DIE ZEIT

Doppelgleisig fahren

Man kann von einer Flasche sagen, sie sei noch halbvoll man kann auch sagen, sie sei schon halbleer. Beide Versionen beschreiben den gleichen Tatbestand; beide geben ihn richtig wieder; beide sind korrekt.

Die Synodalen

In dem Streit der evangelischen Synodalen spiegelt sich der innere Kampf des Gewissens um den Weg unseres Volkes, ein Kampf, dem viele unter uns täglich ausweichen.

Verfehlte Kohlenpolitik

Erik Blumenfeld, bis 1955 Fraktionsführer der CDU und des Hamburg-Blocks in Hamburg, ist als Vorsitzender des Vorstandes der Norddeutschen Kohlen- und Cokes-Werke und Mitinhaber einer führenden Firma des deutschen Kohlenhandels, ein hervorragender Kenner der Kohlenwirtschaft.

Träumer, Spötter und Fanatiker

Die weltpolitische Entwicklung zeigt den Abbau der militärischen Sicherheitsapparate der Großmächte. Die Zeichen der Zeit stehen auf Abrüstung.

Golda Myerson

Als UNO-Generalsekretär Dag Hammarskjöld am 19. Juli auf dem Flugplatz Lydda eintraf, begrüßten ihn dort ein General und eine Frau: General Burns, UNO-Stabschef in Palästina und Golda Myerson, Israels neuer Außenminister.

Glück und Ende von Suez

Am Eingang des Suezkanals steht das Denkmal des Erbauers: Ferdinand de Lesseps. Er streckt weit die Hand aus, wie auf die Weite der Wüste und des Meeres zeigend.

Neuer Turnus im Bundesrat

Der Bundesrat hat, bevor er in die Sommerferien ging, einen Beschluß gefaßt, der drei wichtige Posten in Zukunft den parteipolitischen Rivalitäten entziehen wird: der Vorsitz des Auswärtigen Ausschusses, der des Verteidigungs- und der des Gesamtdeutschen Ausschusses wird vom September an turnusmäßig nach der Größe der Bevölkerungszahl der Länder besetzt werden.

Felix Somary zum Gedächtnis

Neulich erzählte ich einem Bekannten folgende Begebenheit: Ein deutscher Korrespondent hatte seine Redaktion verlassen müssen, weil er glaubte, deren nationalistischen Kurs nicht mehr mitmachen zu können.

Wenn es Krieg in Nah-Ost gäbe

Der Außenminister ist, wie er kürzlich sagte, der Ansicht, daß sich die Rüstungswaagschale zugunsten Israels neigt. Ich hoffe, er wird uns in seiner morgigen Rede ausführlich erklären, wie er zu dieser Ansicht gelangt ist.

Churchill erzählt...

Churchill selber hat bisher den Marlborough, die umfangreiche Darstellung des Lebens und des Zeitalters seines Ahnherrn, als den wesentlichsten Beitrag seiner geschichtlichen Forschungen angesehen.

Studentische Einigkeit

Studenten des Germanistischen Instituts der Greifswalder Universität und der medizinischen Fakultät der Universität Rostock haben, so wird aus der Sowjetzone berichtet, die Beseitigung des obligatorischen gesellschaftswissenschaftlichen Grundstudiums – also des Studiums des Marxismus-Leninismus – gefordert.

Richard Gerlach:: Nur ein Viertelstündchen

Ein Mensch, der sich nichts dächte, wäre wie ein Fluß ohne Wasser. Aber ganz ausgetrocknete Flußbetten sind selten. Meist bleibt ein Tümpel zurück, in dem die Kaulquappen der Kröten geschwaderweise umherschwimmen.

Geld in guten Händen

Zu Beginn jenes Jahrhunderts, das in seinem weiteren Verlauf den Durchbruch der modernen Naturwissenschaften bringen sollte, genauer gesagt: am 24.

Neue Schallplatten:: Ein neuer Caruso?

Im März des Jahres 1902 wurde in der Mailänder Skala eine unwichtige Oper des Komponisten Franchetti uraufgeführt, die Hauptrolle sang ein junger italienischer Tenor namens Enrico Caruso.

