Über die Rolle, die das Teilzahlungsgeschäft innerhalb der Volkswirtschaft spielt, gehen die Meinungen recht weit auseinander. Da es zuverlässige Statistiken offenbar nicht gibt, müssen die nicht sehr genauen Zahlen für beide Seiten herhalten – für die Anhänger des Ratenzahlungssystems wie auch für seine Gegner. Sehen wir hier einmal von allen moralischen und sozialen Argumenten ab und beschäftigen wir uns zunächst einmal mit den Größenordnungen, mit denen wir es bei den Teilzahlungskrediten zu tun haben. Nach den Feststellungen des Instituts für Handelsforschung der Universität Köln betrug der gesamte Anteil der Kreditverkäufe 1955 etwa 14,9 v. H. bei einem Einzelhandelsumsatz von 46,8 Mrd. DM. In seinem Jahresbericht 1955 schätzt der Wirtschaftsverband Teilzahlungsbanken e. V. den Kreditumsatz aus der bankmäßig betriebenen Teilzahlungsfinanzierung (1955) auf 3,7 Mrd. EM; dazu treten noch 0,5 Mrd. aus Kreditverkäufen durch Handels- und Herstellerbetriebe sowie Energieversorgungsunternehmen. Das wären zusammen knapp 9 v. H. des Einzelhandelsumsatz. Eine dritte vorliegende Zahl, nämlich aus dem Schnelldienst des Deutschen Industrieinstituts vom 24. Juli, die besagt, daß der Anteil nur 4 v. H. ausmacht, geht völlig an den Realitäten vorbei, weil hier die Ergebnisse der Teilzahlungsbanken mit denen des gesamten Ratenkaufwesens gleichgesetzt werden. Geschäftsbanken, Sparkassen, Handels- und Herstellerbetriebe mit ihrem immerhin beträchtlichen Teilzahlungskreditvolumen blieben außer Ansatz.

Wenn die Grundlagen schon ziemlich vage sind, kann es nicht verwunderlich sein, daß man bei der Beurteilung der konjunkturellen Auswirkungen des Ratenkaufs zu verschiedenen Schlußfolgerungen gekommen ist. Ohne Zweifel können Abzahlungsgeschäfte die Konjunktur "überhitzen", weil sie überwiegend im konjunkturellen Aufschwung abgeschlossen und später, im Falle eines Rückschlages, sehr leicht notleidend werden. Deshalb läge es nahe, genauso wie in den USA und in Großbritannien, der Regierung das Recht einzuräumen, im Einvernehmen mit der BdL Anzahlungshöhe und Ratenlaufdauer festzulegen. Mit dieser Ermächtigung würde die Bundesregierung ein Instrument zur Konjunktursteuerung in die Hand bekommen. Daß die Teilzahlungsbanken und auch die hauptsächlich betroffenen Wirtschaftskreise von diesem während der konjunkturpolitischen Debatte des Bundestages auf der Berliner Sitzung eingebrachten Antrag der CDU/CSU nicht gerade begeistert waren, läßt sich denken. Aber auch die BdL scheint von einer gesetzlichen Regelung dieser Frage nicht allzuviel zu halten. Sie hat nämlich schon im vergangenen Jahr erklärt, daß der Teilzahlungskredit in Westdeutschland nur eine vergleichsweise geringe Bedeutung erlangt hat und daß demzufolge von der Festsetzung der Anzahlung und Laufdauer der Raten für die Gesamtwirtschaft kaum ein ins Gewicht fallender konjunkturausgleichender Effekt zu erwarten ist. Mit dieser Meinung stützte sich die BdL auf die Tatsache, daß der Kreditvolumenanteil aus der bankmäßig betriebenen Teilzahlungsfinanzierung im März 1955 nur 3,4 v. H. betrug. Am 31. Dezember 1955 machte er 4,2 v. H. aus.

Und selbst wenn man zu einem anderen Schluß kommen sollte, so stellen sich einer sachgemäßen Variierung der Teilzahlungskonditionen erhebliche technische Schwierigkeiten entgegen. Erschwert man nämlich das Teilzahlungsgeschäft global, so würden in voller Schärfe nur solche Wirtschaftszweige betroffen werden, bei denen der Anteil der Teilzahlungskäufe besonders hoch ist. Das ist der Fall bei der Kraftfahrzeug- und Möbelindustrie und bei gewissen Sparten der Textilwirtschaft sowie bei den Herstellern von Herden, Öfen, Waschmaschinen und Kühlschränken. Ob nun gerade hier noch konjunkturell gebremst werden muß, ist zweifelhaft. Entschließt man sich für diese Zweige zu einer restriktiven Teilzahlungspolitik, wird sehr schnell der Erfolg in Produktionseinschränkungen und Arbeiterentlassungen sichtbar werden. Großbritannien hat das gerade vorexerziert.

