d’Europe (CIFE), der Federation Internationale des Associations des Transporteurs et Assimiles (FIATA), der Federation Routier Internationale (IRF) und der großen internationalen Automobil- und Touristenverbände. Die Ergebnisse sind in mancher Hinsicht bemerkenswert. Auf der internationalen Ebene haben sich Kraftfahrzeugbau und Straßenbau, Verladerschaft und Transportgewerbe zu einer einmütigen Auffassung hinsichtlich der europäischen Verkehrspolitik bekannt. Verkehrsnutzer und Verkehrsmittler haben an einem Strang gezogen, um das Beste für eine europäische Wirtschafts- und Verkehrsintegration herauszuholen.

Anlaß hierzu war die drastische deutsche Rechtsverordnung über die Herabsetzung der Maße und Gewichte bei Lastkraftfahrzeugen. Die Neigung der Deutschen, immer etwas Besonderes zu tun und sich möglichst außerhalb des Allgemeinen zu stellen, hat in Paris einen ziemlichen Dämpfer erhalten. Schon bald nach Erlaß der Rechtsverordnung, die die Lastzugmaße auf 14 m Länge und 24 t Gesamtgewicht herabsetzte, meldeten sich aus allen Nachbarländern der westdeutschen Bundesrepublik sehr beachtliche Stimmen, die gegen diese Verordnung Front machten. Es ist ja auch völlig unverständlich, daß die Bundesrepublik als Verkehrsmittelpunkt Europas verkehrspolitische Maßnahmen trifft, ohne auf die Belange der Nachbarländer Rücksicht zu nehmen, ja, sie noch nicht einmal um Stellungnahme zu bitten. Die einmütige Auffassung der in Paris versammelten Verkehrsverbände ging dahin, daß die in dem Genfer Abkommen von 1949 festgesetzten Maße und Gewichte für Lastkraftwagen (d. h. 18 m Länge und 32 t-Gesamtgewicht) Grundlage jeden Gespräches bilden müßten. Jede Unterschiedlichkeit in den Abmessungen und Gewichten für Kraftfahrzeuge, die die Straßenfahrzeuge an die Grenzen ihres eigenen Landes bindet oder einen gleichmäßigen Verkehr in allen europäischen Ländern verhindert, wirkt dem erstrebten Warenaustausch auf europäischer Ebene entgegen. Es soll daher mit allen Mitteln danach gestrebt werden, zu einer einheitlichen europäischen Lösung zu kommen. Hierbei soll nur von den technischen Möglichkeiten und den Verkehrsbedürfnissen der europäischen Wirtschaft ausgegangen, aber von jeder prohibitiven verkehrspolitischen Lenkungsmaßnahme abgesehen werden.

Besondere Bedeutung gewinnt die Pariser Tagung in Anbetracht der am 14. Oktober in München stattfindenden europäischen Verkehrsministerkonferenz (CEMT), die sich von der staatlichen Warte aus ebenfalls mit diesen Verhältnissen beschäftigen muß. In allen Ländern bewahrheitet sich immer wieder die Erfahrung, daß die Regierungen nicht im luftleeren Raum arbeiten können, und auch die letzte Verkehrsministerkonferenz Europas hat ausdrücklich empfohlen, die betroffenen Wirtschaftskreise "auf internationaler Ebene" anzuhören.

Selbst Bundesverkehrsminister Dr. Seebohm hat in Gesprächen mit dem Verband der Automobilindustrie deutlich zu erkennen gegeben, daß er die Festlegung der LKW-Normen nach internationalen Grundsätzen für richtig und erforderlich halte. Wenn nun diese internationale Lösung nicht die deutsche Lösung ist, so möge sich der Bundesverkehrsminister recht schnell an diese Einsicht erinnern. A. v. S.