Notizen

Atombibliothek nach Frankfurt? Neben Bonn und München-Riem bewirbt sich jetzt auch Frankfurt als "geographisch dafür am günstigsten gelegener Ort" um die Beherbergung der vom Bundesatomministerium geplanten Atombibliothek.

Das Herz meines Herzens will ich opfern

Stefan Andres, der vor kurzem seinen 50 Geburtstag feierte, hat soeben den letzten Band seiner Sintflut-Trilogie fertiggestellt, aus dem wir hier die 13.

Das endet im Absurden

Schwellend grünes Land der Normandie, dunstverhangene Ferne, Wind, der gleichzeitig Heugeruch und Atem des nahen Meeres heranträgt, graublaue Schieferdächer niedriger Häuser, die sich um ein Schloß und eine Kathedrale scharen: Eu.

Ostforschung auf Abwegen

Gewisse Ergebnisse in der deutschen Osteuropaforschung erwecken den Eindruck, als seien sie mit einem Seitenblick auf den "Reptilienfond" und die antibolschewistischen Gefühle derer, die diesen Fond verwalten, geschrieben worden.

Malerei als Geschichte unserer Seele

Zu Beginn des Jahres 1945 wurde man in Paris, Genf und Zürich in Erstaunen versetzt durch ein äußerst kühnes Plakat, das an den Litfaßsäulen alle übrigen Reklamebemühungen wirksam übertönte.

Seltsamer Austausch

Publizisten der Sowjetzone führen immer wieder Klage darüber, daß es zwischen den beiden Teilen Deutschlands einen breiten Literaturaustausch nicht gibt und machen die Bundesrepublik für diesen Zustand verantwortlich, da in Westdeutschland sowjetzonale Autoren fast gar nicht mit ihren Büchern auf dem Markt erscheinen und auch die literarischen Zeitschriften der Bundesrepublik Beiträge von Schriftstellern aus der "DDR" nicht publizieren.

Himmel ohne Sterne

Es ist die Geschichte eines westdeutschen Polizeibeamten und einer mitteldeutschen Arbeiterin, deren Liebe über die Zonengrenze siegt, aber auch tragisch an ihr endet.

Ein früher Giraudoux

Jean Giraudoux ist einer der wenigen Schriftsteller des literarisch autarken Frankreichs, die wesentliche Anregungen für ihr Schaffen aus der deutschen Literatur empfangen haben, und zweifellos ist er der einzige französische Dichter, der den Geist deutscher Romantik so seinem Werke assimiliert hat, daß eine echte, zur eigenen Schöpfung gehörende Verbindung daraus geworden ist.

Friedland – zu einseitig gesehen

Friedland – das ist eine unvergeßliche Station deutscher Geschichte. Rund zwei Millionen Menschen sind bisher durch dieses niedersächsische Dorf an der deutsch-deutschen Grenze gegangen: Kriegsgefangene, Internierte, Vertriebene, Rückwanderer und Heimatlose.

Hamburg: Meine Nase, deine Nase

Seit Jahren "riecht es" in einigen Hamburger Gebieten, und seit dem 13. September 1955 gibt es einen "Behördenausschuß zur Bekämpfung von Geruchsbelästigungen", der einen Verordnungsentwurf ausarbeitete und dem Senat vorlegte.

Bremen: Nasse Siedlung

Auch die Stadt Bremen hat ihre Hochwassergeschädigten. Es sind die Bewohner der erst im vergangenen Jahr fertiggestellten Kriegsbeschädigtensiedlung im Vorort Arbergen.

Berlin: Happy-End am Wedding

Die weißen Sturzhelme unter dem Arm, einen Gladiolenstrauß in der Hand, erschienen in der vergangenen Woche rund dreißig Mitglieder der "Motorrad-Clique" mit ihren "Bräuten‘ auf dem Weddinger Rathaus, um mit Bezirksbürgermeister Mattis und der Jugendstadträtin über die Unruhen zu sprechen, die in den vergangenen Wochen ihr Tanzvergnügen in der Afrikanischen Strafe an Donnerstagabenden ausgelöst hatte.

Barlachs Haus

Ein kleines, altes Haus, dessen vorgezogenes Dach auf vier Säulen ihm die Stimmung eines nobelbescheidenen Herrenhauses gibt, steht in Ratzeburg hinter der Stadtkirche.

