Wer in den letzten Jahren aus dem Ausland, das zwar nicht zum "Weltfriedenslager" zählt, dafür aber über eine in aller Welt anerkannte harte Währung verfügt, zur "Leipziger Messe" fuhr, erlebte beim Betreten von Ulbrichts Kolonie an seinem Geldbeutel ein rotes Wunder: er erhielt sein gutes Geld zu einem Zwangskurs umgewechselt, der – gelinde gesagt – eine Unverschämtheit darstellt. Denn anders kann man es nicht bezeichnen, wenn die sogenannte "Deutsche Notenbank" in Ost-Berlin für einen amerikanischen Dollar 2,22 Ostmark, für 100 Schweizer Franken 51,88 Ostmark und für ein englisches Pfund 6,22 Ostmark ihrer international überhaupt nicht handelsfähigen Rubelwährung zahlte. Der damit befolgte Grundsatz, etwa den halben Nominalbetrag des westdeutschen Wechselkurses in einem an den Devisenbörsen nicht gehandelten Geld zu gewähren, galt gegenüber allen westlichen Währungen. Und mancher westliche Geschäftsmann, der nicht gerade für solche und ähnliche Überraschungen, wie etwa die Autotaxen aus Methusalems Zeiten, eine Art Vergnügungssteuer zu zahlen bereit war, hat bei dieser ersten, sehr persönlichen Begegnung mit dem sowjetdeutschen Wirtschaftssystem den rechten Eindruck empfangen.

Aber auch in Pankow hat man sich inzwischen befleißigt, das von den Moskauer Konzernherren B & C gepflegte, koexistenzialistische Lächeln zu üben. Dabei scheint man sich daran erinnert zu haben, daß es in nicht-roter Vorzeit bei Felsche in Leipzig Fondants und andere erlesene Süßigkeiten gab, deren Erwähnung oft schon genügte, um Besucher der Messestadt zu entzücken. – ganz zu schweigen von dem leibhaftigen Genuß. Nun soll künftig nicht etwa jeder Messebesucher aus dem westlichen Ausland mit einer "Bonbonniere volkseigener Fertigung" empfangen werden – aber zur bevorstehenden Herbstmesse haben sich die staatlichen Bankwucherer doch eine Überraschung einfallen lassen: An dem offiziellen Wechselkurs hat sich zwar nichts geändert, jedoch die Ostberliner Notenbank hat dem Leipziger Messeamt ein Sonderkontingent ihrer kostbaren Noten zur Verfügung gestellt, um den Besuchern und Ausstellern aus den Ländern mit harter Währung beim Einwechseln einen Zuschlag zu zahlen.

Für amerikanische und kanadische Dollar, Schweizer Franken und englische Pfund "verschenkt" man rund hundert Prozent, für einige andere Währungen bis zu 95 Prozent des offiziellen Wechselkurses. Doch die Leipziger Fondants sind auch so immer noch ein reichlich teurer Spaß. Und außerdem haben sie einen unangenehmen Beigeschmack nach – Süßstoff... gns.