D. A., Hamburg

Seit Jahren "riecht es" in einigen Hamburger Gebieten, und seit dem 13. September 1955 gibt es einen "Behördenausschuß zur Bekämpfung von Geruchsbelästigungen", der einen Verordnungsentwurf ausarbeitete und dem Senat vorlegte. Am 5. Juni erließ der Hamburger Senat die "Verordnung über das Löschen, Lagern und Befördern von Fischöl- und Fischmehlrohware" mit Inkrafttreten am 1. Juli dieses Jahres, womit zum erstenmal in der Bundesrepublik der Versuch gemacht wurde, eine den Lärmschutzbestimmungen entsprechende Verordnung für die in den betreffenden Gebieten belästigten Nasen zu erlassen. Es ist zwar eine Besserung zu verzeichnen, aber man spürt auch heute noch bei ungünstigem Wind die "Eidelstedter Gerüche", die noch 14 Kilometer entfernt festgestellt werden. Es gibt Hamburger, die davon nachts aufwachen und die Fenster schließen.

Spürnasen haben in Eidelstedt, dem Industriegelände am Rande Hamburgs, drei hauptsächliche "Stinker" herausgefunden: einen Fische verarbeitenden Betrieb, eine Kunststoffabrik und eine Knochenmühle. Die seit 27 Jahren am gleichen Platz arbeitenden Spangenberg-Werke, in denen Tallöl und Terpentin verarbeitet werden, haben mit großem Kostenaufwand (allein jährlich etwa 50 000 DM für Antigeruchchemikalien) ihren eigenen Kampf gewonnen, denn außer einem geringfügigen "Platzgeruch" wird die Luft geruchsfrei. Die "Hauptstinker" blieben die Eidelstedter Extraktions- und Fischmehlwerke Lübcke & Co.

Bewohner entfernter Stadtteile sind der Ansicht, früher sei der Geruch nicht zu bemerken gewesen. Die neutralen Nasen scheinen richtig gerochen zu haben: Die angelieferte Ware ist nämlich schlechter als früher. Der Eidelstedter Betrieb hat von sich aus alles nur Erdenkliche zur Geruchsverminderung getan und befolgte alle Verordnungen. Luftdichte Lagerbunker wurden gebaut und die Abgase chemisch geruchsgereinigt, aber es stinkt doch. Entgegen der ursprünglichen Absicht, eine Bestimmung über die Mindestbeschaffenheit der angelieferten Fische zu erlassen, hat Hamburg davon abgesehen, obwohl es, wie amtlich festgestellt wurde, "unbedingt notwendig wäre". Man müßte Mindestverordnungen, die bei der Lagerung und Konservierung während der Fischfangreise beginnen, erlassen, aber man kann keine Regelung finden, wenn die übrigen Küstenländer der Bundesrepublik nicht mitmachen. Man müßte eine für alle Fischkutter und -dampfer gültige Verordnung haben, damit überhaupt keine anrüchige Ware mehr angeliefert werden kann.