Die Autos im Zug

Von Mittwoch bis Sonnabend jeder Woche zwi-"sehen17 und 18 Uhr kann man auf dem Bahnsteig 6 des Bahnhofes Hamburg-Altona Zeuge eines erstaunlichen Vorgangs sein: Personenkraftwagen fahren in die Bahnhofshalle, parken dort eine Zeitlang und werden dann in Abständen von fünf Minuten von einem Bahnpolizisten aufgefordert, auf Bahnsteig 6 zu fahren.

Besuch im Schloß

Auf dem in der Kunstgeschichte berühmten Barockschloß Weißenstein in dem unterfränkischen Pommersfelden bei Bamberg, wurde kürzlich eine Fürstenhochzeit gefeiert.

Näkemiin, mein See!

Kümenen kala!" riefen mir der braunschopfige Vekko und die flachsblonde Sirkka zu, als ich wieder einen zappelnden Braxen von der Legangel löste.

Saison an der Zonengrenze

Es ist kein Fehler, wenn man nicht genau weiß, wo das Fichtelgebirge liegt. Peinlich wird die kleine Bildungslücke erst dann, wenn man nicht weiß, daß es sich als Geburtsstätte namhafter Flüsse – Saale, Main, Eger und Naab – einen Namen macht und zwei Meere kulant mit Wasser bedient.

Reisenotizen

Mit dem Postillion. Nicht nur von Bad Kissingen nach Bocklet und von Neuenahr durch das Ahrtal, sondern neuerdings auch von Garmisch-Partenkirchen zum Badersee fährt eine zweispännige, gelbe Postkutsche mit einem Postillion obendrauf.

Auf einen Blick ...

Die Front der Gegner einer DM-Aufwertung hat sich verstärkt: Auch der Kreditausschuß des Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHT) sprach sich gegen eine Aufwerfung aus.

Leipziger Fondants

Wer in den letzten Jahren aus dem Ausland, das zwar nicht zum "Weltfriedenslager" zählt, dafür aber über eine in aller Welt anerkannte harte Währung verfügt, zur "Leipziger Messe" fuhr, erlebte beim Betreten von Ulbrichts Kolonie an seinem Geldbeutel ein rotes Wunder: er erhielt sein gutes Geld zu einem Zwangskurs umgewechselt, der – gelinde gesagt – eine Unverschämtheit darstellt.

Einheitliche Lastzug-Längen

In Paris hat auf Einladung der Internationalen Handelskammer eine Konferenz fast aller internationalen Verkehrsverbände stattgefunden, so z.

Ungebührliche Gebühren

Mit wohltönenden Mahnungen, ernsten Vorwürfen und erhobenem Zeigefinger versuchen die Verantwortlichen des Staates, den Preisauftriebstendenzen Einhalt zu gebieten.

Baumwolle unter Boykott?

Nordamerika hat mehr als 14 Mill. Ballen Rohbaumwolle auf Lager, die sich aus den Oberschüssen der Ernten der letzten Jahre angesammelt haben.

Transithandel leichter

Mit dem in Vorbereitung befindlichen Runderlaß des Bundeswirtschaftsministeriums über den Transithandel wird eine erfreuliche Vereinfachung des bisherigen Verfahrens erfolgen.

Schwierige Schwedenberatungen

Eigentlich war schon vor vier Wochen alles klar, und man rechnete damit, daß der westdeutsche Handelsvertrag mit Schweden am 6.

Großtanker in der Ölschlacht

Als der ägyptische Ministerpräsident Nasser in der vergangenen Woche seine Hand auf den Suez-Kanal legte, mußten die internationalen Erdölgesellschaften empfindlich reagieren.

...vor den Aktionären

Die zweite oHV der IG-Farbenindustrie i. A. in Frankfurt, auf der rund 66 v. H. des Stamm-Aktienkapitals vertreten waren, hat erwartungsgemäß wenig Neues gebracht.

Conti-Gas ist vorsichtig

Der Boom sei vorüber; die gute Konjunktur hätte einen Schlag von der Finanzierungsseite her erhalten und wäre merklich im Umkippen, erklärte der Vorsitzer des Vorstandes der Deutsche Continental-Gas-Gesellschaft, Düsseldorf (früher Dessauer Gas), Dr.

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