Es gibt also gute Gründe genug, die Freiheit im Teilzahlungsgeschäft aufrecht zu erhalten, zumal in der jetzigen Geld- und Kapitalsituation unerwünschte Auswüchse ohnehin seltener geworden sind. Scheint sich bei den Kreditgebern ein höheres Maß an Vernunft anzubahnen, so gehen auch bei den Käufern seit einiger Zeit Lichter auf, denn erstmalig ist nach Feststellungen des bereits zitierten Kölner Instituts für Handelsforschung im vergangenen Jahr der gesamte Anteil der Kreditverkäufe am Einzelhandelsumsatz leicht rückläufig gewesen (1954: 15,5 v. H., 1955: 14,9 v. H.). Wenn das Industrieinstitut für 1955 dagegen eine überdurchschnittliche Zunahme errechnet hat, dann liegt es wieder daran, daß es sich allein auf die Zahlen der Teilzahlungsbanken stützt. Sie wiesen eine Zunahme um 61,7 v. H. auf, aber in erster Linie deshalb, weil im vergangenen Jahr 14 Teilzahlungskreditinstitute neu hinzugekommen sind und weil das bisher wohl bedeutendste selbstfinanzierende Unternehmen des Einzelhandels – DEFAKA Deutsches Familienkaufhaus – seine Kreditverkäufe über die in 1955 als Teilzahlungsbank konzessionierte DEFAKA Kreditbank GmbH abwickelt und damit erstmals in der Statistik der bankmäßig betriebenen Teilzahlungsfinanzierung erscheint. Tatsächlich liegt also weitgehend eine Verlagerung in der Teilzahlungsfinanzierung – also keine absolute Zunahme – vor. Wie sich die Dinge im laufenden Jahr entwickelt haben, ist schwer abzusehen. Die Teilzahlungsbanken berichten für das erste Quartal von neu in Anspruch genommenen Teilzahlungskrediten im Betrag von 473,7 Mill. DM. Gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres bedeutet das eine Zunahme von 28,5 v. H. Es spricht vieles dafür, daß dies das Ergebnis der restriktiven Kreditpolitik ist, die viele Betriebe zur Aufgabe der Direktkundenfinanzierung zwang. Die Kundschaft wurde an die Banken verwiesen.

Einen Rückgang der Ratenkaufverpflichtungen hat übrigens auch das Emnid-Institut für Verbrauchsforschung beobachtet. Seit etwa fünf Viertel Jahren verringert sich der Anteil der Haushalte, die durch Schuldentilgung in Anspruch genommen sind. Mit Ausnahme der ohnehin geringen Quoten bei den Rentnern zeigt sich der Anteil der mit Schuldentilgung Befaßten bei allen Berufsgruppen rückläufig. Den höchsten Anteil an der Schuldentilgung leisteten die Landwirte. Ganz gleich ob diese Beobachtungen als repräsentativ gelten können oder nicht – eine solche Tendenz verdient Aufmerksamkeit, weil sie zeigt, daß die Bereitschaft der Bevölkerung zum Schuldenmachen nicht unbegrenzt ist. Dieses durchaus gesunde Gefühl gilt es zu stärken! Die Absatzwerbung müßte mehr denn je auf die Vorteile des Barkaufes abgestimmt werden. Um dem Käufer die (meist erheblichen) Mehrkosten des Ratenkaufes eindringlich vor Augen zu führen, sollte eine doppelte Preisauszeichnung für den Barkauf und für den Ratenkauf obligatorisch sein.

Mit dieser Methode wird die Familie wieder zum Sparen veranlaßt. Kein Mensch wird bestreiten können, daß es in Zeiten der Hochkonjunktur gesünder ist, wenn zunächst auf einen Gegenstand gespart wird und dann die Anschaffung erfolgt, als erst die Anschaffung vorzunehmen und dann darauf die Abzahlungen zu leisten. Daß oftmals die Verhältnisse zu der zweiten Form zwingen, ändert nichts am Grundsätzlichen. Wenn die Verfechter des Abzahlungssystems häufig vom "Abzahlungssparen" sprechen und dabei die These vertreten, der Zwang zum Sparen sei beim Ratenkaufsystem größer, so ist ihnen entgangen, daß sie "sparen" und "ausgeben" verwechseln. Sparen bringt Zinsen, Ratenzahlung kostet Zinsen. Ein "kleiner" Unterschied ist also auf jeden Fall vorhanden! Kurt Wendt